Captain Obvious

I'm the Doctor

A Serious Man


A Serious Man, das neuste Werk der Coen-Brüder versetzt uns ins Minnesota der 60er. Zuvor eigentlich noch ins Polen des 19. Jahrhunderts, aber das hat mit der Handlung nichts zu tun.
Da endet vermutlich auch schon der biographische Bezug zu den Coens; Minnesota, 60er, jüdische Siedlung.
Larry Gopnik, ein Mathematik Professor, versucht stets, ein guter Vater, Ehemann und Bruder zu sein. Doch irgendwie gelingt ihm nichts davon. Seine Frau verlangt eine rituelle jüdische Auflösung der Ehe, seine Kinde bestehlen ihn und brauchen ihn eigentlich nur, um die Radioantenne richtig einzustellen. Und sein Bruder (Richard Kind – Scrubs, Spin City/Chaos City) der bei der Familie auf der Couch schläft, gerät mit dem Gesetz in Konflikt und wird mehr und mer zu einer Last für alle.
Das einzige freudige Ereignis ist die bevorstehende Bar Mitzwa von Larrys zwölfjährigem Sohn Danny, der aber lieber kifft und böse Musik (i.e. Jefferson Airplane) hört, anstatt sich auf das Vorsingen der Tora vor der Gemeinde vorzubereiten. Und vielleicht die mögliche Verbeamtung Larrys (dank Friends wusste ich auch, was “tenure” bedeutet), die dank difamierender Briefe und Bestechungsversuchen von Studenten aber auf der Kippe steht.
Larry pendelt zwischen Job, Familie (oder was davon übrig ist), Anwälten und mehreren Rabbis, die er um Rat bittet.
Der erste (Simon Helberg, bekannt als Wolowitz von The Big Bang Theory) ist nur ein Aushilfsrabbi, der nicht viel zu sagen hat, außer auf das Wunder des Parkplatzes vor der Tür hinzuweisen. Der nächste (George Wyner – Days of Our Lives) erzählt die Geschichte eines Zahnarztes, der hebräische Zeichen in den Zähnen eines Patienten gefunden hat, was für Larry in etwa so viel Sinn ergibt, wie der ganze Film für mich.

Rabbi Nachtner: We can’t know everything.
Larry Gopnik: It sounds like you don’t know anything! Why even tell me the story?

Der einzige Rabbi, der ihm helfen könnte, ist schon alt und macht lässt niemanden mehr zu sich, außer Jungen, die gerade ihre Bar Mitzwa hinter sich gebracht haben, um ihnen zu gratulieren. Ironischerweise darf Danny also zu ihm, sein Vater bekommt keinen Termin und ist weiter auf sich allein gestellt.
Die Probleme häufen sich, doch statt diese irgendwie aufzulösen, beenden die Coens abrupt den Film und lassen den Zuschauer mit fragenden Blicken im Kino zurück. So wie Larry sich bei der Geschichte mit dem hebräischen Hilferuf, eingemeißelt in die Zähne eines Nichtjuden, für ihn nur die Frage aufwarf: “Was will der mir damit sagen?”, fühlt man sich auch bei A Serious Man. Was wollen die Coens uns damit sagen? Gut, es braucht nicht jeder Film eine Aussage und scheinbar ging es den Coens nur darum, das Leben der Juden im Minnesota der 60er darzustellen, um uns ein bisschen zu erklären, warum sie selbst so abgedrehte Filme machen. Vielleicht ist Joel Coen ja der ständig kiffende Danny Gopnik? Wer weiß.
Wenn ich auch mit der Handlung nicht viel anfangen konnte, muss ich doch sagen, dass es die eine oder andere witzige Stelle gab, nicht zuletzt auch durch die vielen jiddischen Begriffe, die man als Zuschauer erraten darf, weil sie auch nicht im Untertitel übersetzt werden. A Serious Man eignet sich vermutlich nur für Fans der Coens.

★★☆☆☆

5 Responses to A Serious Man

LemonHead says: Samstag,23. Januar 2010 at 17:45

Der Film besticht meiner Meinung nach einfach durch seine unzähligen “WTF ?!” Momente. Zugegeben, als bekennender Fan der Coen Brüder habe ich mich natürlich schon sehr auf den Film gefreut und bin eigentlich auch nicht enttäuscht worden.
Der Film transportiert die ganze Zeit eine ganz eigene Stimmung, welche man so nicht erklären kann.
Allein für die Zahnstory lohnt sich der Film schon!

Überragend ist ein Prädikat, das ich dem Film auch nicht anhaften möchte. Lohnenswert ist der Streifen im Gegensatz zu vielen anderen aktuellen Filmtiteln dann aber schon.

Von mir gäbe es vielleicht eine 3,5 – 4.

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Thomas says: Sonntag,24. Januar 2010 at 14:38

Wer den Film zu verstehen versucht, hat ihn sowieso nicht verstanden. Obwohl es eigentlich gar nicht so schwierig ist.

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endgueltig says: Mittwoch,27. Januar 2010 at 9:25

Nun, wenn es um die Aussage geht: schon mal etwas von Hiob gehört? Von Gott und dem Teufel?

Fand den Film vor allem wegen des Endes zunächst unverständlich, aber etwas Lektüre bringt einen doch ziemlich weit, und von keiner Aussage zu reden ist nun einfach sehr untertrieben.

@LemonHead Die Zahnszenen sind wirklich wunderbar!

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David says: Mittwoch,27. Januar 2010 at 15:58

Ich über- und untertreibe gerne. :-)

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