Short Story Collab #00

Dies ist der Ankündigungsartikel zum ersten Short Story Collab (was ist das?). Ohne viel Gerede, hier das erste Thema, das es bis zum 1.3. zu bearbeiten gilt:

Winter

Warum? Einfach, weil es gerade wieder verdammt kalt wird und teilweise vielleicht auch, weil ich zuletzt “Snowpiercer” gelesen habe. Das Thema ist sehr allgemein, bitte gebt doch Feedback, ob es beim nächsten Mal mehr eingegrenzt werden soll oder ihr das so gut findet. Teilgenommen kann auf alle erdenklichen Weisen, die ich euch einfallen, am liebsten natürlich als Blogartikel und am liebsten auf Deutsch oder Englisch. Abgabe ist immer der letzte Tag des jeweiligen Monats.
Los geht’s!

David

20 Comments

  1. Ich schlage meine Augen auf und spüre, noch bevor ich aus dem Fenster gesehen habe, dass der Winter Einzug gehalten hat.
    Ich spüre es in meinen Gelenken die sich steif und klamm anfühlen. Ich fühle es in den Schmerzen die mir bei jeder Bewegung durch den Körper strömen. Ich lege mich wieder hin und schließe meine Augen.
    Wenn ich meine Augen schließe, sehe ich den gefrorenen Schnee der sich an den kahlen Ästen der Bäume vor meinem Fenster festhält und in den ersten Sonnenstrahlen wie reiner Diamant blitzt. Ich sehe reinen, weissen Schnee der sich über die Dächer der Häuser, den knorrigen Bäumen, den Autodächern, den Straßen und den Gärten der Nachbarn legt.
    Wenn ich meine Augen schließe sehe ich mich wie ich mich mit einem Lachen auf dem Gesicht in den Schnee stürze. Ich sehe mich wie ich mit meinen Mitmenschen einen Schneemann baue, juchzend einen Berg hochlaufe um johlend mit einem Schlitten wieder herunter zu preschen. Ich sehe mich, wie ich auf gefrorenem Eis meine Runden auf Schlittschuhen drehe und die kalte Luft auf meinen Wangen spüre, meinen pochenden Herzschlag höre.
    Wenn ich die Augen schließe sehe ich mich, wie ich mir mit meinen Freunden eine Schneeballschlacht liefere und alle schneebedeckt, glücklich und weiß nach Hause gehen um sich in der warmen Stube in kuschelige Decken zu hüllen.
    Wenn ich meine Augen öffne, spüre ich die Last des Lebens. Wie sie mich mit jedem Schritt daran erinnert, dass manche Dinge eben nur mit geschlossenen Augen möglich sind.
    Noch ehe der Tag richtig begonnen hat, sehne ich mich danach meine Augen zu schließen und den Winter mit einem freundlichen Juchzer willkommen heissen.

  2. 1) Winter

    Stillstand. Gefangen im eigenen Kopf. Noch nie war diese Jahreszeit so trostlos, dabei scheint die Sonne und es schneit kaum. Perfekt um die Zeit draußen zu verbringen und das Leben zu genießen. Doch der Kopf hält einen zurück. Einsamkeit, die dunkle Wolke, die einen umhüllt, wohlig, wie eine warme Bettdecke. Raus gehen? Nein, das hat man nicht verdient, man hat nicht genug getan. Noch steht alles auf der Kippe. Was, wenn man doch mal einen Einfall oder einen Anflug von Motivation hat? Immer in der Nähe des Laptops bleiben, am Besten wo man seine Ruhe hat. Stundenlang auf den Bildschirm starren, der sich nicht füllt. Verzweifelt wieder Twitter öffnen, um nicht über die bevorstehende Niederlage nachdenken zu müssen. Ablenkung, nur bloß nicht das Zimmer verlassen, sonst schleicht sich das schlechte Gewissen an. Und wieder huscht der selbst auferlegte Meilenstein an einem vorbei und die große, bedrohliche Deadline rückt unaufhaltsam näher. Man erstarrt. Die Sonnenstrahlen fallen durchs Fenster und trotzdem zittert der Körper. Der Kopf gewinnt, mir seinen Zellenwänden aus traurigen Geschichten der Vergangenheit und erfundenen Szenarien der Zukunft. Wo ist der Schlüssel? Bewegung. Man bestimmt, welche Geschichten sich im Kopf abspielen. Handeln, planen, um Hilfe bitten. Mit geschlossenen Augen die Sonnenstrahlen genießen, die auf’s Gesicht fallen. Noch ist nichts verloren. Draußen klingt es wie Frühling, der Winter hat sich schließlich kaum bemerkbar gemacht. Es ist Zeit zu genießen. Man hat es bis hier her geschafft. Stolz. Umgeben von Freunden lächelt man, lebt. Der Wind schiebt die dunkle Wolke fort. Eine der größten Herausforderung des bisherigen Lebens in Angriff nehmen. Kämpfen. Die Stille mit Musik füllen und durch’s Zimmer tanzen. Weder Vergangenheit noch Zukunft haben irgendeinen Wert. Das Jetzt bietet Freiheit und ungeahnte Möglichkeiten. Sich Schritt für Schritt dem Ziel nähern. Lächeln.

  3. Winter. Früher habe ich Schnee immer gemocht. Heute hasse ich ihn. Früher hab’ ich immer Schneemänner gebaut. Heute mache ich aus Schnee Trinkwasser. Schöne Scheiße. Wasser! Alkoholisches kann ich aus Schnee nicht tauen. Wäre aber passender. Die Brünette hat aber Alkohol verboten. Die Brünette verbietet immer alles. Kein Alkohol, kein Golfspielen auf Dächern. Und vor allem nicht beides gleichzeitig. Zicke. Was steht sie auch direkt hinter mir! Eine Woche hat sie mich nur aus einem Auge heraus gemustert. Schöne Zeit! So ein Feilchen kann man mit Schnee auch gut kühlen. Ich lache ein bisschen in mich hinein. Schön. Jetzt guckt sie mich gerade wieder aus beiden Augen schief an. Man könnte meinen sie mag mich nicht. Ich lache wieder. Weil ich ja nicht den Schnee zum Trinkwasser machen sammele. Wenn ich wüsste, dass sie ihr Wasser aus meinem Eimer tauen würde, hätte ich ihr längst gelben Schnee gesammelt. Was ist die überhaupt so nervös? Es schneit und überall liegt Schnee. Wir sind seit einer Viertelstunde draußen und noch immer völlig ungestört. Es ist Winter, da sind sie langsamer und man hört ihre Schritte besser. Kein Grund nervös zu sein. Ah, jetzt flirtet sie wieder mit dem Dicken. Eine Eins mit Sternchen fürs Schneesammeln du alter Streber. Da hat er mal was gefunden, was er kann! Golf konnte er jedenfalls nicht. Mir ist langweilig. Und ich möchte besoffen sein. Endlich mal wieder richtig besoffen sein. Ich habe eine bessere Idee: Ich baue einen Schneemann! Ha! Soll sie ihr Wasser doch selber suchen. Ich baue hier und jetzt den größten Schneemann weit und breit. Aber ich hab’ kein Bock mich zu bücken. Ich fang einfach mit der Signatur an. Hier, mitten in den Schnee. Herrlich. Kalt, aber herrlich. Sie schreit wieder. So blöd. Jetzt dauert es höchstens noch drei Minuten und die Bastarde kommen wieder aus ihren Löchern geschlurft. Und ich bin natürlich wieder der Buhmann. Und jetzt motzt mich der Dicke auch noch voll. Wütend stapfe ich den anderen hinterher in den Unterschlupf. Früher war echt mehr Winter Wunderland, ey. Und in den Schnee pinkeln ist jetzt auch verboten. Olle Zicke!

    • Ach, da gibt es mehr von 🙂 Hab mich auch erst letztes Jahr dazu breitschlagen lassen und finde es eher langweilig, gucke es auch nicht mehr weiter.
      Lustig, das mit dem Dach und dem Golfschläger… erinnerte schon sehr an eine bestimmte Szene aus “dieser Serie”.

    • @David: Witzig. Offensichtlich ist das in dieser prekären Situation tatsächlich der einzige Sport, der einem bleibt. Ursprünglich wollte ich daraus mal eine längere Geschichte machen, aber jetzt ist es so, dass ich sie alle paar Jahre mal weiterführe. Dein Projekt hatte mich wieder daran erinnert und lieferte die nötige Motivation 🙂

  4. Eigentlich hätte das länger werden sollen, aber ich hab jetzt keine Zeit mehr und hab deshalb doch nichts Übernatürliches mehr eingebaut. Ich hoffe, es gefällt euch einigermaßen, ist aber wirklich nichts Besonderes. Beim nächsten Mal muss ich mir echt mehr Mühe geben.

    Winter

    Graue Wolken bedeckten den Himmel. Dicke, weiße Schneeflocken fielen herab. Simon stapfte den Weg bergab entlang, seine Winterstiefel hinterließen tiefe Spuren im Schnee. Dumpf drang Musik aus den Kopfhörern, die in seinen Ohren steckten. Er nickte mit dem Kopf im Takt zu Falcos »America«.
    Der Vierzehnjährige war, wie er es manchmal am Wochenende tat, auf den kleinen Berg in der Nähe des Hauses, in dem er mit seinen Eltern und seiner kleinen Schwester wohnte, gegangen. Wenn man schnell ging, war man in einer Stunde bei der Hütte am Gipfel, dieses Mal hatte er aber länger gebraucht, da er durch den Neuschnee, der in der Nacht gefallen war, um einiges langsamer vorankam. Er war am frühen Nachmittag hinauf zur Hütte gegangen, und befand sich jetzt wieder auf dem Heimweg ins Tal. Langsam wurde es düster, wozu auch die dicken Wolken am Himmel beitrugen.
    Simon beschleunigte seine Schritte. Er wollte nicht im Dunklen alleine durch den Wald gehen, außerdem würden seine Eltern mit ihm schimpfen, wenn er erst so spät nachhause kam. Die Schneeflocken fielen immer dichter, und der Wind trieb sie ihm ins Gesicht. Er zog seine Haube ganz über seine Ohren, und schob den dicken Wollschaal bis über seine Nase nach oben. Er grinste bei dem Gedanken daran, dass er jetzt wohl wie ein Ninja aussah.
    Beim Hochgehen war er durch die Anstrengung etwas ins Schwitzen gekommen, doch jetzt wurde im zusehends kälter, woran vor allem der beißende Wind schuld war, der aufgekommen war, als er sich wieder auf den Weg ins Tal gemacht hatte. Simon kam auf den Gipfel eines kleinen Hügels und sah vor sich einen steilen Hang, an dessen Ende der Weg in einen Fichtenwald hineinführte. Der Schnee auf dem Hang war durchzogen von den Spuren von Schlitten und Bobs, die jedoch allmählich durch den weiterhin stärker werdenden Schneefall verschwanden. Jetzt wurde es rapide dunkler, und Simon begann, sich leichte Sorgen zu machen.
    Er zog die Kopfhörer, die gerade den Refrain von »Jeanny« plärrten, aus seinen Ohren, und eilte den Hügel hinunter. Als er etwa die Hälfte der Strecke zum Wald zurückgelegt hatte, stolperte er plötzlich über einen Stein, der unter der Schneedecke verborgen war. Er fiel, kam mit der rechten Schulter auf und rutschte ein Stück weit den steilen Hang hinab, bevor er sich quer drehte und sich mit seinen Händen stoppte. Fluchend richtete er sich wieder auf und wischte sich den Schnee aus dem Gesicht. Der Junge verharrte ein paar Augenblicke und blickte in Richtung Wald. Im schwindenden Licht und dem immer dichter werdenden Schneegestöber konnte er die Bäume nur noch schemenhaft erkennen.
    Schnell ging er weiter. Als er jedoch mit dem rechten Fuß auftrat, spürte er einen stechenden Schmerz und verzog das Gesicht. Vorsichtig setzte er den Fuß noch einmal auf. Es tat ziemlich weh, aber es war auszuhalten. Den Schmerz und die Kälte so gut es ging ignorierend ging er humpelnd weiter. Er versuchte, an die Wärme, die ihn zuhause erwarten würde, zu denken, an das heiße Wasser der Dusche, an die warme Bettdecke.
    Endlich erreichte Simon den Wald. Hier war er ein wenig vor dem Wind und dem fallenden Schnee geschützt. So schnell es ging stapfte er den Waldweg entlang. Mittlerweile war es noch dunkler geworden. Leichte Angst kam in ihm auf, er glaubte andauernd, Bewegungen in den Schatten zwischen den Bäumen zu sehen und drehte sich bei jedem Geräusch erschrocken in die Richtung, aus der es kam. Insgesamt brauchte er für den Weg durch den Wald vielleicht zwei Minuten, aber es kam ihm viel länger vor. Endlich sah er, wie sich die Bäume vor ihm lichteten, und er konnte durch das dichte Schneetreiben die erleuchteten Fenster der ersten Häuser erkennen.
    Schließlich erreichte er die Stelle, wo der Wanderweg die Straße kreuzte. Erleichtert ging er etwas langsamer. Als er durch die Gassen der Siedlung spazierte, verließ ihn die Angst, die er im Wald verspürt hatte, allmählich, und als er in die Straße, an dessen Ende ihr Haus lag, kam, war der Schreck vollständig verflogen. Die Kälte trieb ihn aber weiterhin an, und dann – endlich! – war er bei der Haustür. Er zog sich seine Handschuhe mit den Zähnen aus, fischte mit klammen Fingern den Schlüssel aus seiner Jeans heraus, traf das Schlüsselloch erst beim dritten Mal und öffnete die Tür.
    Wärme strömte ihm entgegen. Nie hatte er etwas Besseres gefühlt. Er schloss die Tür hinter sich. Seine Mutter, die ihn wohl gehört hatte, kam aus der Küche in den Gang. Sie schimpfte mit ihm, war aber vor allem froh, dass er endlich zuhause war.
    Simon zog sich Schuhe und Jacke aus und ging sofort ins Badezimmer. Er riss sich die nassen, verschwitzten Kleider vom Leib. Hoodie, T-Shirt, Jeans, Unterhose, Socken fielen nacheinander zu Boden, oben drauf warf er den MP3-Player und die Kopfhörer und stürmte regelrecht zur Dusche. Das heiße Wasser prasselte auf seinen Kopf herab, floss über seinen Rücke, seinen Bauch, seine Arme, seine eiskalten Hände und Beine hinab. Er stand einfach nur mit geschlossenen Augen da und fühlte, wie ihm allmählich wieder warm wurde. Herrlich.

  5. Was man fand, als der Schnee schmolz:

    Einen mannsgroßen goldenen Käfig. Darin

    eine junge Frau mit karmesinrotem Haar, . Um den Käfig geschlungen

    ein Drache, vierzehn Schritt von Kopf zu Schwanzende. Das Maul weit aufgerissen, war es wohl sein Todesschrei, der die Lawine auslöste. In seinem Herzen

    das schartige Blatt einer einfachen Holzfälleraxt. An den abgenutzten Schaft gelehnt

    eine ältere Frau, in schlichter, blutbesudelter Kleidung, mit halb ergrautem, halb karmesinrotem Haar. In ihrer linken Hand, noch im Tode fest umklammert,

    ein goldener Schlüssel.

  6. Kurz vor Schluss habe ich dann auch mal endlich meine Geschichte zum Ende bringen können. Auf Grund der Länge bin ich mal so frei und poste hier den Link zum eigenen Blog anstatt der ganzen Geschichte.

    Viel Spaß beim Lesen von “Urin”!

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