Short Story Collab #10: Horror

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SSC / Writing
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Thema für Dezember : #11: “Familie” (1. – 31. Dezember) (Wurde in der Facebook-Gruppe abgestimmt)

Novemberbeiträge (Horror):

Marcel
Bibi
Katta
Steffi

Was ist das überhaupt?
Alle bisherigen Beiträge.

Manchmal kommen Ideen ganz schnell, stellen sich am Ende aber als komplett unbrauchbar heraus. Manchmal ist es das genaue Gegenteil. Manchmal schreibt man und denkt mittendrin: “Mist, das kappt doch alles hinten und vorne nicht”. So auch hier. Nach 1000 Worten dachte ich, ich bräuchte noch mindestens 5000, um meine geplante Geschichte zu beenden, als sich unerwartet ein anderes Ende präsentierte, als ich geplant hatte. So richtig zum Thema passt es wohl nicht, aber letztendlich ist das ja gar nicht so wichtig.

Mein Beitrag zum Oktober-Thema “Horror”:

3 Tage ist es schon her!“ Jack lief aufgeregt auf und ab. „3 Tage, seit Kramer mit unserem letzten funktionierenden Schneemobil zur Basisstation losgezogen ist. 3 Tage und nichts. Keine Nachricht, kein Rettungstrupp, gar nichts. Stattdessen sitzen wir in dieser Blechbüchse fest und warten ab, was uns zuerst tötet – Hunger oder Kälte.“ Jack war sichtlich außer sich.
„Reg dich ab, Jack“ Minho war äußerlich wie immer die Ruhe selbst. „Beruhig dich, am Ende tötet dich noch dein altes Herz und die Jungs von der Basisstation müssen deinen kalten Körper hier raustragen, wenn sie ankommen.“
„Niemand wird kommen.“ Ren zog an ihrer Zigarette, was ihr Gesicht in der dunklen Ecke, in der sie abseits von der Gruppe saß, erhellte. Das kurze Aufleuchten tauchte ihr Gesicht in ein gespenstisches Licht, als würden sie um ein Lagerfeuer herum sitzend Horrorgeschichten erzählen und sich eine Taschenlampe unter das Gesicht halten, um den gruseligen Worten Nachdruck zu verleihen.
„Wir haben unser Todesurteil unterschrieben, als wir Kramer mit dem Schneemobil losschickten. Niemand wird kommen und wir werden hier verrecken.“
Minho war genervt. Er mochte Ren nie besonders, aber ihre negative Einstellung half niemandem weiter. „Und was hätten wir deiner Meinung nach machen sollen?“ wollte Minho wissen. Seine Stimme hatte eindeutig von der Ruhe eingebüßt, aber er gab sich Mühe. Irgendwer musste ja einen kühlen Kopf behalten. „Nur eine Person passt auf das Mobil, wir hätten niemals alle zusammen fahren können.“
„Ihr hättet mich schicken sollen, statt den Nichtsnutz Kramer“, fauchte Ren aus ihrer Ecke. „Der Trottel hat es vermutlich geschafft, das Mobil gegen den einzigen Baum in der gesamten Arktis zu fahren. Oder er hat uns einfach im Stich gelassen und macht sich irgendwo einen schönen Tag.“
„Ren hat Recht“, warf Jack ein. „Wir hätten das niemals auslosen dürfen.“
„Und jetzt beruhigen wir uns alle erstmal ein bisschen.“ Minho spürte, wie sich ein stechender Schmerz in seinem Kopf breit machte. „Sich aufzuregen bringt uns auch nicht weiter; wir brauchen Lösungen. Wenn Kramer die Basisstation nicht erreicht hat, müssen wir uns was überlegen und zwar schnell!“
„Und wer hat dich zum Chef gemacht?“ wollte Ren wissen?
„Genau?! Seit wir auf dich hören geht hier alles den Bach runter!“, warf Jack ein.
„Den Bach runter? Den Bach geht alles runter, seit unsere Vorräte zur Neige gehen und der Kontakt zur Basisstation abgebrochen ist.“
„Aber die Idee, Kramer loszuschicken, die war von dir!“ Jacks Kopf war mittlerweile hochrot.
„Und was wäre dein Vorschlag gewesen?“ Minho wollte es nicht aufgeben, rational zu argumentieren, aber die beiden trieben ihn auf die Palme. Er hielt hier alles zusammen, überlegte sich Lösungen, rationierte die Nahrung. Alles, um ihr Überleben zu sichern, und wie dankten sie es ihm? „Hätten wir alle zusammen losziehen sollen? Wir wären nach der halben Strecke erfroren. Oder verhungert.“
„Wir verhungern auch hier, macht keinen Unterschied!“
Minho rieb sich die Schläfen. Dass er die letzten 2 Tage nur eine Dosensuppe, zwei Toast und etwas Dörrfleisch gegessen hatte, half ihm nicht gerade dabei, sich zu konzentrieren. Er hasste Dörrfleisch. Alle hassten es, aber er hatte sich die Ration zugeteilt, damit die anderen es nicht essen mussten. Aber statt ihm zu danken, warfen sie ihm vor, Essen zu sammeln und sich selbst größere Rationen zu geben. „Wir können jetzt noch den ganzen Abend und die ganze Nacht diskutieren, ändern wird das nichts an unserer Situation. Heute Nacht können wir eh nichts mehr ausrichten. Wenn wir morgen nichts gehört haben, müssen wir davon ausgehen, dass Kramer es nicht geschafft hat. Dann sehen wir weiter.“
„Was sollen wir denn da weitersehen, verdammt?“ Jack war außer sich. „Als du Kramer losgeschickt hast, hast du unser aller Todesurteil unterschrieben. Wir haben zu lange gewartet, jetzt haben wir nicht mal mehr genügend Rationen, dass wir es noch zu Fuß zur Basisstation schaffen könnten.“ Jack machte eine Pause, er atmete schwer und war hochrot im Gesicht. „Selbst wenn, wissen wir nicht, was uns dort erwartet. Vielleicht sind sie alle tot. Oder abgehauen!“
„Blödsinn!“ Minho hatte keine Lust mehr auf diese sinnlose Diskussion. „Wir haben uns genug aufgeregt für einen Abend, wir sollten lieber unsere Kräfte einteilen.“
„Für was denn?“
„Genug jetzt! Hier, eure Rationen für heute. Esst und dann schlaft. Oder auch nicht, mir egal, aber ich werde jetzt schlafen, ich brauche meine Kraft, ich will hier schließlich lebend rauskommen.“
„Genau, geh ‚schlafen‘ und iss dich mit unseren Vorräten voll.“
„Was murmelst du, alter Mann?“
„Gar nichts, gar nichts. Bis morgen.“
Die drei verschwanden in ihre jeweiligen Quartiere. Minho schlief nicht viel in dieser Nacht. Er war nicht geschaffen für solche Situationen, er war nicht gut darin, Entscheidungen zu treffen, schon gar nicht, wenn Leben davon abhingen. Wenn sie hier blieben, würden sie alle innerhalb weniger Tage sterben. Aber draußen würden sie zu Fuß nicht weit kommen, schon gar nicht geschwächt mit den geringen Rationen. Zwei Personen hätten eine bessere Chance, wenn auch nur gering. „Und Jack war alt und schwach“ Minho schämte sich, diesen Gedanken gehabt zu haben. Er war sich sicher, dass die beiden anderen gerade ähnliches dachten, aber das hier war keine Matheaufgabe, es ging um Menschenleben. Wie war er nur in diese Situation gelangt? Er wollte niemals diese Art Verantwortung haben, aber als der Leiter der Mission vor zwei Wochen an einer Lungenentzündung starb und Michael, der nächste in der Rangfolge, durchdrehte und nackt in die Kälte hinausrannte, fiel ihm die Verantwortung zu. Er erinnerte sich lebhaft an das Überwachungsvideo, das sie sich gemeinsam angeschaut hatten, nachdem Michael eines morgens nicht zum Frühstück auftauchte. Erst hatten sie ein Lachen unterdrücken müssen, als er sich vor den Kameras auszog, aber schon bald verging ihnen das Lachen. Michael wirkte am Ende wie besessen, als er letzten Endes hinaus in die Kälte, in seinen sicheren Tod, rannte. Seine letzten Worte hatten sie nicht vernehmen können, die Aufzeichnungen waren ohne Ton. Aber sein Blick, als er in einem Moment der Klarheit direkt in die Kamera schaute und ruhig die Worte sprach, die für Minho nach „Ihr werdet alle sterben!“ aussahen, lies Minho auch jetzt noch frösteln, wenn er daran dachte. Unruhig schlief er ein, wälzte sich hin und her. Nach wenigen Stunden wachte er hungrig auf und haderte mit sich, ob es sinnvoll war, die Ration jetzt schon anzubrechen. Er hob sich sein weniges Essen lieber bis möglichst spät am Tag auf. Doch sein Magen gewann die Diskussion und er machte sich auf in die Gemeinschaftsküche, wo der Kühlschrank mit dem von ihnen nachträglich angebrachten Schloss stand, zu dem Minho den einzigen Schlüssel besaß. Das Schloss war aufgebrochen, der Kühlschrank leer. Er schaute zum Schrank daneben, doch wo gestern die letzten Konserven gestanden hatten, war jetzt nur gähnende Leere. Wütend schritt Minho den Gang zu den Quartieren entlang, schlug an die Türen der beiden verbliebenen Mitglieder des Expedition und schrie, dass sie sofort rauskommen mögen. Die Türen öffneten sich. Minho beobachtete die beiden, erkannten aber auf beiden Gesichter nichts als Wut und Müdigkeit. Keine Spur von Schuld.
„Was soll der Scheiß, malträtierst du uns nicht tagsüber schon genug?“ wollte Jack wissen.
Ren schwieg und starrte ihn nur böse an.
„Okay Leute, es geht hier um unser Überleben, das ist kein Spiel. Irgendeiner von euch hat die Vorräte gestohlen, wir haben nichts mehr, gar nichts!“
„Wer sagt uns, dass du das nicht selbst warst?“, forderte Ren.
„Genau, du könntest das ebenso gewesen sein.“
„Blödsinn.“ Minho spürte schon wieder seine Kopfschmerzen. „Aber gut, das lässt sich leicht herausfinden, wir schauen einfach in allen drei Quartieren nach, habt ihr ja sicher kein Problem mit?“
Minho wartete kurz eine Reaktion ab, als die ausblieb, stürmte er in Jacks Zimmer. Er musste nicht lange suchen, da kam er schon mit einer Hand voll leeren Konservenbüchsen heraus. Er hielt sie Jack anklagend entgegen.
„Und? Was hast du zu sagen?“
Und als eine Antwort ausblieb: „Hast du alles gegessen? Wie dumm bist du eigentlich? Wegen dir werden wir alle draufgehen. Auch du!“
Minho musste sich setzen, bis gerade hatte er selbst nicht wahrhaben wollen, was das bedeutete. Aber war ihr Schicksal nicht sowieso schon besiegelt gewesen? Zwei Tage mehr oder weniger, was hätte das schon ausgemacht?
„Aber… aber… ich war das nicht!“ beteuerte Jack.
„Halt einfach die Klappe“, fuhr Ren dazwischen. Und zu Minho: „Wir müssen ihn bestrafen.“
„Aber was bringt uns das? Dadurch leben wir auch nicht länger.“
„Hm, ausnahmsweise gebe ich dir recht. Und was dann?“
„Wir müssen versuchen, zur Basisstation zu kommen, das ist unsere einzige Hoffnung.“
„Das sage ich doch seit Tage“, warf Jack ein.
„Du hast hier nichts mehr zu sagen, ist das klar?“ bellte Ren ihn an. Und an Minho gewandt: „Aber was ist mit dem Problem der Vorräte? Gestern hatten wir zu wenig für den Weg und heute haben wir noch weniger. Selbst wenn wir Jack hier lassen…“
„Hey!!!“
„Selbst wenn wir ihn hier lassen, was noch gnädig wäre. Sein Verhalten hat unseren Tod so gut wie besiegelt. Wir können uns kaum auf den Beinen halten, haben drei Tage Fußmarsch bei -20 Grad vor uns und haben keinen Bissen zu Essen.“
Minho merkte langsam, worauf sie hinaus wollte. Ihm gefiel die Richtung nicht, aber rein rechnerisch war das Überleben zweier Personen auf Kosten von einer doch dem Tod aller drei Menschen vorzuziehen, oder etwa nicht? „Was schlägst du vor?“, fragte er vorsichtig.
„Dass wir sofort losziehen und keine Minute mehr verlieren.“
„Ihr könnt mich doch nicht zurück lassen!“ flehte Jack.
Minho ignorierte sein klägliches Jammern. „Und du glaubst, wir kommen weit? Ich bin heute Nacht schon fast gestorben vor Hunger!“
Ren ließ ein merkwürdiges Grinsen aufblitzen. Sie verschwand kurz in ihr Zimmer und stand plötzlich wieder in der Tür, eine Axt in der rechten Hand. „Ich hatte eigentlich gedacht, wir essen vorher noch was“ Und mit einem Nicken in Richtung Jack, der schluchzend auf dem Boden lag. „Und für den Weg sollten wir uns auch noch was einpacken.“
Minho spürte Übelkeit in sich aufsteigen. Aber sie hatte recht, welche Wahl hatten sie schon? Sie könnten hier bleiben und alle drei in dieser elendigen Station mitten im Eis verhungern oder erfrieren. Oder sie könnten zu zweit losziehen und hätten wenigstens eine geringe Chance, zu überleben. Sein knurrender Magen übertönte seine Gedanken. Er ging langsam in die Küche und machte sich auf die Suche nach einem großen Messer. Er konnte schon förmlich den Geruch von brutzelndem Frühstücksspeck riechen und das Wasser lief ihm bereits im Mund zusammen.

My NaNoWriMo story

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First of all: why is this in English? Well, NaNoWriMo started in the US and though it now is an annual international event, English is still the main language and maybe this might be of some interest to other NaNoWriMo writers around the globe.

Secondly: this article’s title is a bit misleading, I confess. No, this isn’t the story I wrote, this is my story of how I tried to write my first novel from beginning to end in just one month. The story of how I failed to finish in time and why I still see it as a win for me.

Let’s start at the beginning. It all started when I heard about the MOOC “The Future of Storytelling”. It was already over but luckily I had the chance to still take the course, watch the videos and do the homework assignments. Since the MOOC was about storytelling, a project called NaNoWriMo, which took place at the time of the original course, was mentioned a few times. I never heard of it before but instantly liked the idea. But when I started the MOOC in January 2014, NaNoWriMo was already over. (Because it is in November. Duh.)

I bookmarked the page, created an account and forgot all about it. Since I still wanted to write and never managed to finish a complete novel (believe me, I started a few dozen times over the course of my life) I created my own shortstory project, where writers produce a shortstory every month with a topic that I specify. I motivated others to write regularly and most importantly motivated myself to write at least a few times each month. The hardest part about writing is thinking about your story all the time, taking it with you wherever you go, forming it in your mind. The actual act of writing is easy, once the story exists. With this insight in mind I should’ve thought a little bit more about what I wanted to write during the NaNoWriMo. October came to an end and I had no clue at all. At November 1st I panicked, searched in my mind for ideas I had in the past, found a suitable one and looked it up in my ideas-notebook. There was a plot, some ideas for an ending and even two character descriptions. For me that was pretty elaborate, most of what I call “story ideas” are only 2 or 3 sentences in my notebook. I felt confident and started writing at once but it didn’t come as easy as I thought it would. I had doubts. I didn’t really know what I wanted to say with my story, wasn’t sure about the ending. When I wrote, I made all the mistakes the NaNoWriMo people warned us about. Overthinking instead of just writing, getting the words together. That was my main mistake. The hardest part about your first draft is allowing it to be imperfect. “Your first draft always sucks, it has to”. The best writer in the world can’t produce a first draft that doesn’t suck. Your story evolves while you write. You go back, jump around, you change the beginning when you reach the end and after that, change the ending again. Editing is one of the most important parts when it comes to writing. If you try to write a perfect draft from the beginning, you’ll get frustrated, you get stuck. And most importantly, you’ll never write the necessary 1600 words each day. And then there was the time issue.

I only could write in the evenings and even then I almost never wrote more than 500 words. The NaNoWriMo guys said that it’s going to be hard. That you won’t leave your home much, won’t have much social interactions in this month and so on. But I have a job and I didn’t want to cancel everything else. There where evenings when I went swimming after work or watched a movie… and I simply had no time to write. NaNoWriMo is there to teach us that we can and we should write every single day. I couldn’t. And those days where you don’t write a single word really drag you down. “Oh, I haven’t written a single word yesterday, so now I have to write even more each day, how will I ever manage to do that? It’s hopeless.” The NaNoWriMo coaches helped. They motivated, gave tipps, sent motivating mails. Reminded the writers that it doesn’t have to be perfect. That it didn’t matter how far we were. “Just write! Write, write, write. Get those words onto the paper. If you’re stuck, interview your characters so you get to know them better, skip a chapter, doesn’t matter as long as you just write!”

I look at the counter in my WordPress below. Why is it so much easier to write nearly 1000 words in half an hour if it’s a blogpost about something that moves me when I couldn’t write 500 words for my NaNoWriMo story on the same day? Maybe I’m not convinced by my story. I most definitely am not. But just a few days ago I read an article about NaNoWriMo and writing in general. It said: You have to finish. Always. No matter what. Don’t love your story halfway through? Doesn’t matter. Finish it!

I have written a lot in my life but I’ve never finished anything longer than 20.000 words. I just need to know that I can, no matter how long I take and no matter how bad the result is. I probably won’t show it to anyone, this is just for myself. It’s like running your first marathon. The time doesn’t matter, if you reach the finish line, you’re already a winner. And it can only get better. So I’ll finish my NaNoWriMo story. I “lost” this year’s NaNoWriMo but it was my first one and I learned so much that I’ll refuse to consider this losing. And I will finish my story. And next year, I’ll stand at the starting line again. And this time, I’ll be better prepared and finish in time.

RE: RE: RE: RE: Guy Fawkes Day

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Aktuell

Ein Repost, muss aber sein, sorry.

Vi veri veniversum vivus vici

Remember, remember the Fifth of November,
The Gunpowder Treason and Plot to surrender,
I know of no reason
Why the Gunpowder Treason
Should ever be forgot.
Guy Fawkes, Guy Fawkes, t’was his intent
To blow up King and Parli’ment.
Three-score barrels of powder below
To prove old England’s overthrow;
By God’s providence he was catch’d
With a dark lantern and burning match.
Holloa boys, holloa boys, let the bells ring.
Holloa boys, holloa boys, God save the King!

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Ich mache beim NaNoWriMo mit. Und ihr?

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Letztes Jahr habe ich ihn verpasst, dieses Mal bin ich dabei. In ein paar Tagen geht er wieder los, der NaNoWriMo. Das steht für National Novel Writing Month – 30 Tage, 50.000 Wörter, eine Novel. Mitmachen kann jeder, “gewonnen” hat, wer das Ziel erreicht. Das dient in erster Linie dazu, sich selbst zum Schreiben zu motivieren und selbst wenn man in der Zeit nicht fertig wird, ist man vielleicht doch ein ganzes Stück näher an seinem (ersten) Roman. Ich werds auf jeden Fall versuchen und bin schon recht nervös deshalb. Rund 1600 Wörter am Tag, das ist schon ein bisschen was anderes als eine Kurzgeschichte pro Monat, aber noch bin ich guter Dinge. Meist liegt es ja nur an der mangelnden Disziplin und genau da hilft NaNoWriMo vielleicht, mich und andere anzuspornen.

Alle Infos zum NaNoWriMo findet ihr hier.

Short Story Collab #9: Traum

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Thema für November : #10: “Horror” (1. – 30. November) (Wurde in der Facebook-Gruppe abgestimmt)

Oktoberbeiträge (Traum):

Makenshi
Bibi
Katta
Steffi

Was ist das überhaupt?
Alle bisherigen Beiträge.

Mein Beitrag zum Oktober-Thema “Traum”:

Korbin schreckte schweißgebadet hoch. Was für ein merkwürdiger Traum. Normalerweise konnte er sich nicht an Träume erinnern, aber dieser hatte sich in sein Gehirn gebrannt. Er war – scheinbar grundlos – in einem Labyrinth gefangen gewesen und musste den Ausgang suchen. An der spannendsten Stelle war er aufgewacht. Wie das eben immer war. Normalerweise gab er nicht viel auf Träume, normalerweise konnte er sich aber auch nicht so lebhaft erinnern und schon kurz nach dem Aufwachen verblassten die Bilder. Manchmal versuchte er, in einen besonders interessanten Traum zurückzufinden, aber stets ohne Erfolg. Heute war das anders. Er hatte kaum bemerkt, wie er aufgestanden war und das Haus verlassen hatte. Wie in Trance bewegte er sich durch die Stadt, in die U-Bahn, wieder raus, durch den Strom der Masse an Anzugsträgern, alle stumm nach unten auf die Straße oder ihr Handy starrend.
Er registrierte beiläufig, wie er unter all den identischen Bürogebäuden das seine fand und betrat, wie er seine Magnetkarte vor den Sensor hielt und dem Mann am Empfang zunickte. Der Mann, der ihn immer mit Namen grüßte, was ihm jedes Mal unangenehm war, da er nicht den blassesten Schimmer hatte, wie er hieß. Schlimmer noch: es interessierte ihn auch gar nicht. Während er in Gedanken noch beim Labyrinth der gestrigen nacht war, bewegte er sich schlafwandlerisch in den Aufzug. Kurz sorgte er sich, ob sein Verhalten auf andere seltsam wirken würde, aber auch im Aufzug schaute jeder auf sein Handy. Kurzes Nicken, kurzes, aufgesetztes Lächeln – “Morgen” – “Morgen!” – Kopf nach unten und alles andere abschotten. Korbin betrachtete sein Spiegelbild in der Aufzugstüre; schnell wich sein Blick zur Seite und er tat, was er sonst nie tat – er beobachtete die anderen Personen in der Spiegelung. Sie wirkten farblos, als fehlte ihnen jegliche Lebenskraft. Müde Augen blickten aus fahlen Gesichtern ins Leere oder nach unten. Er kreuzte erneut seinen eigenen Blick und stellte fest, dass er nicht anders aussah, als die Personen neben ihm. Aber seine Augen… er trat im nun halbleeren Aufzug näher an die Türe und betrachtete seine Augen. Sie unterschieden sich von denen der anderen. Seine ganze Erscheinung war fahl und farblos, doch seine Augen – in seinen Augen erkannte er ein lebendiges Flackern, ein Leuchten, wie er es noch nie gesehen hatte, bei niemandem. Oder er konnte sich nicht mehr erinnern, wie an so vieles, was länger als ein paar Tage her war. Fasziniert starrte er in seine eigenen Augen, als sähe er sie zum ersten Mal. Und vielleicht schaute er wirklich zum ersten Mal richtig hin.
43. Stock. Die Aufzugstür fuhren auseinander und Korbin schreckte zurück. Für einen Augenblick dachte er, wieder im Labyrinth zu sein und die weißen Wände zwischen den Einzelarbeitsplätzen wirkten riesig und bedrohlich auf ihn. Er blinzelte. Nein, es war alles wie immer. Eintönig und ungefährlich. Er eilte zu seinem Platz – er war schon 4 Minuten zu spät dran – links, rechts, geradeaus; sein Schritt beschleunigte sich. Er wusste nicht, wieso, seine Beine rannten los, gehorchten ihm nicht mehr. Rechts, links, links… wohin rannte er überhaupt? Er kam vor einer weißen Wand zum Stehen. Ein schrecklicher Gedanke formte sich in Korbins Kopf. Was, wenn er sich jetzt in einem Traum befand? Oder schlimmer: was, wenn nicht? Im Labyrinth hatte er sich wenigstens lebendig gefühlt, doch jede Sekunde hier schien ihm Lebenskraft zu entziehen. Er lief wieder – ohne Ziel – einfach umher. Links, links, rechts… er entdeckte ein Notausgangsschild und stürmte durch die Türe ins Treppenhaus, in eine andere Etage, doch das Labyrinth verfolgte ihn. Es war ihm aus seinen Träumen in sein Leben gefolgt und jetzt konnte er erst recht nicht mehr entkommen. Oder war es immer hier gewesen? Das Labyrinth hatte ihm die Hoffnung auf Freiheit als Motivation geboten, doch was war hier? Was war außerhalb seines Labyrinths? Er rannte wieder ins Treppenhaus und nach oben. Rechts, rechts, rechts; in seinem Kopf fing es an, sich zu drehen, doch Korbin wurde nicht langsamer. Rechts, rechts, rechts, immer weiter nach oben. Vor einer schweren Metalltüre kam er zum Stehen. Das Dach. War es sein Unterbewusstsein, das ihn hier hoch geführt hatte? Er warf sich mit der Schulter gegen die Türe, die mit einem Quietschen aufschwang. Wie lange wohl niemand mehr hier oben gewesen war? Gleißendes Tageslicht umspülte ihn, warf ihn mit zusammengekniffenen Augen zurück. Korbin kämpfte dagegen an, bewegte sich Schritt für Schritt vorwärts. Als sich seine Augen an das ungewohnte natürliche Licht angepasst hatten, vernahm er vor sich etwas, das er in all dem Grau nicht erwartet hätte: er sah eine grüne Fläche, mitten auf dem Dach. Ein kleiner, von Hand angelegter Garten. Also kam doch noch jemand hier hin. Er rannte auf den Garten zu, blieb kurz davor stehen, zog seine Schuhe aus und setzte seine Füße auf das grüne Gras, vorsichtig, als würde er langsam in eine heiße Badewanne einsteigen. Das Gras war nass und kalt und doch schickte es ein wohlig-warmes Gefühl von seinen Füßen aus durch seinen gesamten Körper. Korbin ließ sich langsam nieder, um das Gras genießen zu können, doch sein zerknitterter, farbloser Anzug schottete die Natur ab wie es die Wände des Labyrinths getan hatten. Kurzerhand zog er sich aus, bis er nur noch in Unterhose bekleidet auf dem Dach stand. Er legte sich erneut hin und spürte das Gras mit seinem gesamten Körper. Er öffnete die Augen und verfolgte die Wolken, wie sie über den blauen Himmel zogen. Zum ersten Mal in seinem Leben fühlte er sich wirklich frei. “Es ist wunderschön”, flüsterte er und schloss die Augen.