Valerian – Die Stadt der tausend Planeten

Als ich das erste Mal den Trailer zu Valerian and the City of a Thousand Planets (“Valerian – Die Stadt der Tausend Planeten”) sah, war ich nicht gerade angefixt. Die Darsteller sahen ebenso lahm aus wie die Story und den Spruch “Basierend auf den Comics, die eine gesamte Generation prägten” fand ich bescheuert. Welche Generation? Bewusst hatte ich von den Comics noch nie gehört. Die Entscheidung, den Film unbedingt sehen zu wollen, fiel erst, nachdem ich Nerdkulturs Video Die Mutter von Star Wars: VALERIAN sah. Das Video zeigt die vielen Parallelen zwischen Star Wars und den älteren “Valerian”-Comics auf, die ganz offensichtlich optisch als Inspiration dienten.

Die Parallelen zwischen Valerian und Star Wars (und vielen anderen Dingen) sind nicht von der Hand zu weisen und ich beschäftige mich immer gerne mit Inspirationsquellen von Stories, die ich mag. Ich bin also sofort in den Buchhandel, von Carlsen gibt es aktuell einen Softcover-Doppelband zu Valerian mit den zwei Bänden, die maßgeblich in den aktuellen Film einflossen. Nachdem ich den verschlungen hatte, kaufte ich mir direkt noch einen weiteren Sammelband des französischen Sci-Fi-Kultcomics aus den 60ern. Es ist wirklich erstaunlich, wie viel aus den Comics in späteren Filmen, Videospielen und dem gesamten Sci-Fi-Genre vorkam. Speziell “Das fünfte Element” (Luc Besson liebte die Comics seit seiner Kindheit und führte ja nun auch bei der Valerian-Verfilmung Regie), aber auch Mass Effect und jede Menge Star Wars habe ich in den vier Bänden, die ich bisher gelesen habe, wiedergefunden. Das Design des Millenium Falken, Prinzessin Leias Metall-Bikini und ein dicker Ekeltyp, der Jabba sein könnte, zusammen mit fliegenden Schiffen über einer Wüste, Valerian in Carbon-Aufbewahrung und sogar Männer mit Darth-Vader-Masken und zernarbten Gesichtern darunter kommen in den Comics vor.

Valerian - Die Stadt der tausend Planeten

Die Valerian und Veronique-Comics (im Original Valérian et Laureline) sind also eine riesige Inspirationsquelle für alle möglichen Ecken der modernen Science-Fiction und somit für alle Fans des Genres ein Muss. Und es wurde höchste Zeit, dass sie selbst auch verfilmt werden; Luc Besson hat sich damit einen Kindheitstraum erfüllt. Die Comics sind also wichtig, sie sind auch unbedingt lesenswert und dass Luc Besson es drauf hat, ist auch bekannt. Aber taugt denn auch der Film etwas? (Der Film mit dem merkwürdigen Titel, der nicht nur die weibliche Protagonistin weg lässt, sondern im Deutschen auch vermuten lässt, Valerian sei der Name eines Planeten?)

Valerian Cast

Aus den ersten Raumstationen im Erdorbit ist mit der Zeit eine riesige Stadt geworden, die später durch viele außerirdische Rassen nur noch vergrößert wurde. Irgendwann wurde die Raumstation zu groß und wurde ins Weltall abgestoßen, wo sie nun als “Alpha” oder auch “Die Stadt der tausend Planeten” (Roll credits!) durch die Gegend treibt. Valerian und Laureline (hier wieder mit dem Namen aus dem Original unterwegs) sind Agenten der menschlichen Regierung und mit einem Spezialauftrag unterwegs, nämlich den letzten noch existierenden Transmutator zu finden, ein Wesen, das auf dem zerstörten Planeten Mül heimisch war und die Fähigkeit besitzt, Gegenstände zu vervielfältigen. Bei der Übergabe in der Alpha-Station kommt es zu einem Angriff, bei dem der menschliche Commander der Station entführt wird und Valerian von seiner Partnerin bei der Verfolgung der Entführer getrennt wird. Es folgt eine wilde Verfolgungsjagd durch die bunte und von zahlreichen Alienrassen bevölkerte Raumstation.

Ist Die Stadt der tausend Planeten ein guter Film? Die Frage ist nicht leicht zu beantworten. Rein optisch ist der Film eine Wucht und wer die Möglichkeit hat, sollte ihn sich in 3D anschauen. Die Raumstation mit den vielen dutzenden Aliens und ihren Lebensräumen ist im Grunde interessanter als die Story und auch als die beiden Protagonisten, denen man ihre Rollen kaum abnimmt. Das ist auch mein größter Kritikpunkt am Film: Valerian und Laureline werden hier in die Handlung geworfen und als beste und wichtigste Agenten eingeführt, erklärt wird das nicht und glaubhaft wirkt das auch nicht, so kindisch wie die beiden oft wirken und auftreten. Vor allem die ständigen Annäherungsversuche Valerians an Laureline können nach über 2 Stunden doch zeitweise nerven. Generell hätte ich mir hier eine Origin-Story gewünscht statt eines Filmes, der mitten in die Handlung einer Reihe hineinspringt, die außerhalb Frankreichs kaum jemand kennt. So ist es ein bunter Film mit merkwürdigen Figuren und einem leicht durchschaubaren Plot, der nicht so genau zu wissen scheint, was er eigentlich sein will. Fans des fünften Elements werden sich hier optisch zuhause fühlen, wenn auch die beiden Hauptdarsteller im Vergleich zu Bruce Willis ziemlich blass aussehen und auch mit Chris Tucker hatte das fünfte Element einen weiteren charismatischen Darsteller mehr an Bord. Viel besser besetzt sind in Valerian die Nebenrollen, Clive Owen, Ethan Hawke und auch Rihanna nimmt man ihre Rollen ohne zu zögern ab. Am wenigsten überzeugen konnten die CGI-Aliens – die meisten sind zwar mit Verkleidungen und Make-Up entstanden, aber gerade die Avatar-ähnlichen Pearls wirken sehr unecht und künstlich; selbst da hatte der 20(!) Jahre ältere “Das fünfte Element” die Nase vorn.

Trotz aller Kritik hab ich mich keine Sekunde im Kino gelangweilt und hab eigentlich genau das bekommen, was ich nach dem Trailer erwartet hatte. Die Hauptdarsteller fand ich auch nach dem Film noch “zu blass” und eine merkwürdige Wahl, aber wer sich darauf einlässt, das fünfte Element mochte und keine große Story erwartet, kann mit Valerian – Die Stadt der tausend Planeten durchaus viel Spaß haben.

Fun Facts:

*Mit Band 2 der Reihe, “Im Reich der tausend Planeten”, hat der Film nur den Titel gemein, der Film beruht eigentlich komplett auf Band 6: “Botschafter der Schatten”.

**Valerian kann im Comic auch durch die Zeit reisen, Laureline hat er im Mittelalter aufgegabelt, nachdem sie ihn gerettet hat. Er nimmt sie mit in die Zukunft und bildet sie als Raum-Zeit-Agentin aus.

David

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