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Prince of Persia: Der Sand der Zeit

Titel: Prince of Persia: The Sands of Time
Deutscher Titel: Prince of Persia: Der Sand der Zeit
Genre: Action, Fantasy
Regie: Mike Newell
Darsteller: Jake Gyllenhaal, Gemma Arterton, Ben Kingsley, Alfred Molina, Steve Toussaint, Richard Coyle
Deutschlandstart: 20.05.2010

Vor 20 Jahren machte sich Jordan Mechner vor allem durch seinen Jump ‘n’ Run-Hit Prince of Persia einen Namen. Das Besondere für die damalige Zeit waren sicherlich die realistischen Bewegungsabläufe. Dafür hat Mechner seinen kleinen Bruder gefilmt und die Bewegungen quasi nachgezeichnet.

Bei Prince of Persia: Der Sand der Zeit stand Mechner nicht hinter der Kamera, nur das Drehbuch stammt (teilweise) von ihm und beruht natürlich (grob) auf gleichnamigem Videospiel.
Für den Film musste erstmals eine Vorgeschichte erfunden werden, um dem persischen Prinzen ein bisschen Tiefe zu verleihen. Dastan (der zum ersten Mal einen Namen hat) ist eigentlich gar nicht adliger Abstammung, sondern ein armer Straßenjunge. Durch eine mutige Tat wird König Sharaman auf den Straßenjungen aufmerksam und nimmt ihn in seinem Schloss auf.
Die Söhne und der Bruder des Königs (Ben Kingsley) akzeptieren Dastan schnell als einen der ihren und der junge Prinz hat oft genug die Gelegenheit, sich als tapferer Krieger zu beweisen, der lieber handelt als lange Pläne zu schmieden.
Zusammen mit seinem Onkel Nizam und seinen zwei Brüdern begibt Dastan sich nach Alamaut, einer heiligen Stadt, die angeblich Waffen an Feinde des Königs schmuggelt. Kurzerhand wird die Stadt erobert und Dastan spielt keine geringe Rolle dabei, seine athletischen Fähigkeiten, die er sich auf der Straße angeeignet hat, helfen ihm, an so manchem Hindernis vorbei zu kommen. Doch nicht nur die Stadt ist eine der schönsten Persiens, auch die Prinzessin (Gemma Arterton) zählt als eine der schönsten Frauen Persiens (wobei so blasse Engländer wohl kaum der Typ für persische Männer im sechsten Jahrhundert waren), eine Hochzeit zwischen einem der Prinzen und ihr soll den Frieden sichern. Doch zuerst muss der König besänftigt werden, der den Angriff auf die heilige Stadt gar nicht gerne sieht. Das Gewand, das Dastan seinem Vater als Geschenk überreicht, ist allerdings vergiftet und man beschuldigt ihn des Hochverrats und des Mordes. Zusammen mit der Prinzessin Tamina flieht Dastan und erfährt die wahren Beweggründe für den Angriff auf Alamut. Die Prinzessin ist Hüterin eines Dolches, mit dem man die Zeit zurück drehen kann. Unter der Stadt befindet sich eine riesige Sanduhr, mit der die wahre Kraft des Sandes der Zeit entfesselt werden kann.
Dastan muss den wahren Mörder seines Vaters finden und gleichzeitig der Prinzessin helfen, den Sand zu beschützen.

Für eine Videospielverfilmung ist Prince of Persia: Der Sand der Zeit gar nicht mal so schlecht, schaut man sich mal andere Verfilmungen, besonders die unter Regie von Uwe Boll an. Allerdings hat Mike Newell (Harry Potter and the Goblet of Fire) auch nicht den versprochenen Blockbuster erschaffen, der wie von Disney angekündigt, Fluch der Karibik in den Schatten stellen würde.
Jake Gyllenhaal guckt immer ein bisschen dumm aus der Wäsche, besonders in der Rolle passt das überhaupt nicht. Angeblich standen noch Zac Efron und Orlando Bloom zur Auswahl. Das zeigt sehr schön, wie fähig die für das Casting zuständige Person war. Niemand im Film sieht persisch aus und alles sieht einfach unpassend aus. Das könnten die Maskenbildner retten, machen sie aber nicht. Außer in alten Martial Arts-Movies, in denen 20 jährige alte Knacker mit dünnem Bart und langem Haar spielen, habe ich nicht mehr so viele schlecht sitzende Perücken in einem Film gesehen.
Und der Plot… gibt es noch etwas offensichtlicheres als einen bösen Onkel/Großwesir in so einer 1001 Nacht/Aladdin-Geschichte? Ja, indem man die Rolle mit Ben Kingsley besetzt, bei dem man immer von Anfang an weiß, dass er der Böse ist. Auch sonst nimmt Prince of Persia: Der Sand der Zeit so ziemlich jedes Klischee mit, das in den 120 Minuten Platz finden könnte.
Die widerspenstige Prinzessin, die dem Helden das Leben schwer macht? Das “ich werfe ein Messer auf dich, freue mich, gucke an mir herunter und merke ‘shit, ich wurde auch getroffen’? Podracing Straußenrennen bei den Sklaven? Alles dabei.
Hauptfiguren werden total emotionslos ermordet, nur damit auch der dümmste Zuschauer merkt: ahh, Sand der Zeit, die kommen bestimmt wieder.
Und zum Schluss hört man förmlich Mike Newell sich selbst auf die Schulter klopfen, für die geniale Idee, den Film mit dem gleichen Bild beenden zu lassen, mit dem er anfing. Sand der Zeit und so, versteht ihr?

Aber ich will mich ja gar nicht beschweren, Prince of Persia: Der Sand der Zeit ist kurzweilig und bewegt sich nicht nur optisch, sondern auch filmisch auf dem Niveau eines der Mumie-Filme. (Tatsächlich erinnert die Story oft an Scorpion King). Das sind auch keine guten Filme, aber Spaß machen sie trotzdem, und manchmal will man im Kino gar nicht mehr. (Vor dem Film lief der Trailer Bruckheimers The Apprentice, der sah trotz Nicolas Cage recht gut aus, den hätte ich fast noch lieber gesehen)

Wer die Spiele mag und Filme im Stil von “Die Mumie” gut findet, wird bei Prince of Persia: Der Sand der Zeit sicher seinen Spaß haben. Vor allem, weil man teilweise echt Videospiel-Feeling bekommt, der Kameramann John Clement Seale hat hier wirklich als einer der wenigen alles richtig gemacht.
Mein Fazit: auf die DVD/Blu-Ray warten, schließlich kostet der Eintritt dank Überlänge auch nicht viel weniger als eine DVD. (Allerdings ist dann Disney traurig, weil sie das Budget von 150 Millionen nicht einnehmen werden)

Wer Prince of Persia lieber spielt als es im Kino zu gucken: passend zum Film – auch wenn es gar nichts miteinander zu tun hat – kommt morgen ein neues Prince of Persia-Game raus. Und wer hat Prince of Persia: Die vergessene Zeit / The forgotten Sands schon für euch getestet? Richtig, meine Wenigkeit.

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