Alice in Wonderland

by David on März 5, 2010

Die mittlerweile 19-jährige Alice Kingsley träumt jede Nacht den selben Traum, hat aber keine Ahnung mehr, dass es sich in Wirklichkeit um eine Erinnerung an ihre Erlebnisse im Wunderland als kleines Kind handelt. Sie hält sich für ein bisschen verrückt, aber ihr verstorbener Vater hat ihr immer gesagt, dass das nichts Schlechtes sei also sieht sie nicht ein, sich für ihre Mutter oder ihren vermutlich Zukünftigen, den Lord Hamish, “normal” zu benehmen. Gerade als Hamish um ihre Hand anhalten möchte, rennt Alice weg, dem Hasen hinterher, den sie schon den ganzen Tag in der Gegend herumrennen sieht. Sie fällt in ein Loch und landet in einem Raum voller verschlossener Türen. Die einzige Türe, die sich mit dem auf dem Tisch liegenden Schlüssel öffnen lässt, ist zu klein für sie. Da liegt es nahe, das mysteriöse Fläschchen zu leeren, steht ja auch “Drink me” drauf. Sie schrumpft, doch jetzt ist sie zu klein, um an den Schlüssel zu kommen. Also den Kuchen essen, der auf dem Boden liegt. Sie wächst, ist aber wieder zu groß. (Die flüsternden, versteckten Beobachter zweifeln beim Anblick ihrer Versuche, ob sie die richtige Alice sei). Schließlich schafft sie es und landet im “Underland”, wo schon mehrere sprechende Tiere und merkwürdige Gestalten auf sie warten. Alice, die sich noch immer nicht an ihre früheren Abenteuer erinnern kann, glaubt in einem Traum zu sein. Sie soll die Herrschaft der Red Queen beenden und dazu den Jabberwocky töten, verlangen die befremdlichen Wesen. Alice trinkt und isst zwar alles, wenn man es von ihr verlangt, aber darauf hat sie jetzt doch keine Lust. Die Gruppe wird von den Schergen der Red Queen angegriffen und Alice wird von den anderen getrennt. Sie trifft auf die Cheshire Cat, die ihr den Weg zum Mad Hatter zeigt. Der hat natürlich schon auf die gewartet, möchte er doch schließlich auch von ihr, dass sie den bösen Jabberwocky erledigt. Als der verrückte Hutmacher geschnappt wird, setzt Alice alles daran den Kerl, den sie seit maximal 10 Minuten kennt, zu retten und begibt sich in das Schloss der bösen Königin. (Wobei man nie wirklich weiß, wer jetzt auf wessen Seite ist). Dort muss sie aber sowieso hin, denn da ist das Schwert versteckt, mit dem man den Jabberwocky töten kann, was fast jeder Einwohner des wunderlichen Landes von Alice verlangt, auch die weiße Königin, die selbst keinen Finger krum machen will, um die Herrschaft über das Land zurück zu erlangen. Alice gibt schließlich den Widerstand auf und macht alles, was man von ihr verlangt, weil sie nun doch die “richtige” Alice geworden ist, auf die alle gewartet haben. Obwohl sie ihr Leben für die Anhänger der White Queen riskiert hat, hat sie trotzdem kein Interesse, im Wunderland zu bleiben. Stattdessen sagt sie allen in ihrer echten Welt mal gehörig die Meinung, steigt ins Geschäft ihres toten Vaters ein und bereist auf einem Schiff die Welt. Während der Avril-Lavigne-unterlegte Abspann läuft, sieht man das “to be continued” quasi auf der Leinwand stehen.

Ich gebe zu, ich kenne die echte Alice-Geschichte gar nicht und auch den alten Disney-Film kenne ich nicht. Vielleicht muss man Fan sein, um Burtons Alice in Wonderland schätzen zu können, mich hat die neuste Zusammenarbeit des verrückten Trios (Burton, Depp, Bonham-Carter) eher enttäuscht. Gerade diese abgedrehte Vorlage in Kombination mit dem Trio hätte doch beispiellos verrückt, irrsinnig und farbenfroh sein müssen. Stattdessen fühlt man den Einfluss Disneys, die einen kindgerechten Familienfilm fordern und Burton scheinbar vorgegeben haben, wie weit er gehen darf. Anders kann ich mir dieses wenig überzeugende, blasse Werk nicht erklären. Selbst Johnny Depp ist enttäuschend und seine Breakdance Einlage einfach nur albern. Wer Alice unbedingt sehen will, sollte das unbedingt im O-Ton machen, Alan Rickman, Stephen Fry, Michael Sheen und Christopher Lee darf man sich nicht entgehen lassen. Die Performance der unbekannten Mia Wasikowska als Alice und die fantastischen Synchronsprecher sind die wenigen Höhepunkte des Films. Auch die Effekte darf man loben, die CGI ist nahtlos in die realgefilmten Szenen eingebaut, wobei besonders die Cheshire Cat sehr gut gelungen ist. Auch die anderen Tiere wirken fast alle sehr überzeugend, was nicht selbstverständlich ist, denkt man z.B. an die Narnia-Filme.
Insgesamt finde ich Alice in Wonderland als Kinderfilm zu düster und erschreckend, für erwachsene Burton-Fans einfach zu underwhelming. Schade, denn abgedrehter hätte die Vorlage ja kaum sein können.

★½☆☆☆

3 comments

Von «ich kenne die echte Alice-Geschichte gar nicht und auch den alten Disney-Film kenne ich nicht» zu «Schade, denn abgedrehter hätte die Vorlage ja kaum sein können» in zwei Abschnitten. Das ist noch abgedrehterer als die Vorlage. Oder einfach «curiouser and curiouser». Da dieses Zitat auch in «The Big Bang Theory: The Jerusalem Duality» verwendet wird, solltest du dir die Vorlage vielleicht bald einmal zu Gemüte führen. Kann nicht schaden.

by Thomas on Freitag,5. März 2010 at 17:35. Antworten #

Die Story an sich kenne ich natürlich, hab sie nur nicht gelesen. Rabbid-Hole, Hase mit ner Uhr und der Hutmacher… so Sachen waren mir bekannt, nur Details nicht. Also genug, um bei MAtrix oder LOST die Anspielungen zu erkennen :-)

by David on Freitag,5. März 2010 at 18:04. Antworten #

Aber sicher nicht genug, um zu einem so formulierten Fazit zu gelangen. ;-) Kann nur wiederholen, dass sich die Lektüre lohnt. Dann erkennst du vielleicht auch noch weitere Anspielungen.

by Thomas on Samstag,6. März 2010 at 10:15. Antworten #

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