Lesemonat Januar

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Bücher

Mehr lesen, mehr schreiben, mehr bloggen. 2016 ist das Jahr des “mehr”. Vielleicht fahre ich sogar mal ans Meer? Wer weiß, was das Jahr noch so bringt. Aber genug der Kalauer, es ist zwar fast Karneval, aber das hat ja hier nichts verloren.

Mein Ziel mit dieser Reihe ist es, mich zum Lesen zu motivieren und gleichzeitig etwas mehr über Gelesenes zu reflektieren. Momentan halte ich zwar alles bei Goodreads fest, aber das ist ja nur eine reine Chronik und viele sind dort gar nicht angemeldet. “Geklaut” habe ich die Idee diese Artikelreihe übrigens bei Maja, schaut ruhig auch mal bei ihr vorbei.

2015 endete damit, dass meine geliebte Lustiges-Taschenbuch-App still und heimlich eingestellt wurde. Immer wieder kamen die Ausgaben zu spät, immer wieder hab ich nachgefragt und keine Antwort bekommen. Community-management, Social Media und Kundenbetreuung kann der Egmont Ehapa Verlag leider gar nicht. Mehrmals per Mail, mehrmals auf Facebook, auf Twitter, in den Bewertungen bei iTunes – es gab einfach nie eine Reaktion. Die letzte Ausgabe des Lustigen Taschenbuchs kam dann einfach gar nicht mehr in der App. Na toll, dachte ich mir. Dafür kann man sie jetzt in iBooks kaufen, immerhin ein schwacher Trost. Ob alle meine alten Ausgaben weiterhin im Archiv und runterladbar sind, steht in den Sternen, vermutlich ist alles weg, wenn die App endgültig eingestampft wird. Alles in iBooks neu kaufen werde ich sicherlich nicht. Wie dem auch sei, das hat dazu geführt, dass ich diesen Monat 2 Ausgaben LTB gelesen habe.

rod_junkins_art_of_creative_thinkingRod Judkins – The Art of Creative Thinking
281 Seiten
Ratgeber/Lebenshilfe/Inspiration

Ich kann gar nicht sagen, warum ich dieses Buch mitgenommen habe, aber der Titel und das Cover (ich hab eine andere Ausgabe) sprach mich einfach an. Über den Autor: “Rod Judkins is an accomplished lecturer at Central St Martin’s, one of the world’s pre-eminent art schools whose alumni – ranging from artists like Lucien Freud, Gilbert & George and Antony Gormley through to the designers Stella McCartney, Sarah Burton and Alexander McQueen – have helped shape our culture. Judkins has lectured on the subject of creativity at universities and to businesses around the world.” Junkins schult kreative Menschen (ja, das geht) und unterstützt Unternehmen dabei, Arbeitsabläufe zu verbessern. In The Art of Creative Thinking erzählt er in vielen kurzen Artikeln (die querbeet gelesen werden sollen), wie man seine Kreativität freilegt. Anhand zahlreicher Beispiele aus seinen eigenen Erfahrungen oder aus der Weltgeschichte – Michelangelo, JK Rowling, Andy Warhol, Thomas Edison und viele mehr – erklärt er, was kreative Menschen ausmacht, wie jeder davon profitieren kann, mehr auf seine kreative Ader zu hören und vor allem, dass und wie jeder Mensch kreativ sein kann und wie unsere Gesellschaft, unser Schulsystem und unsere Jobs uns daran hindern, unser kreatives Potential zu entwickeln. Ich bin niemand, der viele Selbsthilfebücher liest, ganz im Gegenteil, aber dieses Buch ist einfach großartig und man kann fast jeden Satz unterstreichen, in jedem Kapitel gibt es Zeilen, die man sich am liebsten auf die Bürowand malen möchte.
Meiner Meinung nach kann jeder positive Lehren aus diesem Buch, aus dieser Ansammlung von Erfahrungsschätzen kreativer Menschen ziehen, egal in welcher Branche man arbeitet oder wofür man sich in seiner Freizeit interessiert. Solltet ihr nur ein Buch dieses Jahr lesen, lest Rod Judkins’ The Art of Creative Thinking!

Terry Pratchett - The Shepherd's CrownTerry Pratchett – The Shepherd’s Crown
352 Seiten
Fantasy/Humor

Bereits im Oktober angefangen, im Januar erst beendet. Stilistisch hat es einige Schwächen, darauf möchte ich gar nicht eingehen. The Shepherd’s Crown ist Terry Pratchetts letztes Buch, der letzte Scheibenwelt-Roman, der jemals veröffentlicht wurde. Sir Terry, mit Abstand mein Lieblingsautor und eine Person – obwohl ich ihn nie persönlich kennen lernen durfte – die mich als junger Erwachsener am meisten beeinflusst hat. Auf die stilistischen Schwächen möchte ich nicht eingehen, weil Terry vor Beenden des Romans an seinem Alzheimer-Leiden verstorben ist und sein Assistent Rob Willkins (dem Pratchett die letzten Jahre diktiert hatte, da er selbst nicht mehr schreiben konnte) die Geschichte beendet bzw. die Fragmente in eine Reihenfolge gebracht hat. Ich mag die Geschichten um die Hexen nicht so sehr, diese muss man aber schon deshalb lesen, weil sie viel persönliches beinhaltet. Pratchett wusste, dass er stirbt und auch in der Geschichte stirbt eine wichtige Person; ich habe da viel biographisches und Botschaften an seine Tochter in den Gesprächen zwischen der sterbenden Person und der Person, die in ihre Fußstapfen tritt, entdeckt. Das und das Nachwort hat mir einige Male feuchte Augen beschert. Wenn ihr die Scheibenwelt nicht kennt, könnt ihr mit dem Buch aber vermutlich nicht viel anfangen, es ist auch bei weitem nicht das beste aus der Reihe.

Ian Doescher Shakespeare's Star Wars: The Tragedy of the Sith's RevengeWilliam Shakespeare’s Tragedy of the Sith’s Revenge: Star Wars Part the Third (William Shakespeare’s Star Wars, Band 3)
168 Seiten
Sci-Fi, Klassik

Sechster und vorerst letzter Band von Ian Doeschers Star-Wars-Nacherzählung im Shakespeare-Stil. Wie auch die anderen 5 Bände ist Episode 3 witzig und einfallsreich geschrieben. Doescher benutzt klassische Stilmittel Shakespeares und wendet sie passend auf die Star-Wars-Story an. Jar Jar Binks ist zum Beispiel der Narr, der in Wirklichkeit doch alles durchblickt, R2-D2 führt ausführliche Monologe, Paare sprechen wie bei Shakespeare so, dass sich ihre Dialoge reimen – zumindest so lange, wie sie zusammen und glücklich sind. Yoda spricht in Haiku-Form, weil… ja, einfach so, damit er heraussticht und Darth Plagious’ Gechichte wird in Form eine Theaterstücks im Stück erzählt. Es gibt hier vieles zu entdecken und im Nachwort wird vieles für Laien noch einmal erklärt. Nicht der stärkste Band der Reihe, die endlosen Dialoge zwischen Anakin und Padme nervten mich auf Dauer, dennoch gehören die 6 Star-Wars-Bände im Shakespeare-Stil zu den geistreichsten und innovativsten Büchern, die ich in den letzten Jahren gelesen habe. Es ist was faul im Staate Coruscant!

Ferner liefen:
Lustiges Taschenbuch Nr. 475: Gefährliche Galaxien
Lustiges Taschenbuch Nr. 476: Der unverfrorene Schneemann
Assassination Classroom 9
Kleine Katze Chi 8

BuchSaiten BlogParade 2015

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Bücher
BSBP15

Hier ist es – mal wieder – etwas stiller geworden. Schuld war unter anderem der #NaNoWriMo, aber auch meine übliche Planlosigkeit, was ich mit dem Blog hier genau anstellen möchte. Ich denke, 2016 wird das Jahr, in dem ich wieder regelmäßig bloggen werde. Mal sehen, wie sehr ich das beibehalte :)

Da es hier in letzter Zeit fast nur um Kurzgeschichten/Schreiben ging (habt ihr meine Kurzgeschichte in dieser Kurzgeschichtensammlung entdeckt?) passt eine Blogparade, bei der es um die Bücher des Jahres geht, doch super ins Konzept. Die liebe Katrin hat wieder zu einem literarischen Jahresrückblick aufgerufen, los geht’s.

Welches war das Buch in diesem Jahr, von dem ich mir wenig versprochen habe, das mich dann aber positiv überrascht hat? (und Begründung)

Welches war das Buch in diesem Jahr, von dem ich mir viel versprochen habe, das mich dann aber negativ überrascht hat? (und Begründung)
Definitiv Armada von Ernest Cline. Viel versprochen hatte ich mir davon, weil Ready Player One großartig war. Armada strotzte leider nicht vor Innovation und bot eher flache Charaktere und einen vorhersehbaren, langweiligen Plot. Schade. (Zum Armada-Review von mir)
Welches war eure persönliche Autoren-Neuentdeckung in diesem Jahr und warum?
Ich schätze, das war Ian Doescher mit seinen Star-Wars-Büchern im Shakespeare-Stil. Sehr witzig, unterhaltsam und kurzweilig. Tolle Idee, super umgesetzt. Band 6 (Episode 3) ist gerade auf Englisch erschienen, hab ich mir aber noch nicht geholt, da ich zu viele Bücher noch unbeendet hier liegen habe.
Welches war euer Lieblings-Cover in diesem Jahr und warum?
Kann ich gar nicht sagen. Don’t judge a book by its cover. Da hab ich tatsächlich auch meist schlechte Erfahrungen mit gemacht und oft verbergen sich hinter schönen Covern die schlechtesten Bücher. Es gab ein paar Cover, an denen ich immer wieder im Vorbeigehen hängen geblieben bin, aber die Bücher haben mich nicht interessiert. Die generischen Young-Adult-Bücher mit immer gleicher Story haben (leider) oft ziemlich schöne Cover.

(Nachtrag: Ian Doescher habe ich letztes Jahr schon genannt, da hab ich mich wohl im Jahr vertan.)

Welches Buch wollt ihr unbedingt in 2016 lesen und warum?

Eigentlich plane ich das nicht. Ich hoffe mal, 2016 wird ein neuer A Song of Ice and Fire erscheinen. Bei meinem Tempo wird mich das 1-2 Monate beschäftigen. Scheibenwelt-Romane wird es nie wieder geben, dennoch gibt es immer wieder neues Lesefutter von Terry Pratchett, das wird alles verschlungen. Ansonsten werde ich versuchen, mehr zu schreiben, was ich nur kann, wenn ich gerade nichts lese.

Mein Year in Books bei Goodreads sieht mal wieder viel zu mager aus. Irgendwann schaffe ich es auch, mehr zu lesen.

Wollt ihr auch mitmachen? Noch bis zum 6. Januar könnt ihr an der #BSBP teilnehmen.

Kurzgeschichte: Nachts im Park

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Writing

Es war schon düster, als Alex in seine neon-orangen Laufschuhe schlüpfte, die Tür hinter sich zuzog und mit federndem Schritt die Treppe hinunter eilte. Wirkliche Lust hatte er nicht, eigentlich war es auch schon viel zu spät zum Laufen. Aber erst hatte es begonnen zu regnen und dann musste er noch 2,3 Youtube-Videos schauen. Jetzt war es fast 9, regnete noch immer – was ihn eigentlich gar nicht so sehr störte – und es war schon richtig dunkel – was ihm tatsächlich nicht so gefiel. Er lief immer im Park nebenan und da war die Beleuchtung eh nicht so super, der Gedanke an Wurzeln im Boden, die ihn zu Fall brachten, ließen Alex fast wieder umkehren. Ein umgeknickter Knöchel musste ja wirklich nicht sein.
“Schluss, genug mit den Ausreden, du läufst jetzt, auch wenn es nur eine kleine Runde ist.”
Jaja, verdammt, es stimmte ja, wenn er jetzt seine Routine unterbrach, würde er in ein paar Wochen gar nicht mehr joggen.
Alex zog die Haustüre ins Schloss, sich die Kapuze in die Stirn und trat in den Regen hinaus. Während er gemächlich in Richtung Park ging, schob er den Schlüssel in die kleine Tasche der Laufshorts, die er über der langen Hose trug und startete seine Laufapp am Handy, dass er etwas umständlich um seinen Ärmel geschnallt hatte. Alex hätte jetzt loslaufen können, doch er wartete meist, bis er im Park war. Davor gab es Ampeln und Passanten, die komisch schauten. Bei dem Regen vielleicht nicht und wahrscheinlich bildete er sich das auch sonst nur ein, dennoch fühlte er sich erst im Park wohl, zusammen mit den zahlreichen anderen Joggern. Wobei auch diese jetzt nicht unterwegs sein würden.
Jetzt noch eine Ampel, eine nach Urin müffelnde S-Bahn-Unterführung und es ging los. Alles in Alex sträubte sich, aber er wusste, sobald er loslief, wäre das vergessen. Und besonders mit dem Regen wäre der Stolz und die Befriedigung im Anschluss umso größer. Er beschleunigte seinen Schritt in der Unterführung, sah schon das orange Licht der Parklaternen in der Ferne und die Regentropfen, wie sie im Lichtkegel tanzten. Er lief langsam los.

Üblicherweise hörte Alex beim Laufen seine Playlist, die er sich eigens dafür zusammengestellt hatte – mit dem passenden Beat im Ohr lief es sich einfach besser. Im Dunkeln behagte es ihm allerdings gar nicht und er nutzte lieber alle ihm zur Verfügung stehenden Sinne, um die Umgebung abzutasten. So lauschte er seinem Atem, seinen Schritten und dem leichten Nieseln des feinen Regens. Er wählte den linken Weg, der ihn um den See, der rechts von ihm im Dunkeln lag, herum führte, überquerte aber direkt die erste Holzbrücke, die ihn in den inneren Teil des Parks brachte. Hier war es zwar noch dunkler, dafür war der Boden asphaltiert und nicht so matschig, wie auf dem äußeren Weg. Bäume säumten rechts und links den Pfad, einige wenige Laternen boten etwas Beleuchtung.
Alex erhöhte sein Tempo erneut. Eine kleine Runde genügte ihm heute, kein Grund also, seine Kräfte zu sparen. Hauptsache der innere Schweinehund war besiegt und das Gewissen beruhigt. Der Weg, dem Alex folgte, machte eine leichte Biegung nach rechts, am Ende kreuzte er einen weiteren, der aus dem Inneren des Parks von rechts auf seinen traf. Schnelle Schritte kamen von dort auf Alex zu, begleitet von einem hüpfenden Schatten, der einige Meter vor Alex in den gleichen Weg einbog. Im Lichtkegel der nächsten Laterne vernahm er die Umrisse einer Joggerin in kurzer Sporthose und langem Laufshirt mit reflektierenden Streifen. Ihr Pferdeschwanz wippte im Rhythmus ihrer Schritte. Alex fiel unbewusst ihn ihr Tempo ein, das ihm eigentlich zu hoch war, was er bereits nach wenigen Minuten zu spüren bekam. Dennoch hielt er weiterhin Schritt mit der unbekannten Läuferin.

Nach kurzer Zeit kamen ihm Bedenken. Er wusste um das ungute Gefühl, wenn er selbst jemanden nachts auf der Straße hinter sich gehen hörte. Eigentlich immer entpuppte es sich als Einbildung, doch das Unwohlsein, wenn eine andere Person scheinbar dauerhaft an den eigenen Fersen klebte, war immer wieder gleich. War er die hintere Person, gab er sich meist Mühe, möglichst unbedrohlich zu wirken. Jetzt lief er hier in diesem dunklen Park seit geraumer Zeit – in Wirklichkeit waren wohl erst wenige Minuten vergangen – hinter einer Joggerin her. Oder zumindest hinter ihr. Was sie wohl denken mochte, mit seinen Schritten im Nacken?
War sie aufs Laufen konzentriert und bekam nichts um sich herum mit? Fragte sie sich, wer da hinter ihr lief, bereitete sich im Kopf gar schon auf alle möglichen Szenarien vor, das Pfefferspray schon in der einen, den Schlüsselbund in der anderen Hand? Vermutlich ärgerte auch sie sich, nicht früher bei mehr Licht laufen gegangen zu sein.
“Wahrscheinlich dachte sie gar nichts und lief einfach. Nicht jeder macht sich wegen jeder Situation so viele Gedanken! Vielleicht hatte sie dich gar nicht bemerkt!”, versuchte Alex sich einzureden, doch er glaubte sich selbst nicht. Natürlich hatte sie das. Er überlegte, was er tun konnte, um die Situation zu entschärfen. Er konnte versuchen, sie zu überholen. Einmal vor ihr, würde sie sehen, dass er nur ein anderer Jogger mit zufällig derselben Strecke war.
“Oder sie hört, wie du schneller wirst und passt ihr Tempo an, aus Angst, weil du näher kommst. Und dann? Du kannst doch schon jetzt kaum noch!” Guter Punkt, dachte Alex. Langsamer werden oder eine Abzweigung nehmen, wären noch Optionen.
Viel Zeit blieb allerdings nicht mehr, ein Stück weiter vorne kam eine große Kurve um den See herum, links und rechts Bäume und keine einzige funktionierende Laterne, wie Alex sich von seiner letzten Runde erinnerte und eine Abzweigung kam auch nicht mehr. Was tun?
Er schaute noch einmal auf den Zopf, der einige Meter vor ihm auf und ab hüpfte, dann kam er zum Stehen, Hände in die Oberschenkel gestemmt und nach Luft ringend. Er hätte einfach in seinem Tempo bleiben können, dann wäre sie ihm längst davon gelaufen.
“Hey,” höre Alex eine weibliche Stimme durch das Pochen in seinen Ohren sagen. “Alles okay?”
Er schaute hoch in das junge, hübsche, von schweißnassen, dunkeln Strähnen umrahmte Gesicht der Joggerin, die er bis eben nur von hinten gesehen hatte.
“Ja,” krächzte er, räusperte sich und versuchte es erneut. “Ja, alles gut. Krieg nur so schwer Luft bei der Kälte.
“Oh, na dafür hast du aber gut mitgehalten, warst ja die ganze Zeit hinter mir.” In ihrer Stimme war kein Vorwurf erkennbar. “Ein Stück zurück und dann rechts kommst du raus, da hält direkt die Bahn… vielleicht solltest du für heute erstmal Pause machen.”
“Gute Idee. Hab zwar kein Ticket, aber sind auch nur zwei Haltestellen. Das werd ich machen.”
“Super, dann liegst du hier also nicht ohnmächtig in der Ecke, wenn ich auf der nächsten Runde vorbeikomme.” Sie zwinkerte Alex zu, lächelte, drehte sich um und lief los. Alex sah noch zu, wie der wippende Pferdeschwanz sich entfernte und hinter der nächsten Biegung im Dunkeln verschwand, dann machte auch er kehrt und joggte langsam zur Bahnhaltestelle.

Wer bis hierhin durchgehalten hat, dem erzähle ich jetzt noch von meiner ersten Veröffentlichung. Quasi. Also eine Kurzgeschichte von mir ist in einem Kurzgeschichtenband erschienen und wer mag, darf sich diesen gerne auf den eReader seiner Wahl laden. Ist auch kostenlos. Hier geht es zum Sammellink zu allen Stores, die es führen. Und ich überlege, vielleicht auch mal gesammelt meine Geschichten zu “drucken”, oder vielleicht gesammelt alle, die hier beim Short-Story-Collab teilgenommen haben. Meinungen dazu?

Short Story Collab #15: Brücke

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SSC / Writing
bruecke

Thema für Juni: #16: Wegen zu wenig Beteiligung und Zeitmangel werde ich das Projekt (vorerst) einstellen.

Maibeiträge (Brücke):

Was ist das überhaupt?
Alle bisherigen Beiträge.

«Wer als erstes an der Brücke ist!», rief Rob über seine Schulter, während er bereits loslief.
Rob und Olli hatten wie immer an der Klippe gespielt, obwohl es Kindern verboten war. Oder gerade deshalb. Gab es eine universellere Wahrheit als die, dass von Erwachsenen Verbotenes eine magische Anziehungskraft auf alle Kinder und Jugendliche ausübte?
«Das ist nicht fair» brüllte Olli mit leicht quengelndem Unterton hinterher und sprintete ebenfalls in Richtung der geheimnisvollen Brücke, die an der Klippe begann und in die neblige Ungewissheit ragte. Was auf der anderen Seite war, vermochte niemand zu sagen. Die Alten erzählten zwar einige Geschichten, aber wie viel davon wahr war und was davon nur Ammenmärchen waren, die ihnen Angst machen sollten, vermochte Olli nicht zu sagen.
«Du hattest einen Vorsprung, das zählt nicht», stieß Olli hervor, während er aufholte.
«Ja und, du hast längere Beine als ich und bist schneller, heul nicht rum!»
Rob tat gut daran, mit faulen Tricks zu arbeiten, Olli war bei allen Sportarten stets der beste, ein Naturtalent, während Rob sich trotz ständigen Trainings immer im Mittelfeld bewegte. Während Rob noch über die Fairness von zufällig verteilten Fähigkeiten nachdachte, oder besser über das Fehlen derselbigen, zischte Olli mit herausgestreckter Brust und siegesgewissem Lächeln auf den Lippen an ihm vorbei. Als Rob endlich ankam, stand Olli provokant lässig an einen Brückenpfeiler gelehnt
Rob stütze die Hände auf seine Oberschenkel und versuchte, vornübergebeugt, zu Atem zu kommen. Dabei ignorierte er die bekannten Sprüche seines Freundes. Rob wusste, dass Olli nicht viel hatte, außer seiner sportlichen Überlegenheit, die ihm in wenigen Jahren einen sicheren Platz im Militärdienst garantierte, während auf Rob, der in allen Fächern Klassenbester war, ein ruhiger, und vor allem ungefährlicher, Schreibtischjob wartete.
«Ach Mist», zischte Olli, den Blick in die Ferne gerichtet.
«Hm?»
«Maria.» Read More

Short Story Collab #14: Rakete

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SSC / Writing
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Thema für April: #15: “Wird noch bekannt gegeben” (1. – 30. April) (Wurde in der Facebook-Gruppe abgestimmt)

Märzbeiträge (Rakete):

Was ist das überhaupt?
Alle bisherigen Beiträge.

Das elektronische Piepsen des Weckers riss Michael unsanft aus dem Schlaf, wie jeden Morgen knallte er mit der Stirn an die Decke seiner Schlafkoje.
»Fuck, jedes verdammte Mal.«
Er schwang die Beine über den Kojenrand und ließ sich fallen – er bewohnte die mittlere von drei der engen Schlafbereiche, die sich in jedem der 10qm kleinen Räume befanden. Müde wankte er zu dem winzigen Fenster an der Wand. Er war sich bis heute nicht ganz sicher, ob er sich wirklich freuen sollte, einen Raum mit Fenster bekommen zu haben. Das Privileg der ersten Passagiere der gigantischen Rakete, in der er sich befand. Der Ausblick bereitete ihm Unbehagen, vor seinem Fenster drehte sich langsam die gute alte Mutter Erde, die er vor rund 8 Jahren verlassen hatte. Aber all die Jahre in einem fensterlosen Raum hätte er noch weniger ertragen. Nicht wenige sind schon durchgedreht, manche halten es nur mit Pillen aus, einige andere haben sogar beschlossen, zurück zur Erde zu kehren. Doch für Michael war das keine Option, die einzige Zukunft existierte hier, die Rakete, das riesige Raumschiff, war die einzige Hoffnung der Menschheit. Die Erde war überfüllt, Wissenschaftler stritten sich, wie lange es noch gut gehen würde, nur über eines waren sie sich einig: nicht sehr lange. Statt einige wenige Auserwählte zum vor einigen Jahren entdeckten Planeten zu schicken, war der Plan, direkt eine Millionen Menschen auf einen Schlag umzusiedeln. Kein leichtes Unterfangen und gemessen am Ausmaß der Erdbevölkerung ein Tropfen auf den heißen Stein. Nach Fertigstellung soll die Weltraum-Arche fast 20 Jahre unterwegs sein, bis dahin liegt sie im Erdorbit vor Anker, wo sie vollendet und gleichzeitig besiedelt wird. Bei 10 Jahren Bauzeit hieß das, 2500 Personen mussten tagtäglich an Bord geschafft werden. Gleichzeitig mussten täglich neue Bereiche für ebensoviele Personen hinzugefügt und bewohnbar gemacht werden und die restliche Rakete vollendet werden. Erdacht war die Rakete nach einem cleveren Baukastensystem, zu dem immer wieder neue Bereiche hinzugefügt werden konnten. Trotz einiger Rückschläge war alles im Zeitrahmen und nun fast fertig, Michael konnte es kaum erwarten, auch wenn der Flug noch mal doppelt so lange dauern würde. Zwar gab es eine Art Kälteschlafkammer, aber auch hier war die Kapazität beschränkt und niemand durfte die volle Zeit im Kälteschlaf verbringen. Michael würde einen Großteil seines Lebens mit dieser Reise verbringen, um den Fortbestand der Menschheit zu gewährleisten. Aber wozu eigentlich? Diese Frage stellte er sich in letzter Zeit öfters. Warum war es so wichtig, dass die Menschheit überlebte? Was war es mit Menschen und ihrem Drang, über ihren Tod hinaus weiter existieren zu müssen? Einerseits war er froh, in der weltweiten Lotterie ausgewählt worden zu sein, andererseits wäre er auch gerne später dran gewesen. Und im Grunde könnte ihm das Schicksal der Erde egal sein. Er hatte keine Kinder und es war die Generation nach ihm, die es richtig schwer haben würde, für ihn würde es noch reichen. Andererseits liebte Michael es aber auch, im Weltall zu sein, Pionier zu sein, eine neue Welt zu entdecken. Das konnte er nicht abstreiten. Aber die Jahre im All, ohne überhaupt gestartet zu sein, hätte er sich gerne erspart. Wie gerne würde er noch einmal an einem echten Strand sitzen. Durch Gras laufen. Wind im Gesicht spüren. Hier gab es fast alles, aber keinen Wind. Keinen Regen. Er verließ seinen Wohnbereich, der aus kaum mehr als den Betten bestand und ging in Richtung Dusche. Als er die Schlange sah, überlegte er es sich allerdings anders und beschloss, erst zu frühstücken. Genug Zeit hatte er, bis seine Schicht begann. Doch als er den Aufenthaltsraum mit der Essensausgabe betrat, waren auch hier ungewöhnlich viele Menschen. Michael ging auf einen großgewachsenen, hageren Kerl zu, den er von der Arbeit kannte, dessen Name er sich aber nicht gemerkt hatte. Read More