Eigentlich sollte man dankbar sein, wenn die Polizei die Augen offen hält und unsere Straßen sicherer macht. Doch wenn es einen selbst betrifft, fällt es schnell weniger leicht, so etwas wie “die machen ja nur ihren Job” zu sagen. So ein Tag war heute. Ich hatte in meinem Leben so gut wie noch nie mit der Polizei zu tun und hab auch immer großen Respekt für die Männer und Frauen in Uniform. Umso erschrockener und eingeschüchterter war ich dann auch, als ich heute morgen um 9:30 mitten im U-Bahnhof aus der Menge rausgeholt und “gefilzt” wurde.
Den genauen Wortlaut weiß ich nicht mehr, aber die drei Polizisten wollten sich auf jeden Fall näher mit mir unterhalten. Meinen Ausweis wollten sie haben um mich im Anschluss über dessen Inhalt auszufragen. Den Ausweis vor dem Gesicht wurde ich nach meiner Adresse gefragt, wo das denn genau sei, mit welcher U-Bahn ich gefahren sei und wie lange das gedauert habe. Ob zur Überprüfung, ob ich das auch wirklich bin, der da auf dem Ausweis zu sehen ist – ich weiß es nicht. Im Anschluss wurde in meiner Jackentasche rumgegrapscht, danach musste ich mein Portemonnaie abgeben, was dann genaustens durchsucht wurde. Was die in den einzelnen Fächern vermutet haben; ich habe keine Ahnung. Ob ich schon mal Ärger mit der Polizei gehabt hätte, fragte er mich. Nein, war meine Antwort. Ob ich es denn sagen würde, wenn es so wäre, erwiderte er mit einem Lächeln, das sagen wollte: jeder hat eine Leiche im Keller, tu bloß nicht so unschuldig. Im Hintergrund überprüfte die Kollegin am Funkgerät meine Daten und ob irgendwas gegen mich vorliegt oder ich gerade gesucht werde.
Dann wurde ich gefilzt. Abgetastet. Mitten in der U-Bahnstation. Morgens um halb 10, inmitten von hunderten Menschen, die alle offensichtlich weniger verdächtig als ich aussahen. Nicht irgendwo in der Ecke, mittendrin. Mein Rucksack wurde mir ebenfalls abgenommen und gründlich durchleuchtet. Anschließend wurde ich wortlos entlassen. Dieses komische Gefühl, dass das alles irgendwie nicht so richtig und mir ziemlich unangenehm war, spüre ich auch jetzt noch. Das Ganze hat mich heute am frühen Morgen echt sehr überrumpelt und auch ein bisschen geschockt. Man kann einfach nur hoffen, dass die Herren und Damen von der Polizei ihre Gründe für die Aktion hatten. Denn wenn wir echt schon so weit sind, dass man auch außerhalb von Flughäfen, Demonstrationen oder ähnlichem so kontrolliert werden kann, einfach nur weil dem Polizeibeamten ein Gesicht nicht passt, fände ich das schon bedenklich.
o_O *speechless*
Hier mal ein interessantes “Video”: http://www.youtube.com/watch?v.....re=related
Immer sagen, dass man nicht durchsucht werden will! Niemals sagen ja ok macht mal oder nichts sagen, sondern ich bin nicht einverstanden. Ist natürlich immer einfacher gesagt als getan und ich war auch noch nie in solch einer Situation aber es ist immer hilfreich zu wissen was man so ungefähr tun sollte:-)
Beste Grüße und Kopf hoch
Gruß @HemplerRitter
Hm, das klingt sehr seltsam. Hatten die ohne Grund (bzw. ohne dir einen zu nennen) überhaupt das Recht zu diesem sehr intimen Eingriff?
Laut dem vor dir geposteten Video hatten sie kein Recht dazu, nein. Sie haben sich damit sogar strafbar gemacht, meine Zustimmung habe ich nie gegeben, ich wurde ja nicht gefragt, sondern aufgefordert.
@David: Anzeigen! (aber mal ehrlich: wer kennt schon genau seine Rechte?)
Ja, wenn die sich mir gegenüber ausgewiesen hätten, hätte ich jetzt einen Namen für eine Anzeige. Außerdem waren die zu dritt und können ja eh alles behaupten.
Da du nicht gesagt hast: “Nein ich will nicht durchsucht werden” hast du soweit ich weiß zugestimmt. Also ist da nichts mehr zu machen. Sobald die keinen hinreichenden verdacht haben und du sagst ich will nicht durchsucht werden, hat man denke ich gute Chancen ohne Durchsuchung davon zu kommen.
Wie gesagt, beim nächsten Mal weiß ich mehr. Sie haben aber meiner Meinung nach gar nicht gefragt, also kann ein Schweigen auch nicht als Zustimmung angesehen werden. Eine Frage nach meinem Einverständnis muss sein.
Was? oO Hast du denn mal gefragt was los ist? Warst vermutlich zu geschockt oder?
Nee, ich hab nur knapp die Fragen beantwortet (Wo wohnen Sie? Tragen Sie ein Messer bei sich?), für alles andere war ich zu geschockt und zu nervös. War wie gesagt total von der Siuation überrumpelt, es war 9:30 morgens, in der U-Bahn. Wer rechnet mit sowas und kann da vernünftig reagieren?
@David: kann ich voll verstehen. Ich glaub ich wäre gestorben.
Nun, zwar ist sowas scheisse, ich kenne das nur aus Fußballstadien und liebte es einfach mal so aus den Block geholt zu werden, aber du bist nun auch in Bayern und nicht mehr in NRW, dort sind die Spielregeln, jedenfalls soweit ich das weiß, ein wenig anders.
Es gibt dort irgendwie Verdachtsunabhängige Personenkontrollen und so Kram.
http://de.wikipedia.org/wiki/Schleierfahndung
“Das Bayerische Landeskriminalamt unterstreicht die Bedeutung der Schleierfahndung als „unverzichtbares Instrument im Kampf gegen Drogenschmuggler und andere Straftäter.“”
Unglaublich.
Echt hart!
Herzlich Willkommen in München, Bayern!
Hier ist die Polizei besonders tatkräftig.