Changeling – sadly a true story
So heißt es auf jeden Fall, wie weit sich Changeling an die Originalgeschichte hält, ist mir allerdings nicht bekannt (Nicht sehr genau, wie ich gerade lese).
Dass ich Clint Eastwood nicht mag, daraus habe ich nie ein Geheimnis gemacht. Nicht als Schauspieler, und als Regisseur noch weniger.
Von seiner Filmmusik will ich gar nicht erst anfangen.
Changeling fängt so an, wie jeder Clint Eastwood-Film. Sehr, sehr langweilig. Aber wenn man erstmal die erste halbe Stunde des 140 Minuten Werks überstanden hat ist es ganz erträglich.
Die Kulissen und Kostüme aus dem Jahr 1928 verdienen auf jeden Fall Anerkennung.
Zur Geschichte: Christine Collins (Angelina Jolie) ist eine alleinerziehende Mutter im Los Angeles der 1920er.
Eines Tages kommt sie von der Arbeit zurück und ihr Sohn Walter ist verschwunden.
Nach fünf langen Monaten kommt die gute Meldung des LAPD. Walter wurde gefunden und mit viel Presserummel mit seiner Mutter vereint, denn gute Presse kann das LAPD gebrauchen, das wegen Korruption, Polizeibrutalität und Willkür schon lange in den Schlagzeilen steht.
Dumm nur, dass Christine darauf beharrt, der zurückgebrachte Junge sei nicht ihr Sohn.
Davon will Captain J.J. Jones (Jeffrey Donovan) allerdings nichts hören.
Schließlich wäre diese Verwechslung peinlich für das Departement. Doch Christine gibt nicht auf und kämpft, unterstützt durch Reverend Gustav Briegleb (John Malkovich), und geht mit ihrer Geschichte an die Presse, woraufhin sie von der Polizei kurzerhand in eine psychiatrische Klinik eingewiesen wird.
Doch dann stolpert die Polizei über einen Massenmord in Wineville an 20 Jungen (die Stadt hat sich danach in “Mira Loma” umbenannt, auch wenn das so nie passiert ist.) unter denen auch Walter zu sein scheint.
In zwei parallelen Prozessen wird der Mörder Gordon Stewart Northcott (Jason Butler Harner) zum Tod (nach zwei Jahren Einzelhaft. Komisches Urteil) verurteilt und die Oberhäupter des LAPD supendiert.
Den Mord an Walter gesteht Northcott bis zu seinem Tod nie, weshalb Christine nicht die Hoffnung aufgibt, ihn noch zu finden.
Einige Jahre später taucht ein Junge auf, der von der Ranch Nortcotts fliehen konnte, zusammen mit zwei anderen Jungen, einer davon soll Walter gewesen sein.
(Kleiner Logikfehler, denn der Junge, den Nortcott gezwungen hat, ihm zu helfen und durch den er überführt werden konnte, hätte ja aussagen können, wer alles getötet wurde und wer entkommen konnte.)
Der letzte Satz des Filmes ist Christines fröhliches “Hope”, weil sie weiterhin glaubt, ihr Sohn könnte noch am Leben sein.
Dass es nicht schaden kann, mit dem Regisseur verwandt zu sein, ist ja klar. Aber dass Eastwoods 12jährige (!) Tochter, die nicht mal eine Sprechrolle hat, ganz oben im Abspann als “Girl on Tricycle” erscheint, finde ich das etwas unverschämt.
Ich hab die gar nicht gesehen und die erscheint in den Credits vor John Malkovich? Das finde ich den anderen Schauspielern gegenüber nicht sehr fair.
Der Film behauptet “a true story” zu sein, “based on a true story” trifft es aber eher. Beispielsweise der Mörder hat die Morde mit seiner Mutter zusammen begangen und nicht mit Hilfe eines kleinen Jungen, wie hier im Film behauptet wird.
Vergessen: Changeling heißt auf Deutsch Der fremde Sohn und kommt am 22. Januar in die deutschen Kinos.
Gemäss Wikipedia war der 14-jährige Sanford Clark (nicht wirklich ein kleiner Junge) durchaus an den Morden beteiligt. Zur Flucht: Walter ist möglicherweise die Flucht gelungen, vermutlich ist er aber irgendwo verblutet oder wieder erwischt worden. Für die Spannung des Films ist es natürlich wichtig, dass diese Situation nicht aufgelöst wird, obschon es (auch auf mich) eher störend wirkt.
@Thomas: englische Wikipedia?
In der deutschen stand (zumindest letztens) nichts von einem Jungen, nur von der Mutter, die angeblich geholfen hat.
Zu Walter: wenn man nicht weiß, was in echt mit ihm passiert ist? Man wollte es ja halbwegs authentisch lassen.
Für Ereignisse in den USA, besonders solche eher unbekannten, sind die englischen Beiträge in der Wikipedia meist ausführlicher.
Was wollte man authentisch lassen? Es wird ja aus der Sicht von Christine Collins erzählt. Aus dieser Perspektive ist es authentisch, wenn nicht klar ist, ob Walter überlebt hat. Wahrscheinlich gehört er aber auch zu den Opfern. Davon gehen auch alle anderen Figuren im Film aus.