Das Kabinett des Dr. Parnassus
Terry Gilliams neustes Werk war zugleich Heath Ledgers letztes – aber bestimmt nicht das, mit dem man ihn in Erinnerung behalten wird.
Dr. Parnassus (Christopher Plummer) wettete einst als Mönch gegen den Teufel (Tom Waits) und gewann. Unsterblich zog er fortan durch die Welt, um Geschichten zu erzählen, denn das Erzählen von Geschichten hält die Welt am Laufen. Als er sich in eine junge Frau verliebt, wünscht er sich statt seiner Unsterblichkeit lieber die Jugend zurück, die Mr. Nick, wie sich der Teufel hier nennt, ihm gerne gewährt. Als Preis verlangt er Parnassus’ Tochter, sobald sie ihr 16tes Lebensjahr vollendet haben soll.

In der Gegenwart, kurz vor dem 16ten Geburtstag seiner Tochter, fahren Parnassus, seine Tochter, Anton und der Zwerg Percy mit ihrem Wandertheater durch London. Dieses bietet dank Parnassus’ Kräften die Möglichkeit, eine Welt – geschaffen aus der eigenen Fantasie – zu betreten. Doch heutzutage hat kaum noch jemand Interesse an altmodischen Wandertheatern und die Kundschaft bleibt aus.
Als Mr. Nick erscheint und Parnassus an den nahenden Geburtstag seiner Tochter erinnert, ist der Doktor der Verzweiflung nahe und nimmt direkt den nächsten Deal an: wer zuerst fünf Seelen für sich gewinnt,gewinnt die Wette und Parnassus setzt natürlich das Leben seiner Tochter.
Auf ihrem Weg durch London finden sie den erhängten Tony (Heath Ledger), der dank einer verschluckten Flöte den Strick überlebt hat. Er hat sein Gedächtnis verloren und hilft fortan im Wandertheater, und hat viel mehr Erfolg, Publikum heran zu schaffen, als Anton es je hatte. Tony schägt vor, das Theater zu modernisieren, gibt ihm einen surrealen Look und platziert es in Londons Edelviertel. Schnell finden sich ein paar reiche Frauen, die von Tonys Charme angelockt, in das Kabinett wollen. Doch Tonys Vergangenheit in Form einer Russen-Bande, die ihn töten wollen, holt ihn ein. Tony führt die Frauen durch den Spiegel in das Kabinett, doch die Russen folgen ihm. Während Parnassus’ die vier Seelen der Frauen für sich verbuchen kann, schnappt Nick sich die Gangster. Anton findet dadurch die Wahrheit über Tony heraus, bei einem Streit geraten Tony und Valentina in das Kabinett. Da immer nur eine Fantasie dominant sein kann, verbringen die beiden zuerst einen Tag in Valentinas Fantasie und dann in einer, die Tonys Tätigkeit Vorsitzender einer Wohltätigkeitsorganisation zeigt. Hier offenbart er sein wahres Gesicht, die Fantasiewelt bricht zusammen und Nick bekommt die Seele Valentinas, was er eigentlich gar nicht wollte, da sie ja sein Preis war.
Er bietet Parnassus erneut einen Deal an, da er eigentlich hinter Tony her war. Parnassus nutzt seine Kräfte in der Fantasiewelt und trickst ihn aus. Nick lässt Valentina frei, lässt aber Parnassus über ihren Aufenthaltsort im Unklaren. Jahre später findet er seine Tochter wieder, spricht sie aber nicht an, da sie mittlerweile eine normales Leben führt.
Während der Dreharbeiten zu Doktor Parnassus verstarb Heath Ledger, weshalb Gilliam den Film eigentlich abbrechen wollte. Die Szenen in London waren zwar schon gedreht, die in der Fantasiewelt jedoch noch nicht. Das Drehbuch wurde umgeschrieben und die Rolle Tonys in dem Kabinett abwechselnd von Johnny Depp, Colin Farrell und Jude Law gespielt. Gilliam, der den Film Ledger widmete und ihn von “A Terry Gilliam film” zu “A film from Heath Ledger and friends” umbenannte, wollte nur Freunde Ledgers in der Rolle des Tony sehen und lehnte angeblich Anfragen von Schauspielern, u.a. von Tom Cruise ab.
Ganz ehrlich gesagt ist die Idee, eine Rolle von mehreren spielen zu lassen, das einzige, was den Film irgendwie interessant macht. Die Fantasiewelt hat ein paar nette Bilder zu bieten, aber ansonsten kommen wohl nur eingefleischte Gilliam-Fans auf ihre Kosten. Die Schauspieler machen höchstens durch ihr enormes Overacting auf sich aufmerksam. Bis auf Ledger, der sich sehr zurück hält und dessen Präsenz kaum bemerkbar ist. Die Story wirkt zusammengeschustert und wirr, ich habe wirklich keinen blassen Schimmer, worum es ging und was für eine Geschichte Gilliam erzählen will. Fans von Ledger tun am besten einfach so, als sein The Dark Night sein letzter Film gewesen.




