Kirby – ein (rosafarbenes) textbasiertes CMS

allgemein

Ich weiß gar nicht genau, wie ich über Kirby gestolpert bin (bestimmt über einen Link vom Smashing Magazine?), fand die Idee und die Umsetzung auf jeden Fall direkt sehr schön.

Kirby ist ein CMS (Content Management System) auf Basis von Textdateien, also ohne Datenbankanbindung. Das soll Kirby schnell, leicht und simpel machen, natürlich auf Kosten einiger Funktionen. Ein CMS ist im Idealfall so simpel, dass man sowas auch Menschen einrichten kann, die von Technik keine Ahnung haben und die dann trotzdem ihre Webseiten damit pflegen können. Da bin ich mir bei Kirby nicht ganz sicher, ob das funktioniert. Schon alleine die Tatsache, dass man Seiten natürlich nur mit Texteditor + FTP-Programm bearbeiten kann, könnte ein Hindernis sein. Dass jeder FTP-Nutzer alles ändern (und kaputt machen) kann, ein weiteres. Mehrere Benutzer mit unterschiedlichen Zugriffsrechten gibt es natürlich nicht.

Dennoch sehe ich in Kirby dennoch einen Nutzen, vor allem für Portfolio-Seiten und ähnliches, also eher kleine Seiten mit wenigen Unterseiten, auf denen wirklich nur ab und zu mal ein Text verändert oder ein Bild eingefügt werden muss.

Auch spannend – vielleicht sogar spannender – finde ich das Kirby Toolkit, ein PHP-Toolkit, das kein riesiges, kompliziertes Framework ist, sondern mehr eine Sammlung wichtiger Funktionen, wie Datenbankanbindungen, File/Directory-Handling usw. Aber zurück zum Kirby CMS:

Lokale Installation von Kirby

Das Kirby CMS kostet pro Lizenz 30 Euro, testen kann man es aber natürlich kostenlos.
Doch zuerst mal ein paar Beispiele von Seiten, die mit Kirby erstellt wurden: 1, 2, 3.
Schön, oder?

Gut, fangen wir an: (hier gibt es schon eine gute Anleitung für die Installation von Kirby auf XAMPP, das hindert mich aber nicht daran, das gleiche nochmal zu erzählen.)

Schritt 1: XAMPP installieren

Hier fasse ich mich kurz, ich hoffe, das kann jeder, da gibt es auch unzählige Anleitungen zu.
Was XAMPP ist? XAMPP ist ein lokaler Webserver, mit dem ihr Webseiten auf eurem Rechner umsetzen und testen könnt. Inklusive Datenbank und PHP.
XAMPP lädt man hier runter – Link
Installiert es auf seinem Rechner
Öffnet dann den Ordner, in dem man es installiert hat und klickt auf “xampp_start”
Öffnet dann im Browser “localhost” oder “127.0.0.1”.
In dem XAMPP-Ordner gibt es einen Unterordner “htdocs”. Da kommen eure Webseiten rein, am besten wieder in einen Unterordner. Die Dateien im Ordner “XAMPP/htdocs/meineSeite” sind dann im Browser über “localhost/meineSeite” erreichbar.
Hier erstellt ihr jetzt einen Ordner “kirby”, so dass die Ordnerstruktur folgendermaßen aussieht:
XAMPP/htdocs/kirby

Schritt 2: Kirby installieren

Dazu müsst ihr erst Kirby runterladen. Kirby ist Open Source und auf GitHub gehostet. Da klickt ihr rechts auf den Download-Link (GitHub ist ein bisschen unübersichtlich, wenn man es zum ersten Mal sieht).
Gut, alles runtergeladen und entpackt? Super!
Dann ab in den Ordner “XAMPP/htdocs/kirby” damit.

Wenn ihr jetzt localhost/kirby aufruft, seht ihr… dass es nicht funktioniert. Irgendwas fehlt noch. Kirby muss noch wissen, wo es (er?) sich befindet.
Öffnet site\config\config.php mit einem Texteditor (ich empfehle Notepad++) und bearbeitet folgende Zeilen:
HINWEIS: diese Zeilen müssen natürlich auch wieder angepasst werden, wenn ihr eine Kirby-Lizenz kauft und Kirby auf eurem “echten” Webserver mit eigener Domain nutzen wollt!

c::set('url', false);

Wird zu:

c::set('url', 'http://localhost/kirby');

Und

c::set('subfolder', false);

Wird zu

c::set('subfolder', 'kirby');

in der Datei kirby/.htaccess ändert ihr folgendes:

RewriteBase /

zu

RewriteBase /kirby

Jetzt seid ihr good to go und der Browser sollte unter localhost/kirby folgendes Bild anzeigen:

Klickt doch einfach mal ein bisschen drin rum und dann schaut euch wieder die Ordnerstruktur an, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie Kirby funktioniert.

Auf der Seite habt ihr die Navigationspunkte “About”, “Projects” und “Contact”.
Im Ordner “content” (kirby/content) befinden sich die drei Ordner “01-about-us”, “02-projects”, “03-contact”. Ob hier ein Zusammenhang besteht?

Ja, in der Tat. Jeder Unterordner im Content-Ordner erzeugt eine Seite. Ordner mit Nummern davor (01-order1, 02-ordner2…) erscheinen in der Navigation, Ordner ohne Nummern (error) sind verlinkbar, erscheinen aber nicht in der Navigation. Die Nummern sind nur für Kirby wichtig, die URL der Seiten wird ohne Nummer angezeigt /localhost/kirby/about-us

Wenn wir jetzt in den Ordner 01-about-us gehen, sehen wir eine Datei, nämlich die about-us.txt. Öffnen wir diese, sehen wir den Aufbau einer simplen Seite.

Title: About <- Der Titel der Seite
Text: Lorem ipsum dolor sit... der Content der Seite.

Weitere Elemente können angelegt werden (immer mit "----" getrennt), müssen dazu aber erst in "site/templates" definiert werden. (Mehr zu Templates hier)

Bilder einfügen

Geht ebenfalls ganz einfach.
Ein Bild (01.jpg) kommt in den Ordner der aktuellen Seite, sagen wir mal "about-us". Wir haben also "content/01-about-us/01.jpg"
Jetzt fügtman in der about-us.txt einfach die Zeile

(image: 01.jpg text: Nice Image)

ein und voila, das Bild ist da.

Zu Bildern können passende Beschreibungsdateien eingefügt werden. Dazu einfach eine Datei "01.jpg.txt" für das Bild "01.jpg" anlegen. Da kann zum Beispiel folgendes rein:

Title: Very nice image
----
Caption: 

This is a very nice image with loads of colors and stuff.
----

Videos und andere Dateien einbinden:
Wieder die Text-Datei öffnen und für Youtube-Videos

(youtube: http://www.youtube.com/watch?v=iUCDhvbQFmU)

eingeben (ID ersetzen), für Vimeo geht es ähnlich, PDF usw ist ebenfalls unterstützt.

So, das sollte für die ersten Schritte in Kirby reichen. Will man Kirby für sich nutzen, muss man sich ab dem Punkt unweigerlich mit den Templates befassen, aber auch mit ein bisschen Rumspielerei in der CSS-Datei (assets/styles/) kann man Kirby schnell nach eigenen Wünschen anpassen.

Fazit: Kirby CMS ist simpel, leicht verständlich, schnell zu installieren, aber es fehlt natürlich der Umfang eines vollwertigen CMS. Für ein Portfolio, eine "Webvisitenkarte" oder die Online-Repräsentation des kleinen Restaurants um die Ecke eignet sich Kirby meiner Meinung nach hervorragend. Sobald es größer wird, sobald mehrere Benutzer viele Daten ändern müssen und sobald wichtige Daten sicher übertragen werden müssen, muss was anderes her. Das ist aber gar nicht schlimm, Kirby behauptet schließlich nie, ein vollwertiges CMS für riesige Projekte zu sein.

Hier nochmal die Links zur kostenlosen Testversion von Kirby, zur "normalen" Version, bzw. der Lizenz (30 Euro) und zum Kirby PHP Toolkit.
Weitere Infos, Tutorials und Anleitungen gibt es ebenfalls auf der Seite, auf Facebook und Twitter ist Kirby ebenfalls vertreten.

8 Comments

  1. Hatte mir Kirby auch angeschaut und war davon gleich positiv überrascht.

    Das es unerfahrene User ein Hindernis sein wird, Einträge per Texteditor zu bearbeiten und über FTP hoch zu laden, sehe ich genau so. Soll sich aber wohl ändern, da ja auch ein Backend erscheinen soll.

    Für mich war interessant, dass man Kirby auch zum bloggen verwenden kann. Diese Anpassung lassen erfordern aber auch gleich mehr Erfahrung.

  2. Typo3, also quasi das beliebteste CMS, ist für unerfahrene Benutzer aber auch kaum zu gebrauchen, das Problem haben leider viele CMS.
    Ich hab den Begriff CMS eigentlich immer so verstanden, dass man das Ding einem “Noob” installiert und einrichtet und der kommt dann alleine damit klar. Das funktioniert leider nie. Es gibt genügend Leute, die beim Wort “FTP” schon abschalten und denen das alles zu hoch wäre.

    Ein Backend ist natürlich eine gute Sache, habe ich gar nicht mitbekommen. Das würde Kirby für den praktischen Einsatz, also als CMS für andere Personen, viel interessanter machen.

    Für mich persönlich finde ich das Toolkit spannender, so als Alternative zu riesigen Frameworks wie CodeIgniter, in die ich mich erst einarbeiten müsste. Also einfach um oft wiederholte Augaben wie Datenbankverbindungen, Sessions und dergleichen zu vereinfachen. Für die Zukunft würde ich mir eine Kombi aus beidem wünschen, ein Kirby CMS inkl. Datenbank. Geht zwar eigentlich gegen die Idee von Kirby selbst, fände ich trotzdem gut.

  3. Das mit dem Backend hab ich aus einem Podcast, in dem sie eine Stunde mit dem Entwickler über Kirby gesprochen haben.

    In meinem Beruf läuft mir Typo3 immer mal wieder über den Weg und damit auch fast immer Klagen der User. Es ist einfach zu komplex und “overpowered” für normale User mit gewöhnlichen Anforderungen an eine Webseite.

    Da freut es mich einfach, dass jemand versucht nicht besser und damit komplexer als Typo3 zu sein, sondern lieber den 08/15 User abholen will. Gute Entscheidung!

  4. Stimmt, Kirby kann man aber auch für Blogs nutzen. Finde ich aber auf die Dauer dann doch ein bisschen unpraktisch, alles in Textdateien zu haben.

    • @David:

      Ich bin mit euch wegen dem Back-End einig. Ich schreibe aber alle meine Artikel im iA Writer. Somit kann ich Markup direkt beim schreiben übernehmen und muss danach nur noch das TXT file hochladen. Ausserdem erspare ich mir Ärger mit Copy&Past Errors. Für mich funktionierts als Blog-CMS gut.

  5. nikosch says

    Ich dachte auch erst, Kirby ist was für mich. Aber wenn ich mir die Codebase so angucke – Klassen namens a, r oder x, static calls überall, Templatevariablen, die als Methoden aufgerufen werden und dann auch noch „Dazu einfach eine Datei “01.jpg.txt” für das Bild “01.jpg” anlegen.“ – och nö. Das stelle ich mir nicht unter einer guten Anwendung vor.

  6. Wenn ich Einträge jedesmal per Texteditor bearbeiten und über FTP hoch laden muss, dann brauche ich dafür kein CMS.
    Ich will es einfach und kompfortabel. In dem Fall bin ich mit moziloCMS oder RazorCMS besser bedient.

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