The Lone Ranger

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hr_The_Lone_Ranger_12The Lone Ranger ist ein amerikanisches Phänomen, das bei uns fast niemand kennt. Es fing mit Radiohörspielen an, in denen der Lone Ranger und sein Indianer-Freund Tonto gegen Ungerechtigkeit im Wilden Westen kämpften, unterlegt mit der Wilhelm Tell Ouvertüre. Witwen und Waisen beschützen und böse Leute vor Gericht bringen, die ganze Palette, man kennt das. Erstaunlich ist, dass Disney es für eine gute Idee hielt, den uralten Stoff zu einem riesigen Blockbuster zu verwursten, zumal der außerhalb Amerikas total unbekannt ist. Allerdings beruht Fluch der Karibik auf einer Disneyland-Achterbahn, der Erfolg eines Franchises muss also nicht zwingend von der Bekanntheit der Vorlage abhängen.

Der Vergleich zwischen Fluch der Karibik und The Lone Ranger liegt nahe. Beides ist Disney, bei beiden haben Jerry Bruckheimer, Gore Verbinski und Hans Zimmer die Finger im Spiel und bei beiden spielt Johnny Depp die Hauptrolle (nein, er ist nicht der Lone Ranger) und sogar exakt dieselbe Rolle.

Der Lone Ranger ist eigentlich überhaupt kein Ranger, sondern ein Anwalt namens John Reid. Der ist gerade auf dem Weg in seine Heimatstadt, im selben Zug sitzen auch der Indianer Tonto und der zum Tode verurteilte Butch Cavendish, die in Johns Heimatstadt von seinem Bruder Dan – einem Texas Ranger – in Empfang genommen werden und dort gehängt werden soll. Natürlich gelingt Butch die Flucht, die Ranger folgen ihm zusammen mit John in die Wüste, wo sie in einen Hinterhalt geraten. Alle Ranger, sterben, bis auf John, der von Tonto gefunden wird. Tonto hat selbst seit Jahren eine Rechnung mit Butch offen. Er hält John für einen Trottel, glaubt allerdings auch, John sei von den Toten zurückgekehrt und nun unsterblich und dazu auserkoren, ihm in seiner Aufgabe zu helfen.

Gemeinsam gehen sie auf die Jagd und decken dabei eine Verschwörung auf, die nicht nur Butch Cavendish, sondern die Comanchen, die neu gebaute Eisenbahnstrecke und einen geheimen Schatz umfasst.

The Lone Ranger ist aus sehr, sehr vielen Gründen kein besonders guter Film. Schon der Trailer ließ einen Fluch der Karibik-Abklatsch mit Indianern statt Piraten vermuten. Und tatsächlich sind sich die Filme in so vielen Details so ähnlich, dass es schon ein bisschen frech ist. Es gibt ähnliche Action, verblüffend ähnliche Charaktere und Johnny Depp spielt – bis auf einen veränderten Gang – haargenau seine Rolle des Jack Sparrow. Aber nicht nur die Ähnlichkeit zu den Piraten stört. Die Story ist uralt und nicht besonders interessant, den Charakteren fehlt es an Tiefe, es gibt zu viel unnötige Gewalt, der Film zieht sich zu sehr und warum zum Teufel wird die Story von einem alten Tonto viele Jahrzehnte später erzählt?

Ich liebe die Fluch der Karibik-Filme. Na gut, ich liebe alle, bis auf Teil 4. Die Truppe hat’s also drauf, das haben sie bewiesen. The Lone Ranger bewegt sich leider eher so im Fluch der Karibik 4-Bereich. Der Film ist unterhaltsam, er macht Spaß und auch wenn er viel zu lang ist, so wird dem Zuschauer trotzdem nicht langweilig. Wären da nicht die vielen Toten (wen bestechen die von Disney immer, um sowas als FSK 12 markiert zu bekommen?) würde ich sagen: ein kurzweiliges, nicht zu anspruchsvolles Filmchen für die ganze Familie. Wer keine zu hohen Ansprüche hat und Fluch der Karibik mag, wird The Lone Ranger nicht hassen.

Jaeger verkloppen Kaiju in Pacific Rim

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hr_Pacific_Rim_16Pacific Rim, das ist ein wahrgewordener Nerdtraum. Schreiben zumindest alle. Das trifft zu, wenn man zu der Sorte Nerd gehört, die auf Mecha- bzw. Kaiju-Filme steht. Und auch dann nur bedingt. Spaß macht der Film aber auf jeden Fall, here’s why:

Pacific Rim spielt in der nahen Zukunft, in der sich ein Dimensionstor mitten im Pazifik geöffnet hat, durch das die riesigen Kaiju (japanisch für “Monster”) dringen, deren liebstes Hobby es ist, die Menschen der Küste platt zu trampeln. Da Angriffe mit Flugzeugen, Raketen und Panzern viel zu uncool aussehen, bauten die Amis riesige Kampfmaschinen, die Jaeger (deutsch für… äh, “Jäger”). Immer, wenn das Kaiju-Frühwarnsystem Alarm schlägt, springen zwei Piloten ins Cockpit eines Jaegers – entweder in Japan oder in den USA, je nachdem, in welcher Richtung der Kaiju läuft – fangen ihn ab und kloppen ihn zu Brei. Warum immer zwei Piloten, fragt ihr euch nun? Ja, das soll so ein bisschen der Witz des Films sein, das Alleinstellungsmerkmal. Sonst hätte Regisseur Guillermo del Toro den Film ja einfach “Neon Genesis Evangelion: Pacific Rim” nennen können. Und zwar verschmelzen die Piloten in irgendeiner Form mit dem Jaeger und das ist so eine große Belastung, dass die Verschmelzung auf 2 Personen aufgeteilt wird. Warum das gemacht wird, ist mir nicht ganz klar. Die Piloten steuern Arme und Beine des Jaegers mit ihren Armen und Beinen, wozu also diese Gedankenverschmelzung? Jedenfalls verschmelzen auch beide Piloten miteinander, so auch Raleigh Becket (Charlie Hunnam) und sein Bruder, die zusammen den Jaeger Gipsy Danger steuern, bis Raleighs Bruder bei einem Kaiju-Kampf stirbt. Raleigh, der den Tod seines Bruders durch die Verschmelzung bis zum letzten Moment erlebt hat, verlässt das Jaeger-Programm, das kurz darauf eingestellt wird. Stattdessen bauen die Menschen nun riesige Mauern gegen Kaiju-Attacken.

Jahre später reaktiviert Stacker Pentecost (Idris Elba), Commander des Jaeger-Programms, die vier letzten Jaeger für einen verzweifelten Versuch, das Dimensionstor zu schließen, da die Kaiju-Angriffe immer häufiger werden. Raleigh soll zurück ins Cockpit seines alten Jaegers Gipsy Danger und zusammen mit einem neuen Piloten die bunte Mischung aus Japanern, Russen und Amis unterstützen.

Während die Soldaten den Angriff planen, versuchen die Wissenschaftler (Charlie Day aus It’s Always Sunny In Philadelphia und Burn Gorman aus Torchwood) die Kaiju zu verstehen und genügend Informationen zu sammeln, um Angriffe vorhersagen zu können und zu erklären, wieso bisherige Versuche, den Dimensionsübergang zu schließen, nicht funktionierten. Es kommt zum Showdown in Tokyo und die verbliebenen Piloten müssen ihre Konflikte, ihre Vergangenheit und ihre Daddy Issues beiseite legen, um den Fortbestand der menschlichen Rasse zu gewährleisten.

Pacific Rim ist – das muss man einfach mal so sagen – kein guter Film. Er hat keine originelle Story, ist an vielen Stellen absolut unlogisch und die wenigen guten Ideen, die er hat, nutzt er nicht aus. Bevor ihr mich jetzt steinigt, lasst mich noch ein “aber” hinterherschieben. Pacific Rim ist kein guter Film, aber er macht trotzdem viel Spaß. Riesige Mechs, die auf riesige Monster einprügeln, what’s not to love? Ach, und GlaDOS ist auch am Start.
Andererseits hat Pacific Rim auch viele Mängel. Da wäre der total langweilige Protagonist, der einem als Zuschauer einfach vollkommen gleichgültig ist. Zudem hat er noch ein Allerweltsgesicht, dass man sich in jeder zweiten Szene fragt, wer das denn da gerade auf der Leinwand ist. Dann wären da die Logik-Probleme. Warum z.B. schlägt ein Jaeger einen Kaiju mit einem Schiffcontainer, statt mit der massiv-stählernen Faust, was viel effektiver wäre? Und wieso konnte man die coolen Strahlenwaffen der Jaeger nicht auch einfach so gegen Kaiju einsetzen? Ohne Jaeger? Und und und. Aber spätestens, wenn der Jaeger sein ausklappbares Katana rausholt, stopft man sich das Popcorn ins Gesicht, lehnt sich zurück, lauscht dem tollen Soundtrack von Hans Zimmer-Schüler Ramin Djawadi, schaltet das Gehirn aus und freut sich einfach, dass da riesige Monster aufeinander einschlagen, vielleicht sogar in 3D. Braucht ein Sommer-Blockbuster viel mehr als das? Seien wir lieber froh, dass es diesen Sommer keinen neuen Transformers gab, del Toro ist da doch die bessere Wahl. Eine Fortsetzung, bzw. ein Prequel ist übrigens auch schon in Planung. Sofern die Einspielergebnisse am Ende stimmen. Also bewegt euch ins klimatisierte Kino, nur da macht der Film richtig Spaß!

To fight monsters we must create monsters

Only God Forgives Mr. Refn for making this movie

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Drive. In alle Höhen gehyped, machte Regisseur Nicolas Winding Refn und Schönling Ryan Gosling über Nacht zu den Shootingstars Hollywoods. Film des Jahres, las man überall. Und Gosling war in aller Munde. Ich fand den Hype nicht gerechtfertigt. Es gab ein paar (zu) brutale Stellen, einen guten Soundtrack und sonst sehr viele ruhige Bilder und wenige Dialoge. Jetzt will das Team aus Refn und Gosling an den Erfolg anknüpfen und versetzen “Drive” in “Only God Forgives” nach Thailand. Gleiches Konzept, anderes Setting. Ob die Rechnung aufgeht?

Only God ForgivesJulian (Ryan Gosling) führt mit seinen zwei Brüdern einen Box-Club in Bangkok, der gleichzeitig als Drogenumschlagplatz dient. Als Julians Bruder Billy eine minderjährige Prostituierte vergewaltigt und brutal tötet, tritt Lieutenant Chang der Bangkok-Polizei auf den Plan. Der Mann mit dem Beinamen “Angel of Vengeance” gibt dem Vater des Mädchens die Gelegenheit, seine Tochter zu rächen und bringt dadurch eine Mordserie ins Rollen. Die Mutter der Brüder (Kristin Scott Thomas) fliegt nach Bangkok, um die Leiche ihres Sohnes in die USA zu bringen. Viel wichtiger ist ihr aber, den Mord an ihrem Sohn zu rächen und so häufen sich die Leichen auf den Straßen Bangkoks.

Only God Forgives lässt sich mit wenigen Adjektiven beschreiben. Ruhig. Brutal. Rot.
Ruhig: Die Schauspieler bewegen sich oft wie in Zeitlupe, drehen sehr langsam ihre Köpfe oder laufen bedächtig durch die Gegend; manchmal mit einem Schwert in der Hand. In minutenlangen Nahaufnahmen zeigt Refn uns Goslings mimikbefreites Gesicht, wie er Chang gegenübersteht oder einer Prostituierten beim Masturbieren zuschaut. Manchmal betrachtet Gosling auch einfach nur ganz lange seinen eigenen Hände. Dabei läuft meistens keine Musik und es wird nur wenig gesprochen. Ab und zu werden vorhandene Dialogen auch einfach ohne Ton gezeigt.
Rot: der gesamte Film, ganz Bangkok, alles ist in rotes Licht getaucht. Vielleicht, um das viele Blut weniger auffällig zu machen?
Brutal: abgehackte Arme, spitze Gegenstände in die Augen… ich fand auch schon die Fahrstuhlszene in Drive übertrieben und unnötig und hier gibt es noch mehr davon. Aufgeschlitzte Brustkörbe, aus denen das Blut rausströmt? Muss man das sehen?

Nein, ich fand “Only God Forgives” nicht gut. Sehe ich mir die Preise und die Bewertungen an, stehe ich mit der Meinung wohl ein bisschen alleine da. Vielleicht hab ich den Film auch einfach nicht verstanden. Vielleicht ist das Kunst, wenn Ryan Gosling seine Hände anstarrt oder wir ihm 2 Minuten ins regungslose Antlitz schauen. Vielleicht ist “Only God Forgives” aber auch einfach schlecht und niemand will es wahrhaben, weil es der neue Film von Drive-Wunderkind Refn ist und der immer tolle Ryan Gosling die Hauptrolle spielt?

Für mich jedenfalls eine große Enttäuschung, aber ich war auch schon kein großer Fan von Drive.

1,5/5