Lesemonate März/April

Im März hab ich nicht beenden können, was ich gelesen habe, deshalb hab ich mir den Artikel gespart und jetzt gibt es das halt gesammelt.

mark_millar_civil_warMark Millar, Steve McNiven (Zeichnungen) – Civil War
208 Seiten
Comic/Graphic Novel (Superhelden)

Als Vorbereitung auf den Film (The First Avenger: Civil War) wollte ich Mark Millars Comic noch mal lesen, denn ja, ich glaubte, er Film beruhe auf eben dieser Vorlage des wohl meistverfilmten Comicautors (Wanted, Kingsman, Kick Ass, Kingsman II, Wanted II, Kick Ass II und bald dann noch Chrononauts und Starlight). Tatsächlich wird er als “Special Thanks” gelistet und auch in der imdb als Autor der Vorlage genannt, inhaltlich gab es aber überhaupt keine Parallelen. Zu Civil War schreibe ich vielleicht noch mal separat was, ich hab schon viel zu lange keine Film-Review mehr verfasst. Die Bücher von Millar sind immer etwas abgedreht und übertrieben, oft sehr brutal, trotzdem macht sein Civil War Spaß und da gibt es auch wirklich einen Civil War, der Film hätte ja eher “Winter Soldier 2” heißen sollen.

mark_millar_chrononautsMark Millar, Sean Murphy (Zeichnungen) – Chrononauts
120 Seiten
Comic/Graphic Novel (Zeitreisen, Humor)

Die beiden Hitzköpfe Corbin Quinn und Danny Reilly sind hochintelligent, erfinden Anzüge, mit denen man durch die Zeit reisen kann, mit denen sie ganz andere Dinge vorhaben, als die Regierung, für die sie die Anzüge hergestellt haben. Erst haut einer der beiden ab, dann geht der andere hinterher, um ihn zurückzuholen. Doch schon bald sind beide viel zu sehr damit beschäftigt, durch alle Epochen zu springen und sich wie Götter zu fühlen, Kriege mit modernen Mitteln zu unterstützen oder dank zukünftigem Wissen in Reichtum zu schwimmen und generell allerlei Unfug zu treiben. Die Auswirkungen könnten natürlich fatal sein, weshalb die Regierung aus der Gegenwart sich schon bald auf die Jagd nach den beiden abtrünnigen Zeitreisenden macht.

jesper_juul_videospiele_scheiternJesper Juul – Warum wir Videospiele lieben, obwohl wir immer verlieren
150 Seiten
wissenschaftliches Essay über Videogames

Spannende Thesen, aber insgesamt etwas zu sehr in die Länge gezogen und liest sich mehr wie eine wissenschaftliche Arbeit, hätte etwas unterhaltsamer geschrieben sein können. Trotzdem: Leseempfehlung für alle, die an Videospielen interessiert sind. Man kann auch ein wenig querlesen und sich die interessanten Stellen rauspicken.

Kai Meyer - Nachtland - CoverKai Meyer – Nachtland (Die Seiten der Welt, #2)
592 Seiten
Roman, Fantasy/Young Adult

Fast ein Jahr habe ich für den zweiten Teil der “Seiten der Welt”-Trilogie gebraucht. Zu Beginn fand ich es sehr uninteressant, die Neuerungen wie die Buch-Hoverboards und die neuen Figuren, die für mich alle austauschbar waren fand ich störend. Gegen Ende hat dann die Neugier überwogen, ich wollte wissen, wie es weitergeht. Die Figuren bleiben bis zum Ende etwas eindimensional, was etwas schade ist. Dafür wird nicht mit spannenden Wendungen gegeizt; Band 3 werde ich mir nun direkt kaufen und dann hoffentlich etwas schnell durchlesen. (Hab nicht wirklich 8 Monate gebraucht, sondern direkt am Anfang abgebrochen und vor kurzem dann wieder angefangen, um vor Band 3 fertig zu sein)

Kai Meyer - Blutbuch - CoverKai Meyer – Blutbuch (Die Seiten der Welt, #3)
523 Seiten
Roman, Fantasy/Young Adult

Viel besser als die Vorgänger, man sieht leider, wie Kai Meyer sich durch die Bücher gehetzt hat und erst im dritten selbst so richtig in den Seiten der Welt angekommen ist. (Die Rechtschreibfehler in allen drei Büchern verstärken den Eindruck noch, dass es alles schnell gehen musste.)
Die Figuren bleiben auch hier eher eindimensional und manche werden über längere Zeit vergessen, was etwas schade ist. Dennoch ist Blutbuch definitiv das beste Buch der Reihe und ein würdiger Abschluss. Beim zweiten Teil hab ich mit vielen Unterbrechungen fast ein Jahr gebraucht, das hier hat sich flott gelesen (ja, 3 Wochen ist flott, wenn man ausschließlich auf dem Arbeitsweg liest). Bin auf jeden Fall gespannt, was Kai als nächstes schreiben wird, das neue Buch ist ja bereits angekündigt.

Ferner liefen:

Lustiges Taschenbuch Nr. 478: Weltweit im Einsatz
Lustiges Taschenbuch Nr. 479: Führerschein
Lustiges Taschenbuch Nr. 480: Der Burgermeister von Entenhausen
Claire Belton – I Am Pusheen The Cat (absolut süß und toll und überhaupt!)

Zu meinem Goodreads-Profil

Gestern angefangen habe ich:

Joseph Fink, Jeffrey Cranor – Welcome To Night Vale
Welcome To NIght Vale

Filme

Zootopia
Lebt von den Charakteren und den vielen kleinen Witzen und Anspielungen, alles in allem ganz lustig und unterhaltsam. Im Großen und Ganzen aber wenig einfallsreich und diese ganze “Moral von der Geschicht” hätte man sich sparen können. Wie gesagt, ganz unterhaltsam, aber ich glaube, der Wiederguckwert geht hier gegen 0, die Fortsetzung kommt aber bestimmt.

Ratchet & Clank
Naja, nett gemeint, bleibt aber den ganzen Film über recht flach und langweilig. Vielleicht für Hardcore-Fans der Spiele, die werden für den albernen Film zu alt sein.

The First Avenger: Civil War
Ich habe Ultron nicht gesehen, ich habe Ant-Man nicht gesehen und zumindest ohne Ultron fehlte hier nötiges Wissen. Ansonsten wie alle Avengers/Marvel-Filme: viele “coole” Sprüche, viel Gekloppe, wenig Handlung und blasse Bösewichte. Trotzdem einer der besseren aus der Reihe und mit einem sehr sympathischen Spider-Man, auch wenn der etwas plump in die Story reingeschrieben wurde.

Serien

160324_PV_The Night Manager_S1_0_   2016 AMC
The Night Manager
Boah! Nur angefangen, weil ich was auf Amazon Instant Video brauchte, wegen der Offline-Funktion, kann Netflix ja nicht. (Doofes Netflix) Und was soll ich sagen? Hab das in 2 Tagen durchgeschaut und das mache ich sonst wirklich nie. Es geht hier um den Ex-Soldaten Jonathen Pine (Hiddleston) der in Kairo als Nachtmanager in einem Hotel arbeitet. Die Freundin eines lokalen Gangsters gibt ihm ein paar Dokumente, in denen es um Waffenhandel geht und überall steckt der öffentlich als “Menschenfreund” und Philanthrop auftretende Richard Roper (Hugh Laurie) hinter. Pine wechselt in ein schweizer Hotel, wo er Roper zufällig wieder trifft. Er sieht hier die Chance, etwas gegen den Waffenhändler zu tun und kontaktiert Angela Burr, eine Agentin, mit der er wegen der Dokumente schon verhandelt hatte (Olivia Colman aus Broadchurch). Beide arbeiten einen Plan aus, wie man ihn in die Organisation einschleusen kann. Schwierig nur: die Vorgesetzten von Burr in London scheinen alle nicht ganz unwissend zu sein und stecken vielleicht mit Roper unter einer Decke. Es beginnt ein Katz-und-Maus-Spiel.

Sehr spannend und glaubwürdig gemacht, besser als die ganzen letzten James-Bond-Filme. The Night Manager beruht auf dem gleichnamigen Roman von John le Carré. Gibt’s kostenlos bei Amazon Prime.

Lesemonat Februar

Der Februar war kein guter Lesemonat für mich. Gerade mal ein Buch habe ich angefangen und beendet.

Ryan Britt: Luke Skywalker Can't ReadRyan Britt – Luke Skywalker Can’t Read: And Other Geeky Truths
224 Seiten
Popkultur, Essay-Sammlung

Ryan Britt ist ein Geek, schon immer gewesen. Sei es Star Trek, Star Wars, Doctor Who, Herr der Ringe, Narnia, Ghostbusters – kein Bereich bleibt unbesprochen. In den einzelnen Essays geht es um Themen, wie das Nichtvorhandensein von Büchern in fast allen Sci-Fi- oder Fantasy-Geschichten – niemand in Star Wars liest oder schreibt jemals etwas, in Narnia liest niemand und selbst im Herrn der Ringe ist Literatur nur etwas für sonderbare Hobbits und alte Zauberer. Andere Kapitel befassen sich mit der einseitigen Darstellung von Robotern – fast immer als Frankenstein-Analogie – Mensch erschafft Roboter, Roboter lehnt sich gegen Mensch auf. Oder: Warum ist Sherlock Holmes der ultimative Sci-Fi-Held? Wieso ist Dracula erst durch Bela Lugosi (und seine engen Hosen) cool geworden? Wieso finden wir Remakes von Hamlet okay, bei allen anderen Remakes gehen wir aber sofort auf die Barrikaden? (Hust hust, Ghostbusters hust)
Gehört Star Wars uns allen und nicht George Lucas und dürfen wir ihn deshalb kritisieren? Sind die Tannens in “Zurück in die Zukunft” ein Zeit-Paradoxon oder wieso existiert immer nur jede zweite Generation und niemand hat Eltern? Und wäre unsere Welt anders (schlechter), hätte es Frodo nie gegeben? Diese und viele andere Fragen versucht Ryan Britt zu beantworten und er tut das höchst eloquent und humorvoll. Die Sprache ist nicht immer ganz leicht und nicht alle Referenzen konnte ich zuordnen (wer hat schon “Barbarella” gesehen? Richtig, niemand.), dennoch kann ich dieses Buch nur jedem ans Herz legen. Ach und ein Tipp: es gibt hier sehr viele Fußnoten, die teilweise über mehrere Seiten gehen, kauft euch lieber eine Print-Ausgabe, kann mir nicht vorstellen, wie das als ebook funktioniert.

Gelesen habe ich sonst nichts im Februar. Dafür habe ich 5 Filme gesehen (Deadpool, Inside Out, Exposed, Crouching Tiger, Hidden Dragon: Sword of Destiny und Fantastic Four), war aber von keinem 100% begeistert und zwei davon waren sogar richtig doof. (Fantastic Four und Exposed. Trotz Keanu Reeves)
Inside Out war mal wieder das typische “Person A und B müssen von Ort X nach Ort Y reisen und erleben dabei Abenteuer und treffen Leute”-Ding. Vergleicht den Plot mal mit “Findet Nemo”, exakt das gleiche. Und alles was “außen” passiert hat Auswirkungen auf “innen”, aber nicht umgekehrt, das fand ich verwirrend. Und was wäre, wenn “Joy” und “Sadness” gestorben wären? Und wieso gerade “Disgust” als eine der fünf(?) Haupt-Emotionen? Viele fanden den Film wohl sehr toll und er hat ja sogar einen Oscar gewonnen, ich fand, er hat sich nichts getraut und war zu sehr Schema F, was Erzählweise und Plot angeht. Das beste waren die Katzen im Abspann.

Zu Crouching Tiger, Hidden Dragon: Sword of Destiny möchte ich auch noch ein paar Worte verlieren. Als Martial-Arts-Fan kenne ich natürlich den Film von Ang Lee, der bei mir zusammen mit “Hero” ganz oben auf meiner Top-Liste steht. Deshalb musste ich auch in den neuen Film ansehen, den es übrigens exklusiv auf Netflix gibt. Er kam nicht ans Original heran, aber das konnte man wohl auch nicht erwarten. Die Choreographie der Kämpfe ist nicht ganz so aufwendig und generell wurde mehr mit CGI gelöst, was ich immer ein wenig schade finde. Trotzdem hat es mich gefreut, mal wieder ein paar Wire-Fu-Kämpfe zu sehen. Michelle Yeoh ist wieder dabei, die restlichen Darsteller des Originalfilms hatten keine Lust. Hinzugekommen sind Donnie Yen (Ip Man), Harry Shum Jr. aus Glee, Jason Scott Lee und mit Natasha Liu Bordizzo einen recht guten Ersatz für Zhang Ziyi (nicht die gleiche Rolle, aber auch wieder eine junge Schülerin).
Ich hatte erst gedacht, Netflix habe eine Serie aus Tiger & Dragon gemacht. Ich vergesse immer, dass die ja auch Filme produzieren. Ich habe auf jeden Fall schon sehr viel schlechteres gesehen, besonders im Martial-Arts-Bereich. Der Film ist kein Meisterwerk, aber durchaus nett anzusehen, mit schönen Kämpfen und ebenso schönen Natur-Aufnahmen. Schauts euch an, wenn euch sowas interessiert und ihr Netflix habt.

Gespielt habe ich tatsächlich auch mal wieder was, und sogar beendet. Im Februar habe ich das wunderschöne Firewatch gespielt, spielt das unbedingt, wenn ihr die Chance dazu habt. Oder – da es eh immer fast gleich ist – guckt euch ein Let’s Play an.

So, das war’s erstmal, nächsten Monat habe ich hoffentlich mehr zu erzählen.

Lesemonat Januar

Mehr lesen, mehr schreiben, mehr bloggen. 2016 ist das Jahr des “mehr”. Vielleicht fahre ich sogar mal ans Meer? Wer weiß, was das Jahr noch so bringt. Aber genug der Kalauer, es ist zwar fast Karneval, aber das hat ja hier nichts verloren.

Mein Ziel mit dieser Reihe ist es, mich zum Lesen zu motivieren und gleichzeitig etwas mehr über Gelesenes zu reflektieren. Momentan halte ich zwar alles bei Goodreads fest, aber das ist ja nur eine reine Chronik und viele sind dort gar nicht angemeldet. “Geklaut” habe ich die Idee diese Artikelreihe übrigens bei Maja, schaut ruhig auch mal bei ihr vorbei.

2015 endete damit, dass meine geliebte Lustiges-Taschenbuch-App still und heimlich eingestellt wurde. Immer wieder kamen die Ausgaben zu spät, immer wieder hab ich nachgefragt und keine Antwort bekommen. Community-management, Social Media und Kundenbetreuung kann der Egmont Ehapa Verlag leider gar nicht. Mehrmals per Mail, mehrmals auf Facebook, auf Twitter, in den Bewertungen bei iTunes – es gab einfach nie eine Reaktion. Die letzte Ausgabe des Lustigen Taschenbuchs kam dann einfach gar nicht mehr in der App. Na toll, dachte ich mir. Dafür kann man sie jetzt in iBooks kaufen, immerhin ein schwacher Trost. Ob alle meine alten Ausgaben weiterhin im Archiv und runterladbar sind, steht in den Sternen, vermutlich ist alles weg, wenn die App endgültig eingestampft wird. Alles in iBooks neu kaufen werde ich sicherlich nicht. Wie dem auch sei, das hat dazu geführt, dass ich diesen Monat 2 Ausgaben LTB gelesen habe.

rod_junkins_art_of_creative_thinkingRod Judkins – The Art of Creative Thinking
281 Seiten
Ratgeber/Lebenshilfe/Inspiration

Ich kann gar nicht sagen, warum ich dieses Buch mitgenommen habe, aber der Titel und das Cover (ich hab eine andere Ausgabe) sprach mich einfach an. Über den Autor: “Rod Judkins is an accomplished lecturer at Central St Martin’s, one of the world’s pre-eminent art schools whose alumni – ranging from artists like Lucien Freud, Gilbert & George and Antony Gormley through to the designers Stella McCartney, Sarah Burton and Alexander McQueen – have helped shape our culture. Judkins has lectured on the subject of creativity at universities and to businesses around the world.” Junkins schult kreative Menschen (ja, das geht) und unterstützt Unternehmen dabei, Arbeitsabläufe zu verbessern. In The Art of Creative Thinking erzählt er in vielen kurzen Artikeln (die querbeet gelesen werden sollen), wie man seine Kreativität freilegt. Anhand zahlreicher Beispiele aus seinen eigenen Erfahrungen oder aus der Weltgeschichte – Michelangelo, JK Rowling, Andy Warhol, Thomas Edison und viele mehr – erklärt er, was kreative Menschen ausmacht, wie jeder davon profitieren kann, mehr auf seine kreative Ader zu hören und vor allem, dass und wie jeder Mensch kreativ sein kann und wie unsere Gesellschaft, unser Schulsystem und unsere Jobs uns daran hindern, unser kreatives Potential zu entwickeln. Ich bin niemand, der viele Selbsthilfebücher liest, ganz im Gegenteil, aber dieses Buch ist einfach großartig und man kann fast jeden Satz unterstreichen, in jedem Kapitel gibt es Zeilen, die man sich am liebsten auf die Bürowand malen möchte.
Meiner Meinung nach kann jeder positive Lehren aus diesem Buch, aus dieser Ansammlung von Erfahrungsschätzen kreativer Menschen ziehen, egal in welcher Branche man arbeitet oder wofür man sich in seiner Freizeit interessiert. Solltet ihr nur ein Buch dieses Jahr lesen, lest Rod Judkins’ The Art of Creative Thinking!

Terry Pratchett - The Shepherd's CrownTerry Pratchett – The Shepherd’s Crown
352 Seiten
Fantasy/Humor

Bereits im Oktober angefangen, im Januar erst beendet. Stilistisch hat es einige Schwächen, darauf möchte ich gar nicht eingehen. The Shepherd’s Crown ist Terry Pratchetts letztes Buch, der letzte Scheibenwelt-Roman, der jemals veröffentlicht wurde. Sir Terry, mit Abstand mein Lieblingsautor und eine Person – obwohl ich ihn nie persönlich kennen lernen durfte – die mich als junger Erwachsener am meisten beeinflusst hat. Auf die stilistischen Schwächen möchte ich nicht eingehen, weil Terry vor Beenden des Romans an seinem Alzheimer-Leiden verstorben ist und sein Assistent Rob Willkins (dem Pratchett die letzten Jahre diktiert hatte, da er selbst nicht mehr schreiben konnte) die Geschichte beendet bzw. die Fragmente in eine Reihenfolge gebracht hat. Ich mag die Geschichten um die Hexen nicht so sehr, diese muss man aber schon deshalb lesen, weil sie viel persönliches beinhaltet. Pratchett wusste, dass er stirbt und auch in der Geschichte stirbt eine wichtige Person; ich habe da viel biographisches und Botschaften an seine Tochter in den Gesprächen zwischen der sterbenden Person und der Person, die in ihre Fußstapfen tritt, entdeckt. Das und das Nachwort hat mir einige Male feuchte Augen beschert. Wenn ihr die Scheibenwelt nicht kennt, könnt ihr mit dem Buch aber vermutlich nicht viel anfangen, es ist auch bei weitem nicht das beste aus der Reihe.

Ian Doescher Shakespeare's Star Wars: The Tragedy of the Sith's RevengeWilliam Shakespeare’s Tragedy of the Sith’s Revenge: Star Wars Part the Third (William Shakespeare’s Star Wars, Band 3)
168 Seiten
Sci-Fi, Klassik

Sechster und vorerst letzter Band von Ian Doeschers Star-Wars-Nacherzählung im Shakespeare-Stil. Wie auch die anderen 5 Bände ist Episode 3 witzig und einfallsreich geschrieben. Doescher benutzt klassische Stilmittel Shakespeares und wendet sie passend auf die Star-Wars-Story an. Jar Jar Binks ist zum Beispiel der Narr, der in Wirklichkeit doch alles durchblickt, R2-D2 führt ausführliche Monologe, Paare sprechen wie bei Shakespeare so, dass sich ihre Dialoge reimen – zumindest so lange, wie sie zusammen und glücklich sind. Yoda spricht in Haiku-Form, weil… ja, einfach so, damit er heraussticht und Darth Plagious’ Gechichte wird in Form eine Theaterstücks im Stück erzählt. Es gibt hier vieles zu entdecken und im Nachwort wird vieles für Laien noch einmal erklärt. Nicht der stärkste Band der Reihe, die endlosen Dialoge zwischen Anakin und Padme nervten mich auf Dauer, dennoch gehören die 6 Star-Wars-Bände im Shakespeare-Stil zu den geistreichsten und innovativsten Büchern, die ich in den letzten Jahren gelesen habe. Es ist was faul im Staate Coruscant!

Ferner liefen:
Lustiges Taschenbuch Nr. 475: Gefährliche Galaxien
Lustiges Taschenbuch Nr. 476: Der unverfrorene Schneemann
Assassination Classroom 9
Kleine Katze Chi 8

BuchSaiten BlogParade 2015

BSBP15

Hier ist es – mal wieder – etwas stiller geworden. Schuld war unter anderem der #NaNoWriMo, aber auch meine übliche Planlosigkeit, was ich mit dem Blog hier genau anstellen möchte. Ich denke, 2016 wird das Jahr, in dem ich wieder regelmäßig bloggen werde. Mal sehen, wie sehr ich das beibehalte 🙂

Da es hier in letzter Zeit fast nur um Kurzgeschichten/Schreiben ging (habt ihr meine Kurzgeschichte in dieser Kurzgeschichtensammlung entdeckt?) passt eine Blogparade, bei der es um die Bücher des Jahres geht, doch super ins Konzept. Die liebe Katrin hat wieder zu einem literarischen Jahresrückblick aufgerufen, los geht’s.

Welches war das Buch in diesem Jahr, von dem ich mir wenig versprochen habe, das mich dann aber positiv überrascht hat? (und Begründung)

Welches war das Buch in diesem Jahr, von dem ich mir viel versprochen habe, das mich dann aber negativ überrascht hat? (und Begründung)
Definitiv Armada von Ernest Cline. Viel versprochen hatte ich mir davon, weil Ready Player One großartig war. Armada strotzte leider nicht vor Innovation und bot eher flache Charaktere und einen vorhersehbaren, langweiligen Plot. Schade. (Zum Armada-Review von mir)
Welches war eure persönliche Autoren-Neuentdeckung in diesem Jahr und warum?
Ich schätze, das war Ian Doescher mit seinen Star-Wars-Büchern im Shakespeare-Stil. Sehr witzig, unterhaltsam und kurzweilig. Tolle Idee, super umgesetzt. Band 6 (Episode 3) ist gerade auf Englisch erschienen, hab ich mir aber noch nicht geholt, da ich zu viele Bücher noch unbeendet hier liegen habe.
Welches war euer Lieblings-Cover in diesem Jahr und warum?
Kann ich gar nicht sagen. Don’t judge a book by its cover. Da hab ich tatsächlich auch meist schlechte Erfahrungen mit gemacht und oft verbergen sich hinter schönen Covern die schlechtesten Bücher. Es gab ein paar Cover, an denen ich immer wieder im Vorbeigehen hängen geblieben bin, aber die Bücher haben mich nicht interessiert. Die generischen Young-Adult-Bücher mit immer gleicher Story haben (leider) oft ziemlich schöne Cover.

(Nachtrag: Ian Doescher habe ich letztes Jahr schon genannt, da hab ich mich wohl im Jahr vertan.)

Welches Buch wollt ihr unbedingt in 2016 lesen und warum?

Eigentlich plane ich das nicht. Ich hoffe mal, 2016 wird ein neuer A Song of Ice and Fire erscheinen. Bei meinem Tempo wird mich das 1-2 Monate beschäftigen. Scheibenwelt-Romane wird es nie wieder geben, dennoch gibt es immer wieder neues Lesefutter von Terry Pratchett, das wird alles verschlungen. Ansonsten werde ich versuchen, mehr zu schreiben, was ich nur kann, wenn ich gerade nichts lese.

Mein Year in Books bei Goodreads sieht mal wieder viel zu mager aus. Irgendwann schaffe ich es auch, mehr zu lesen.

Wollt ihr auch mitmachen? Noch bis zum 6. Januar könnt ihr an der #BSBP teilnehmen.

Kurzgeschichte: Nachts im Park

Es war schon düster, als Alex in seine neon-orangen Laufschuhe schlüpfte, die Tür hinter sich zuzog und mit federndem Schritt die Treppe hinunter eilte. Wirkliche Lust hatte er nicht, eigentlich war es auch schon viel zu spät zum Laufen. Aber erst hatte es begonnen zu regnen und dann musste er noch 2,3 Youtube-Videos schauen. Jetzt war es fast 9, regnete noch immer – was ihn eigentlich gar nicht so sehr störte – und es war schon richtig dunkel – was ihm tatsächlich nicht so gefiel. Er lief immer im Park nebenan und da war die Beleuchtung eh nicht so super, der Gedanke an Wurzeln im Boden, die ihn zu Fall brachten, ließen Alex fast wieder umkehren. Ein umgeknickter Knöchel musste ja wirklich nicht sein.
“Schluss, genug mit den Ausreden, du läufst jetzt, auch wenn es nur eine kleine Runde ist.”
Jaja, verdammt, es stimmte ja, wenn er jetzt seine Routine unterbrach, würde er in ein paar Wochen gar nicht mehr joggen.
Alex zog die Haustüre ins Schloss, sich die Kapuze in die Stirn und trat in den Regen hinaus. Während er gemächlich in Richtung Park ging, schob er den Schlüssel in die kleine Tasche der Laufshorts, die er über der langen Hose trug und startete seine Laufapp am Handy, dass er etwas umständlich um seinen Ärmel geschnallt hatte. Alex hätte jetzt loslaufen können, doch er wartete meist, bis er im Park war. Davor gab es Ampeln und Passanten, die komisch schauten. Bei dem Regen vielleicht nicht und wahrscheinlich bildete er sich das auch sonst nur ein, dennoch fühlte er sich erst im Park wohl, zusammen mit den zahlreichen anderen Joggern. Wobei auch diese jetzt nicht unterwegs sein würden.
Jetzt noch eine Ampel, eine nach Urin müffelnde S-Bahn-Unterführung und es ging los. Alles in Alex sträubte sich, aber er wusste, sobald er loslief, wäre das vergessen. Und besonders mit dem Regen wäre der Stolz und die Befriedigung im Anschluss umso größer. Er beschleunigte seinen Schritt in der Unterführung, sah schon das orange Licht der Parklaternen in der Ferne und die Regentropfen, wie sie im Lichtkegel tanzten. Er lief langsam los.

Üblicherweise hörte Alex beim Laufen seine Playlist, die er sich eigens dafür zusammengestellt hatte – mit dem passenden Beat im Ohr lief es sich einfach besser. Im Dunkeln behagte es ihm allerdings gar nicht und er nutzte lieber alle ihm zur Verfügung stehenden Sinne, um die Umgebung abzutasten. So lauschte er seinem Atem, seinen Schritten und dem leichten Nieseln des feinen Regens. Er wählte den linken Weg, der ihn um den See, der rechts von ihm im Dunkeln lag, herum führte, überquerte aber direkt die erste Holzbrücke, die ihn in den inneren Teil des Parks brachte. Hier war es zwar noch dunkler, dafür war der Boden asphaltiert und nicht so matschig, wie auf dem äußeren Weg. Bäume säumten rechts und links den Pfad, einige wenige Laternen boten etwas Beleuchtung.
Alex erhöhte sein Tempo erneut. Eine kleine Runde genügte ihm heute, kein Grund also, seine Kräfte zu sparen. Hauptsache der innere Schweinehund war besiegt und das Gewissen beruhigt. Der Weg, dem Alex folgte, machte eine leichte Biegung nach rechts, am Ende kreuzte er einen weiteren, der aus dem Inneren des Parks von rechts auf seinen traf. Schnelle Schritte kamen von dort auf Alex zu, begleitet von einem hüpfenden Schatten, der einige Meter vor Alex in den gleichen Weg einbog. Im Lichtkegel der nächsten Laterne vernahm er die Umrisse einer Joggerin in kurzer Sporthose und langem Laufshirt mit reflektierenden Streifen. Ihr Pferdeschwanz wippte im Rhythmus ihrer Schritte. Alex fiel unbewusst ihn ihr Tempo ein, das ihm eigentlich zu hoch war, was er bereits nach wenigen Minuten zu spüren bekam. Dennoch hielt er weiterhin Schritt mit der unbekannten Läuferin.

Nach kurzer Zeit kamen ihm Bedenken. Er wusste um das ungute Gefühl, wenn er selbst jemanden nachts auf der Straße hinter sich gehen hörte. Eigentlich immer entpuppte es sich als Einbildung, doch das Unwohlsein, wenn eine andere Person scheinbar dauerhaft an den eigenen Fersen klebte, war immer wieder gleich. War er die hintere Person, gab er sich meist Mühe, möglichst unbedrohlich zu wirken. Jetzt lief er hier in diesem dunklen Park seit geraumer Zeit – in Wirklichkeit waren wohl erst wenige Minuten vergangen – hinter einer Joggerin her. Oder zumindest hinter ihr. Was sie wohl denken mochte, mit seinen Schritten im Nacken?
War sie aufs Laufen konzentriert und bekam nichts um sich herum mit? Fragte sie sich, wer da hinter ihr lief, bereitete sich im Kopf gar schon auf alle möglichen Szenarien vor, das Pfefferspray schon in der einen, den Schlüsselbund in der anderen Hand? Vermutlich ärgerte auch sie sich, nicht früher bei mehr Licht laufen gegangen zu sein.
“Wahrscheinlich dachte sie gar nichts und lief einfach. Nicht jeder macht sich wegen jeder Situation so viele Gedanken! Vielleicht hatte sie dich gar nicht bemerkt!”, versuchte Alex sich einzureden, doch er glaubte sich selbst nicht. Natürlich hatte sie das. Er überlegte, was er tun konnte, um die Situation zu entschärfen. Er konnte versuchen, sie zu überholen. Einmal vor ihr, würde sie sehen, dass er nur ein anderer Jogger mit zufällig derselben Strecke war.
“Oder sie hört, wie du schneller wirst und passt ihr Tempo an, aus Angst, weil du näher kommst. Und dann? Du kannst doch schon jetzt kaum noch!” Guter Punkt, dachte Alex. Langsamer werden oder eine Abzweigung nehmen, wären noch Optionen.
Viel Zeit blieb allerdings nicht mehr, ein Stück weiter vorne kam eine große Kurve um den See herum, links und rechts Bäume und keine einzige funktionierende Laterne, wie Alex sich von seiner letzten Runde erinnerte und eine Abzweigung kam auch nicht mehr. Was tun?
Er schaute noch einmal auf den Zopf, der einige Meter vor ihm auf und ab hüpfte, dann kam er zum Stehen, Hände in die Oberschenkel gestemmt und nach Luft ringend. Er hätte einfach in seinem Tempo bleiben können, dann wäre sie ihm längst davon gelaufen.
“Hey,” höre Alex eine weibliche Stimme durch das Pochen in seinen Ohren sagen. “Alles okay?”
Er schaute hoch in das junge, hübsche, von schweißnassen, dunkeln Strähnen umrahmte Gesicht der Joggerin, die er bis eben nur von hinten gesehen hatte.
“Ja,” krächzte er, räusperte sich und versuchte es erneut. “Ja, alles gut. Krieg nur so schwer Luft bei der Kälte.
“Oh, na dafür hast du aber gut mitgehalten, warst ja die ganze Zeit hinter mir.” In ihrer Stimme war kein Vorwurf erkennbar. “Ein Stück zurück und dann rechts kommst du raus, da hält direkt die Bahn… vielleicht solltest du für heute erstmal Pause machen.”
“Gute Idee. Hab zwar kein Ticket, aber sind auch nur zwei Haltestellen. Das werd ich machen.”
“Super, dann liegst du hier also nicht ohnmächtig in der Ecke, wenn ich auf der nächsten Runde vorbeikomme.” Sie zwinkerte Alex zu, lächelte, drehte sich um und lief los. Alex sah noch zu, wie der wippende Pferdeschwanz sich entfernte und hinter der nächsten Biegung im Dunkeln verschwand, dann machte auch er kehrt und joggte langsam zur Bahnhaltestelle.

Wer bis hierhin durchgehalten hat, dem erzähle ich jetzt noch von meiner ersten Veröffentlichung. Quasi. Also eine Kurzgeschichte von mir ist in einem Kurzgeschichtenband erschienen und wer mag, darf sich diesen gerne auf den eReader seiner Wahl laden. Ist auch kostenlos. Hier geht es zum Sammellink zu allen Stores, die es führen. Und ich überlege, vielleicht auch mal gesammelt meine Geschichten zu “drucken”, oder vielleicht gesammelt alle, die hier beim Short-Story-Collab teilgenommen haben. Meinungen dazu?