Benefits of Guestblogging

by David on März 4, 2010

Seit längerem habe ich schon einen Artikel über die Vorteile von Gastartikeln im eigenen Blog geplant, die Bonusaufgabe von Konnas Blogseminar bzw. seine Antwort auf meinen Kommentar hat mir dann mal den nötigen Anstoß gegeben, um den Artikel, der seit Monaten nur aus einer Überschrift bestand, endlich mal zu schreiben.

Warum möchte man woanders Artikel schreiben? Das ist doch ne Menge Arbeit. Und warum sollte man andere Leute Artikel bei sich im Blog veröffentlichen lassen?

Die Vorteile sind leicht erklärt:

Größeres Themenspektrum

Ihr schreibt vermutlich gut und auch gerne, ihr schreibt sogar relativ regelmäßig. Aber mal ehrlich, so abwechslungsreich ist das sicher nicht, oder? Die einen schreiben über ihre Familie und posten Bilder von Hund und Kindern, die anderen berichten aus ihrem Studium, es gibt jede Menge Technik-Blogger und zahlreiche, die über Musik und Filme schreiben. Über die Musik, die sie mögen und über die Filme, die sie gesehen haben. Ein Gastartikel kann das Spektrum um einiges erweitern. Nehmen wir Zockwork Orange als Beispiel. Konna und BeetFreeQ schreiben da Gastartikel über Retro-Games. Wie jeder gute Gamer lieben auch wir alle die Spiele, mit denen wir aufgewachsen sind, haben aber neben der aktuellen Berichterstattung und den Reviews neuer Spiele kaum Zeit dafür, super, wenn da zwei andere Blogger ab und zu mal was beisteuern, was sonst einfach zu kurz kommen würde. Im extremen Fall könnten Gastartikel komplett andere Themen zum Inhalt haben, man muss aber aufpassen, damit man dadurch die Stammleser nicht verwirrt. Last but not least sorgt ein breites Spektrum für mehr interessierte Leser. Wer bisher nur über eine spezielle Nische geschrieben hat, womit er eine sehr begrenzte Zielgruppe als Stammleser gewinnen konnte, kann durch einen Blick über den Tellerrand neue Leser anlocken.

Höhere Postingfrequenz

Man hört es immer wieder, man will sich eigentlich nicht dran halten und drüber stehen, aber insgeheim versucht doch fast jeder Blogger, so oft wie möglich zu posten, am liebsten sogar täglich. Gerade bei Blogs mit textlastigen Artikeln, die viel Recherche und Arbeit erfordern, ist das aber für Hobby-Blogger kaum möglich. Den meisten gelingt das nicht und Durststrecken werden mit lieblos veröffentlichten Videos oder anderen Netzfunden überbrückt (die aber oft mit mehr Kommentaren belohnt werden, als riesige textlastige Artikel). Gastartikel können artikelarme Lücken füllen, manche Blogger holen sich z.B. auch für ihren Urlaub einen Gastschreiber, damit das Blog nicht 2 Wochen ohne Artikel ist. Die meisten Leser haben Blogs zwar im Feed-Reader und löschen diese auch nicht direkt, wenn mal ein paar Tage nichts passiert, aber um Leser an sich zu binden, sollte man sie auch regelmäßig auf seine Seite bekommen. Blogs, egal wie gut sie sind, die nur sehr selten schreiben, lese ich im Feed-Reader, nur sehr selten passiert es, dass ich die Seite aufrufe und einen Kommentar hinterlasse. Und es gibt noch immer genug Leute, die ihre paar Lieblingsseiten von Hand aufrufen und nie einen RSS-Reader benutzen würden (ihr glaubt gar nicht, wie viele das sind), wenn die täglich euer Blog aufrufen und auch nach Tagen nichts neues zu sehen ist, verschwinden sie unter Umständen für immer. Natürlich ist es da mit ein paar Gastartikeln im Jahr auch nicht wirklich getan.

Mehr Besucher, mehr Stammleser

Schreibt jemand bei euch einen Gastartikel, möchte der Autor natürlich auch gelesen werden, ergo wird er seine Twitter-Follower, seine Freunde auf Facebook und überhaupt alle über diesen Gastartikel informieren, die er sonst auch über neue Artikel in seinem eigenen Blog (sofern er eins hat) informieren würde. Je größer die Reichweite des Gastautors, umso größer der Nutzer für euch (auf die reinen Zahlen reduziert). Ein Autor mit eigenem Blog schreibt möglicherweise sogar einen Artikel bei sich, um auf seinen Gastartikel hinzuweisen.
Doch warum macht ein Blogger sowas? Sind alle Blogger selbstlose Schreibfanatiker, die unbedingt Texte veröffentlichen wollen? Das Konzept des Quid pro Quo greift auch hier. Ein Gastautor mit eigenem Blog erreicht so ja ebenfalls ein neues oder größeres Publikum. Einen kleinen Text über ihn und einen Link auf sein Blog sollte der Besitzer des Blogs ihm natürlich gewähren. Dadurch bekommt er garantiert höhere Besucherzahlen, möglicherweise durch den interessanten Artikel angelockt auch einige neue Stammleser. Er erreicht auf jeden Fall ein anderes Publikum und kann sich über Kommentare einer ganz neuen Leserschaft freuen (auch wenn sich bei vielen Blogs die Leserschaft überschneidet).
Ein weiter Vorteil für den bloggenden Gastautor ist ebenfalls der abweichende Themenbereich. Ein Filmblogger, der unbedingt etwas über sein neues Auto oder das iPad schreiben möchte, kann das nicht in seinem Blog machen, weil es einfach nicht passt. Themenbezogene Blogs eignen sich da besser.
Neulinge in der Bloggosphäre können sich durch Gastartikel bei etablierten Bloggern schneller einen Namen machen und eine Stammleserschaft aufbauen.

Pecunia non olet oder: It’s all about the Benjamins

Kommen wir zum leidigen Thema: Geld. Wir haben gesehen, von Gastartikeln haben beide Seiten Vorteile, aber so ganz ausgeglichen ist das nie. Wer mit seinem Blog Geld einnimmt, sollte darüber nachdenken, seine Gastautoren zu entlohnen, schließlich haben sie ja auch zu den Einnahmen beigetragen. Anders herum sind die Großverdiener unter den Blogs logischerweise so bekannt, dass ein eher unbekannter Blogger-Neuling auf eine Bezahlung verzichten würde, nur um in diesem Blog zu erscheinen. Als Blogger sollte man da trotzdem fair bleiben. Für die meisten wäre es z.B. sicherlich ein Privileg, einen Artikel Smashing Magazine zu schreiben, die müssten also niemanden bezahlen und hätten trotzdem genügend Gastartikel, machen sie aber dennoch.
Wer jemanden wirklich Bekanntes bei sich schreiben lassen möchte, darf damit rechnen, dass man dafür auch was springen lassen muss. Ein Sascha L. schreibt sicher nicht in eurem 50-Besucher-pro-Monat-Blog, nur weil ihr ihm eine nette Mail schreibt (aber vielleicht schätze ich ihn da auch falsch ein).

Tipps für Gastblogger: informiert euch gründlich, welche Blogs für euren geplanten Artikel in Frage kommen. Wenn ihr nur scharf auf Links zu eurem Blog seid, dann lasst es lieber, das fällt eh auf. Wenn mir jemand einen Artikel zuschicken würde, mit der Bitte, den zu veröffentlichen, und mir die Person total unbekannt ist und auch noch nie durch Kommentare bei mir in irgendeiner Form Interesse an meinem Blog bekundet hat, schrillen natürlich sofort die Alarmglocken. Seid auf keinen Fall enttäuscht oder nehmt es dem Blogbesitzer übel, wenn euer Artikel abgelehnt wird. Fragt nach, bevor ihr den Artikel schreibt. Und auch wenn man im Web immer alles gerne so persönlich nimmt: letztendlich ist es die Sache des Bloggers, ob er euren Artikel veröffentlichen möchte oder nicht, das müsst ihr respektieren. Und wenn der Artikel mit Änderungsvorschlägen zurück kommt: so läuft das nun mal, bei einer Zeitung wäre es nicht anders. Im Smashing Book schreiben die Autoren des Smashing Magazine, dass sie einen Artikel so oft mit Änderungsvorschlägen zurück schicken, bis sie 100%ig damit zufrieden sind. Kann mir nicht vorstellen, dass da schon mal jemand irgendwann so frustriert war, dass er den Artikel dann nicht mehr veröffentlichen wollte.
Habt den Mut, einfach mal Blogger zu fragen, ob sie nicht einen Artikel von euch veröffentlichen würden oder ob sie einen für euch schreiben möchten. Das tut der Vernetzung der Blogs sicher auch ganz gut.

Fazit: Gastartikel sind in vielerlei Hinsicht eine gute Sache, nutzen beiden Seiten und können zu neuen Stammlesern, mehr Besuchern und regelmäßigeren Artikeln führen, sofern es im richtigen Rahmen passiert. Ob man Gastautoren bei sich schreiben lassen möchte, muss jeder für sich entscheiden, bei manchen (privaten) Blogs funktioniert das einfach nicht und ergibt auch wenig Sinn, am besten eignen sich dafür natürlich Blogs mit festen Themen. Informiert euch vorher und fragt nett nach. Und seid vor allem nicht böse, wenn jemand keine Lust hat, für viele ist ihr Blog ihr eigenes privates Ding, an das sie ungerne Andere ranlassen.

5 comments

Die Punkte die du auflistest machen alle iwie Sinn, aber ich hab iwie trotzdem Skrupel irgendwen an meinen Blog zu lassen :D Und wenn ich wo anders posten würde hätte ich das Gefühl meinem Blog fermd zu gehen xD

by chaosmacherin on Donnerstag,4. März 2010 at 12:14. Antworten #

Ja, ist ja auch nicht für jeden was, muss ja auch nicht.

by David on Donnerstag,4. März 2010 at 12:21. Antworten #

Super Beitrag, die wesentlichen Punkte hast du alle aufgeführt. Ich finde für mich den Aspekt, eine andere Leserschaft erreichen zu können, besonders interessant. Das bringt wirklich was.

Ein Punkt, der vielleicht noch fehlt (aber vielleicht auch in diesem Rahmen zu weit führen würde), ist, dass man sich als Gastautor auch die Zeit nehmen sollte, den Gastartikel zu pflegen, ergo hin und wieder reinzuschauen, ob der Artikel neue Kommentare bekommen hat und dann auf diese einzugehen.

by Konna on Donnerstag,4. März 2010 at 19:27. Antworten #

dann schreib’ doch mal bei uns einen gastartikel:)

by tim on Dienstag,9. März 2010 at 12:46. Antworten #

Über welches Thema denn? Filmtrailer? :-P

by David on Dienstag,9. März 2010 at 15:18. Antworten #

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