Was mich an “Goblet of Fire” stört

Ich rege mich zu leicht über Filme und Bücher auf – eine ganz schlechte Angewohnheit, die ich mir abzugewöhnen versuche. Doch manchmal ist das Verlangen, meinem Unmut Luft zu machen, so groß, dass ich es einfach rauslassen muss. Hintergrund ist, dass ich aktuell alle Harry-Potter-Bände erneut lese. Das nur vorweg, um klarzustellen: ich bin Fan, ich mag die HP-Welt. Und ja, Harry Potter ist ein “Kinderbuch”, es muss nicht alles immer logisch bis ins Detail sein, ich weiß. Manche Dinge fallen mir dennoch so extrem auf und bei “Goblet of Fire” mehr, als bei allen anderen Bänden.

Mad-Eye Moody spielt seine Rolle zu gut

Bis zum Ende gibt es so gut wie keinen Hinweis darauf, dass Mad-Eye Moody in Wirklichkeit Barty Crouch Jr. ist. Crouch Jr. hat seine Rolle perfektioniert und setzt ihr noch Sahnehäubchen auf, indem er sich Mühe gibt, ein guter Lehrer zu sein. Schon in der ersten Stunde weiß er den Nachnamen jedes Schülers. Da hat sich jemand extrem gut auf seine Rolle eingestellt. Keinem wäre etwas aufgefallen, wäre er etwas nachlässiger gewesen, stattdessen ist er nett, umgänglich und gibt sich Mühe mit dem Unterricht. Alles nur, um Harrys Vertrauen zu erlangen? Dafür, dass Barty Crouch Jr. in Azkaban saß und danach zuhause weggesperrt wurde, hat er sich viel zu gut unter Kontrolle. Da Rowling selbst sagte, dass sie besonders in Band 5 vieles überarbeitet und umgeschrieben hat, könnte man denken, Moody wäre als normaler Lehrer geplant gewesen und der Twist wurde nachträglich eingebaut.

Jede Menge verpasster Unterricht

Das Triwizard Tournament geht effektiv 3 Tage lang. 3 Tage!
Trotzdem müssen zwei europäische Zauberschulen ein gesamtes Jahr ohne Schulleiter auskommen. Und nicht nur das: 10 Schüler der jeweiligen Schulen – vermutlich die besten – haben ein gesamtes Jahr keinen Unterricht. Sie hätten nach der Wahl des Goblets wieder heimfahren können. Sie hätten als Austauschschüler am Unterricht in Hogwarts teilnehmen können. Stattdessen machen sie ein ganzes Jahr lang… gar nichts. Damit die Schulchampions an lächerlichen drei Tagen angefeuert werden können. Was sie nicht mal mitbekommen, da die Aufgaben unter Wasser oder hinter dichten Hecken stattfinden.

Das Tri-Wizard Tournament ist schrecklich langweilig für Zuschauer

Okay okay, das mit den Drachen war schon cool. Aber seien wir mal ehrlich, wenn mir jemand nach der Drachenshow sagt “So, tschö, in 3 Monaten geht es weiter”, ich hätte jegliches Interesse daran verloren, wer Triwizard Champion wird. Es gibt kein Rahmenprogramm, keine Lückenfüller, keine Infos, Zwischen-Updates, es gibt gar nichts. Gar nichts! Und dann kommt der Höhepunkt: bei der zweiten Aufgabe sehen die Zuschauer nichts, denn sie findet unter Wasser statt. Die dritte Aufgabe findet hinter einer Hecke statt.

Zauberer haben absolut kein Gespür dafür, wie man interessante Events veranstaltet. “Meine Damen und Herren, die Champions tauchen gleich unter uuuuuund sie sind weg. Starren Sie bitte eine Stunde lang auf die Wasseroberfläche, wer zuerst auftaucht, hat gewonnen. Die Spannung ist kaum zu ertragen.” Sie müssen sogar die Mer-People im Anschluss fragen, was unter Wasser passiert ist, weil niemand, auch die Judges nicht, gesehen hat, was unter Wasser passiert ist.

“Mer-chieftainess Murcus has told us exactly what happened at the bottom of the lake.”

Die dritte Aufgabe ist kaum besser, es gibt ein Labyrinth aus 20 Fuß (6 Meter) hohen Hecken, die Besucher auf den Zuschauerrängen können nicht mal sehen, wer gewonnen hat, also als erster den Pokal erreicht hat. Sie sehen auch nicht, wie Moody, der außen am Labyrinth patrouilliert, Zauber ins Labyrinth schickt. Sie sehen nur eine Hecke. Aufregend.

2 der 3 Aufgaben sind sinnlos

Bei den ersten beiden Aufgaben gibt es ganz komplizierte Punktewertungen, nur um zu bestimmen, wer bei Aufgabe 3 auf welcher Startposition anfängt. Wer Aufgabe 3 gewinnt, gewinnt. (Auch wenn gesagt wird, wer als erster den Pokal erreiche, bekäme die höchste Punktzahl. Aber wieso gewinnt Harry dann einfach, ohne Auswertung der Punkte?)
Punkte sind egal. Da die letzte Aufgabe aber kein Autorennen ist, bedeutet ein Vorsprung am Start von ein paar Sekunden rein gar nichts. Es ist ein Labyrinth. Man kann mit 3 Stunden Vorsprung starten und das Ziel gar nicht erst erreichen. Und es ist sogar ein Labyrinth mit magischen Hindernissen. Die Startzeiten werden da ganz schnell egal, es hat ja nicht mal jeder Teilnehmer die gleichen Hindernisse. Man hätte einfach alle gleichzeitig ins Labyrinth schicken und sich Aufgabe 1 und 2 sparen können.

Der Vertrag

Jemand wirft Harrys Namen in den Goblet of Fire und jetzt ist er gezwungen, am Triwizard Tournament teilzunehmen, welch genialer Plan. Nur: was passiert denn, wenn man einen magischen Vertrag bricht, wenn er einfach nicht teilnimmt? Er müsste sich ja nicht mal weigern, hätte Dobby ihm beispielsweise nicht gesagt, was Sache ist bezüglich Aufgabe 2, hätte Harry nur wie Fleur am Rand gestanden und nichts gemacht. Gut, es geht am Ende um das Labyrinth, aber auch da hätte er einfach am Eingang stehen bleiben können. Moody/Crouch hat ihm zwar helfen wollen, war damit aber nicht sehr erfolgreich. Die Chance, dass Harry auf dem letzten Platz landet, war sehr groß. Wobei auch die Hilfe Moodys nebensächlich war, Harry hätte im letzten Task als letzter starten können, da hat Moody ja direkt eingegriffen und hätte ihn trotzdem gewinnen lassen können.

Mer-People und wieso Aufgabe 2 doof ist

In der zweiten Aufgabe bekommen die Kandidaten ein mysteriöses Ei als Hinweis. Den Hinweis zu knacken ist fast schwieriger, als die eigentliche Aufgabe. Und das meiste, was das Ei zu sagen hat, ist irrelevant. Im Grunde läuft es auf “Du musst tauchen, denk dir rechtzeitig aus, wie du das machen willst” hinaus. Der Ort ist egal, den kriegt jeder mit, die Zuschauer wussten ja auch rechtzeitig Bescheid. Und dass die Merpeople den Kandidaten etwas gestohlen haben und was das ist, ist auch vollkommen egal. Soll das der Motivation dienen? Dobby hat Harry verraten, dass es um Ron geht, die anderen wissen nicht, was ihnen genommen wurde. Das macht die Aufgabe für den Leser dramatischer, vor allem, weil der naive Harry denkt, die Personen seien in echter Gefahr. Aber die Kandidaten und die Zuschauer wissen da nichts von, also motiviert es sie auch nicht. Umso umständlicher scheint es, Fleurs kleine Schwester extra für diese Aufgabe nach Hogwarts zu holen, nur für den kurzen Moment, in dem Fleur sie unter Wasser sieht. Ein Verwandlungszauber oder sowas hätte es auch getan. (Kinder in Schlaf zu versetzen und unter Wasser festzubinden klingt auch nicht gerade sicher.)

Die Hecke und warum Aufgabe 3 doof ist

In der dritten Aufgabe müssen die Kandidaten ein Labyrinth lösen, wie einfallsreich. Was sollte eigentlich passieren, wenn der Erste den Pokal erreicht? Muss er dann den ganzen Weg zurück? Da hätte ihm der Pokal ja wieder abgenommen werden können. Wer als erster den Pokal erreicht, gewinnt, aber außen sieht niemand, wer den Pokal als erster erreicht hat. Sie merken ja überhaupt nicht, dass Harry und Cedric nicht mehr im Labyrinth sind! Die Zuschauer und Veranstalter haben keine Ahnung und nichts unter Kontrolle. Moody schaut mit seinem magischen Auge ins Labyrinth, außer ihm weiß niemand, was abgeht. Die Schüler hätten alle tot sein können, denn nur wer ein Signal nach oben schießt, wird befreit. (Wie das passiert, ist eine andere Frage.)

“A maze. The third task’s really very straightforward. The Triwizard Cup will be placed in the centre of the maze. The first champion to touch it will receive full marks.”

“Will receive full marks” heißt aber nicht, dass er/sie automatisch gewonnen hat? Wieso hat Harry dann insgesamt gewonnen? Wie viele Punkte gibt der Cup? Und wieso gewinnt man durch Berühren des Cups, wenn das niemand beweisen kann? “The first champion to exit the maze with the cup will receive full marks” würde ich eher verstehen. Und wie bekommen die anderen Kandidaten dann Punkte? Was wieder bedeutet, dass Aufgabe 1 und 2 überflüssig waren.

Voldemorts Plan war, dass Harry am Turnier teilnimmt und trotz seines Alters gut genug ist, dass er am Ende als erster den Pokal berührt, der ein Portkey ist. Das ist ein absolut dämlicher Plan. Richtig dämlich. Wie hoch waren die Chancen, dass Harry überhaupt den Pokal findet und dass nicht alle anderen vor ihm da waren? Er bekam zwar etwas Hilfe von Barty Crouch Jr., aber Harry einfach einen Portkey ins Bett zu legen oder in der Post zu schicken, wäre viel einfacher gewesen. Voldemort hat noch mehr Geduld als die Zuschauer bei der zweiten Triwizard-Aufgabe

Harry weiß nicht, wie ein Kompass funktioniert

Harry fühlt sich total clever, weil er den Four-Point Spell gelernt hat. Praktisch, denn damit dreht der Zauberstab sich immer nach Norden. Im Labyrinth prüft er damit immer wieder seine Richtung und ob er noch auf dem Kurs zur Mitte ist. Nur… wie macht er das? Die Mitte eines Labyrinths ist nicht im Norden und im Buch wird sogar gesagt, dass er den Zauberspruch nutzt, um zu sehen, ob er zu weit gegangen ist. Das kann ihm ein Zauberstab, der nach Norden zeigt, niemals verraten. Ich verdeutliche mein Problem mit einer Zeichnung:

Priori Incantatem

Mal abgesehen davon, dass es hier in den ersten Ausgaben noch einen Fehler in der Reihenfolge gab, den Rowling dann behoben hat; Voldemorts Zauberstab, den Pettigrew zum Glück direkt nach Voldemorts “Tod” aus dem Hause der Potters geborgen hat, spuckt alle vergangenen Zauber rückwärts wieder aus. Der Mord an Cedric, Bertha Jorkins, der alte Mann vom Anfang des Buches und Harry Eltern. Moment: sonst wurde nichts mit dem Zauberstab gezaubert?

So, das waren glaube ich alle Punkte, die mich an Goblet of Fire stören. Allgemein habe ich gemerkt, dass das Buch zu lang ist und sich ganz schrecklich zieht. Bevor ich mit “Order of the Phoenix” weitermache, werde ich aber erstmal “Fantastic Beasts and where to find them” lesen.

David

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