Craig Thompson – Habibi

Habibi ist die Geschichte zweier Waisenkinder, die als Sklaven in einer fiktionalen, islamischen Welt zueinander finden und gemeinsam aufwachsen. Dabei ändert sich die Beziehung zwischen ihnen, während sie älter werde. Zuerst nimmt die 7 Jahre ältere Dodola eine Mutterrolle für den kleinen Zam ein, später leben sie wie Geschwister in ihrem Schiff mitten in der Wüste, bis sich in die Beziehung der beiden isoliert lebenden Jugendlichen ein sexueller Aspekt einschleicht, mit dem sie nicht so recht umzugehen wissen. Kurz darauf trennt sich ihr Weg und sie erleben beide eigene Abenteuer, stets die Bibel-Geschichten im Kopf, die Dodola so oft erzählt hat.

Wie auch schon im preisgekrönten Vorgänger Blankets geht es in Habibi hauptsächlich um Religion, Liebe und Sex. Blankets beschrieb biographisch die Jugend Thompsons, seine christliche Erziehung und seine ersten Erfahrungen mit der Liebe und dem anderen Geschlecht. In Habibi setzt Thompson sich mit dem Islam auseinander, erklärt mit vielen kleinen Geschichten, die Dodola erzählt, die Hintergründe der Religion, die Mentalität und legt großen Wert auf die arabische Kalligraphie (Dodola wurde im Alter von 9 Jahren mit einem Kalligraphen verheiratet, der Kopien des Qur’an und anderer Schriften anfertigte. Von ihm lernte sie die Geschichten und die Schrift). Die Graphic Novel übernimmt selbst viel von dem Stil ihrer Erzählung und sowohl Schriftzeichen als auch orientalische Verzierungen schmücken die immer wieder eingestreuten, ganzseitigen Bilder. Ab und zu lösen sauber gezeichnete Architektur-Bilder den sonst so lebendigen Zeichenstil Thompsons ab, was ebenfalls eine tolle Abwechslung darstellt.

Craig Thompson-Fans haben Habibi natürlich längst, wer Thompson noch nicht kennt: kauft euch Habibi, es lohnt sich. Es hat an einigen Stellen seine Längen und der Religions-Quatsch kann ein bisschen nerven, aber was kann man bei dem Preis schon falsch machen? Für momentan 15 Euro bekommt man auf Amazon ein 670 Seiten starkes Buch mit schönem Einband. Für meinen Geschmack ist das schon zu günstig, Thompson hat da glaube ich 7 Jahre dran gearbeitet, wie kann der so Geld verdienen? Was bleibt denn nach den Druckkosten überhaupt noch übrig? Dafür dauert der Versand bei Amazon gerade sehr lange, schaut lieber mal im Comicladen eures Vertrauens vorbei, auch wenn es da ein paar Euro mehr kostet. Das ist es auch wert.

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