gamescom 2014

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Videogames
gamescom_2014

Mit ein paar Tagen Abstand mal einige Gedanken zur diesjährigen gamescom in Köln. Ich war insgesamt 3 Tage da (trotz kaputtem Rücken), den Mittwoch, Donnerstag und den Sonntag. Sonntag war es komischerweise echt angenehm und kaum voll, da war es am Fachbesuchertag (Mittwoch) fast schlimmer. Der durchschnittliche Fachbesucher scheint heute zwischen 14 und 16 zu sein. Termine hatte ich nicht so schrecklich viele, ich war bei Daedalic (Previewartikel mit The Devil’s Men, Randal’s Monday und Fire), bei Gameforge (Previewartikel zu Orcs Must Die und HEX), bei Warner Bros.(Previewartikel zu Lego Batman 3) und natürlich wie immer bei Ubisoft (Previewartikel mit Siedler, Assassin’s Creed und Far Cry). Ansonsten ist die gamescom ja immer ein bisschen Klassentreffen, viele der bekannten Gesichter waren dieses Jahr leider gar nicht da und einige, die ich treffen wollte, habe ich verpasst.

Zurück bleibt wie immer ein gemischtes Gefühl. Wäre das die letzte gamescom gewesen, ich wäre auch nicht sonderlich traurig drum. Aber zur nächsten werde ich dann doch wieder in Köln sein.

Alle Artikel von Zockwork Orange zur gamescom 2014 findet ihr hier.

Short Story Collab #6: Superkräfte

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SSC / Writing
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Thema für August : #07: “Krimi” (1. – 31. August)

Julibeiträge:

- Bianca
- Steffi

Was ist das überhaupt?
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Verdammter Dreck. So hatte ich mir das Leben mit Superkräften ganz und gar nicht vorgestellt. Während die Hauswand an mir vorbeizog und der Boden immer näher kam, ließ ich mein Leben – nein – die letzten Wochen meines Lebens – Revue passieren.

Wenn wir mal ehrlich sind, hat sich doch jeder schon mal irgendwann in seinem Leben vorgestellt, über Superkräfte zu verfügen. Um was besonderes zu sein, um irgendwem eins auszuwischen oder einfach, weil es verdammt cool ist. In der Grundschule spielten wir Superhelden auf dem Pausenhof und da ich die meisten Superhelden nicht kannte, dachte ich mir eigene Kräfte aus. Und so war ich jeden Tag auf dem Pausenhof jemand anderes. Mal kontrollierte ich die Elemente, mal besaß ich besondere Fähigkeiten irgendwelcher Tiere, Unverwundbarkeit, übermenschliche Stärke, Zeitsprünge, Telekinese… der übliche Quatsch halt. Später verdiente ich mir ein bisschen Geld dazu und fing an, die Comics zu lesen, von denen meine Mitschüler alle immer sprachen. Während die anderen aus dem Comiczeug herauswuchsen, war ich wie besessen und ich hab alles verschlungen, was mir in die Hände fiel. Dann plötzlich, an meinem sechszehnten Geburtstag – ja ich weiß, das klingt wie so ein kitschiger Jugendroman, aber so war es halt – wachte ich auf und… nein, immer noch keine Superkräfte, so leicht geht das dann doch nicht. Einfach nur wünschen bringt einen im Leben selten weiter. Nein, das ist gelogen. Es bringt einen nie weiter. Also, trotz meines Geburtstages machte ich mich auf den Weg zu meinem Nebenjob, auch wenn ich keine große Lust hatte. Einen meiner Nebenjobs, um genau zu sein. Es waren Sommerferien und da fuhr ich zusätzlich zu meinem Job im Comicladen, wo ich gegen kleines Geld und einem guten Rabatt neue Comiclieferungen einsortierte und ab und zu im Verkauf aushalf, Zeitungen aus. Früh aufstehen lag mir noch nie und jetzt waren noch Schulferien und mein Geburtstag. Das Leben war nicht fair.
Aber jammern hat auch noch nie irgendwem geholfen. Also raus aus den Federn, anziehen, leise aus dem Haus (es war Wochenende und die anderen schliefen noch), auf’s Rad und los. Ich könnte mich jetzt in den zahlreichen Details meiner morgendlichen Route verlieren (ich hätte fast ein Eichhörnchen überfahren. Fast!), aber ihr wollt sicher, dass ich zum Punkt komme. Der Boden kommt auch immer näher und ich weiß nicht, wie lange mir noch bleibt. Ich fuhr also meine übliche Strecke entlang, musste an einer Kreuzung allerdings einen Umweg fahren, weil die Straße aufgerissen war. Was nur eine Parallelstraße zur Hauptstraße (sofern man das in dem Dorf hier so nennen kann) war, wirkte wie eine Parallelwelt. Ich hätte wirklich öfters mal das Haus verlassen sollen; da war ich nur ein paar Meter von Zuhause entfernt unterwegs und erkannte schon nichts wieder. Peinlich. Als ich versuchte, meinen Weg zurück zur Hauptstraße zu finden, fiel mir ein merkwürdiges Gebäude ins Auge, das irgendwie… falsch aussah. Als gehöre es hier nicht hin. Es schien verlassen und in jedem schlechten Horrorfilm hätte ich den Fernseher angeschrien, der Protagonist solle doch nicht so dumm sein und hinein gehen. Tat ich auch erst nicht. Doch dann hörte ich einen Schrei. Weiblich. Ich stellte mein Rad in die Ecke – wie gesagt: Dorf, hier wird nix geklaut – und drückte vorsichtig gegen das Metalltor. Leise quietschend schwang es problemlos auf. Mist. Ich sah mich noch mal um, doch die Straße war ruhig und wie leer gefegt. Mit mir selbst diskutierend, aber keine Ausrede findend, betrat ich schließlich zögernd das Gelände. Die Vordertür sah verschlossen aus, also probierte ich es erst gar nicht. Auf der Rückseite des Hauses gab es eine Kellertreppe und eine Hintertür, auf die jemand einen Aufkleber mit einem seltsamen Motiv geklebt hatte; einen Kreis mit einem waagerechten Blitz. Ich entschied mich für ersteres, da ich von unten Geräusche zu vernehmen glaubte. Als ich die Tür öffnete und mich im Dunkeln zu orientieren versuchte, verstummten mit einem Mal sämtliche Geräusche, ein gleißend helles Licht umgab mich, begleitet von einem metallischen, trommelfellzereißenden Ton, fast ein Kreischen und dann… nichts. Stille. Dunkelheit.

Stunden später (ich bin kein Pfadfinder, aber die Sonne stand weit oben, ganz unbedarft bin ich ja auch nicht) erwachte ich. Auf einem Dach liegend. Nackt. Nein, Blödsinn, wieso hätte ich nackt sein sollen? Ihr glaubt auch alles. Also, ich lag da auf dem Dach, ohne genau zu wissen, wie ich dorthin gekommen war und was überhaupt passiert ist. Ich sah mich um, aber außer einer Tür gab es nicht viel zu sehen, also rappelte ich mich auf und ging zur Tür. Beim Laufen merkte ich schon, dass irgendwas anders war. Ich fühlte mich, als könne ich Bäume ausreißen. Ich hatte es nicht erwähnt, aber eigentlich bin ich eher schmächtig, fühlte mich mit einem Mal aber Testosteron-gefüllt und bereit, es mit jedem Preisboxer aufzunehmen. Stattdessen musste die Tür herhalten, die sich plötzlich einige Meter hinter mir wieder fand, was sie sicher genau so verwirrte, wie mich. Ich betrat das Gebäude, stieg das angenehm kühle Treppenhaus hinab und fand mich – zum zweiten Mal heute – auf einer mir unbekannten Straße wieder. Was machen die in den Comics immer als erstes, wenn sie plötzlich über eine besondere Kraft verfügen? Irgendwohin gehen und austesten, was man alles kann? Aber wohin? Mir fiel ein altes Fabrikgelände ein, auf dem ich als Kind Scheiben eingeworfen hatte. Ich wollte gerade auf dem Handy schauen, wie ich dorthin kam. Und bei der Gelegenheit, wo ich überhaupt gerade war. Vor meinem inneren Auge stelle ich mir vor, wie mein Handy theatralisch in Zeitlupe auf den Boden fiel – während ich selbst 30km weiter westlich auf dem heruntergekommenen Gelände einer alten Mehlfabrik materialisierte. Ich war nicht nur stärker, ich konnte mich auch teleportieren. Awesome!!! Was noch alles? Unverwundbarkeit? Fliegen? Ich musste es alles ausprobieren, wusste aber nicht, wie ich das anstellen sollte. Das Teleportieren hatte einfach so funktioniert. Superkräfte, die nur einsetzten, wenn man sie brauchte? Wie langweilig. Ich versuchte noch einige Stunden, irgendwelche Kräfte willentlich zu aktivieren und muss dabei so ausgesehen haben wie Tobey Maguire in Spider-Man. Ich könnte lügen und behaupten, ich hätte es nicht mit “Shazam” versucht. Aber selbst das blieb ohne Ergebnis. Netze schießen konnte ich schon mal nicht. Erschöpft machte ich mich auf den Heimweg, mit nicht mehr als einer groben Richtung im Kopf. Ich war zwar schon mal hier, aber das war auch ewig her. Genervt von der Situation wünschte ich, wie Flash oder Superman rennen zu können. Stattdessen latschte ich an einer öden Landstraße entlang, ohne mir sicher zu sein, dass überhaupt die Richtung stimmte. Gab es eigentlich einen Superhelden, dessen Kraft ein besonders guter Orientierungssinn war? Doveman? Compassman? Kann Magneto sich am Erdmagnetfeld orientieren wie ein Vogel? Meine Gedanken drifteten mal wieder in Sinnlosigkeiten ab und ich hätte in dem Moment viel für mein geliebtes Rad gegeben, damit ich wenigstens schnell in die falsche Richtung fahren könnte. Wie aufgeschmissen man doch ohne Handy war.

Als ich die abschüssige Straße entlang ging, fiel mir ein Motorengeräusch in der Ferne hinter mir auf. Endlich, ein Auto. Ich drehte mich um und streckte den Daumen hoch, wie man es in Filmen immer sah. Der heruntergekommene Pickup machte allerdings keine Anstalten, langsamer zu werden, eher im Gegenteil. Als er näher kam, bemerkte ich ein unkontrolliertes Schlingern, zu dem sich ein wildes Hupen gesellte, während der Pickup an mir vorbei schoss. “Arschloch”, rief ich erschöpft hinterher und stapfte weiter die Straße hinunter, dem schlingernden Wagen hinterher schauend. Unten im Tal kreuzten Schienen die Straße, doch der Wagen raste weiter ungebremst die Straße hinunter. Und natürlich gingen gerade die Schranken runter und von links kam ein Zug herangedüst. “Warum zum Teufel bremsen sie nicht?”
Irgendetwas stimmte nicht – instinktiv rannte ich los, wurde immer schneller und schneller, fand mich plötzlich neben dem Auto rennend wieder. Im Laufen drehte ich den Kopf zum Auto – hinter dem Steuer saßen zwei Kinder. Zwei junge, panische Jungen, der Eine krampfhaft das Lenkrad umklammert und mit dem Fuß auf die Bremse pumpend, doch offensichtlich ohne Erfolg. Ich schrie ihnen zu, aber was hätten sie tun können? Wie ich ihnen helfen? Wie das kurz bevorstehende Unglück verhindern? Ich hatte soeben meine dritte Superkraft entdeckt, doch fühlte mich gleichzeitig machtlos wie nie zuvor. Selbst wenn ich dem Zug signalisieren könnte, dass er bremsen solle, so ein Zug braucht hunderte Meter bis zum Stillstand und sowohl Auto als auch Zug waren nur noch wenige Sekunden vom Übergang entfernt. Mir kam ein Dreisatz aus dem Matheunterricht in den Sinn. Wenn der Zug mit Geschwindigkeit x und das Auto… Unwichtig, sie stoßen zusammen, ganz klar. Was für ein Timing. Okay, einen Versuch war es wert… ich begann noch schneller zu rennen, überholte den Wagen, glich mein Tempo an seins an und wurde dann langsamer. Ich spürte die Motorhaube in meinen Schultern, meine Füße gruben sich in den Asphalt, doch wir wurden spürbar langsamer. Wenn das hier klappte, waren der schier endlose Spider-Man-Marathon letztes Wochenende doch nicht vollkommen überflüssig gewesen. Verdammt. Der erste Tag als Superheld und ich hatte schon meine geheime Identität kompromittiert. Konzentration! Noch war nichts gerettet. Ich stemmte meine Füße noch fester in den Boden und notierte im Kopf, dass ich ganz dringend neue Schuhe bräuchte. Wäre das hier Hollywood, wäre der Pickup wenige Zentimeter vor dem Bahnübergang zum Halten gekommen und der Zug hätte im Vorbeifahren meine Nase gestreift. Tatsächlich hielt der Wagen einige Meter vor dem Bahnübergang, worüber ich aber gar nicht traurig war.
Erleichtert und k.o. ließ ich mich ins Gras neben der Straße fallen, warf meine Schuhe, die über so gut wie keine Sohle mehr verfügten, über die Schulter und schaute dem vorbeizischenden Zug hinterher. Die Autortüre öffnete und die Kinder stiegen mit wackligen Beinen aus. Verdammt, die Kinder. Hatte ich ganz vergessen. Was tun? Weglaufen und meine Identität schützen? Aber ich konnte die beiden doch nicht alleine lassen. Vielleicht hatten sie ja ein Handy? Nein, hatten sie natürlich nicht. Am Ende gingen wir zu dritt – nachdem sie sich beruhigt hatten – die Straße entlang. Zum Glück kam bald eine Tankstelle, von der aus ich die Polizei rief. Dumme Idee, ganz dumm. Am nächsten Stand natürlich die Presse bei mir vor dem Haus. Nix wildes, nur vom Lokalblatt, aber das reichte. Schlimmer wäre nur gewesen, hätte man mich gefilmt und das auf Youtube geladen. Natürlich hätte ich alles abstreiten können, wer würde den beiden Jungs schon glauben, aber in dem Moment… ach, leugnen nutzt ja auch nix… in dem Moment fand ich’s einfach geil, im Mittelpunkt zu stehen. Lief nur nicht so gut. Die Geschichte der beiden Kids plus mein Unvermögen, auf Kommando irgendwas zu präsentieren führten dazu, dass die Story kaum Erwähnung fand und ich bis auf das Gespött der Mitschüler kaum Aufmerksamkeit bekam. Alles beim Alten, könnte man meinen. Die Erleichterung währte nicht lange. Eine Woche später etwa fuhr ich mit wenig Vorfreude zur Schule (Ja, mein Fahrrad hatte ich wiedergefunden, wo ich es hatte stehen gelassen), fuhr gerade auf eine Kreuzung zu, als mit quietschenden Reifen ein schwarzer Wagen vor mir zum Stehen kam und zwei Typen in ebenso schwarzen Anzügen raussprangen. So schnell, wie ich den Elektroschocker in den Rippen und den Sack über dem Kopf hatte, konnte ich gar nicht denken, erst recht nicht am frühen Morgen. Ich muss länger weggetreten sein, denn als ich zu mir kam, fand ich mich in einem Verhörzimmer wieder, der so aussah, als könnte jeden Moment Agent Smith zur Tür hereingeschneit kommen und meine Hackerakte auf den Tisch knallen. Moment, falscher Film. Die Türe öffnete sich und – nennen wir ihn der Einfachheit halber mal Agent Smith – betrat den Raum, Agent Jones an seiner Seite. Bevor ich eine good-cop-bad-cop-Nummer über mich ergehen ließ, nahm ich lieber die Beine in die Hand. Die Handschellen, mit denen ich am Tisch gefesselt war, sprangen nach einem kurzen Ruck auf und ohne wirklich nachzudenken, trugen meine Beine mich aus dem Raum hinaus und in den Flur hinaus, wo ich kurz zögerte. Lange genug, damit sich die überrumpelten Agenten sammeln konnten, sich umdrehten und mir hinterher rannten. Ich erspähte das grüne Notausgangsschild, gleichzeitig spürte ich einen Ruck, als Agent Smith nach mir griff und mich am Shirt zu packen bekam. Ich konnte mich losreißen und rannte, durch die schwere Tür ins Treppenhaus. Runter? Hoch? Ich entschied mich für oben und nahm drei Stufen auf einmal, während ich die Treppe hoch sprintete, beschleunigt durch meine neu entdecken Kräfte, die ich erneut verfluchte, waren sie doch sicher der Grund für meine unschöne Situation gerade. Ich wagte einen kurzen Schulterblick, den ich sofort bereute. Smith war direkt hinter mir. Wie war das möglich? Ich rannte weiter und weiter, immer schneller werdend, bis ich mich erneut vor einer Tür wiederfand, durch die ich mit einem beherzten Stoß meiner Schulter durchsprang, was mich auf’s Dach beförderte. Ich stand auf einem verfluchten Hochhaus! Wie viele Etagen war ich hochgelaufen? Ich rannte zum Rand, schaute hinunter… Dreck, ich saß in der Falle. Hinter mir knallte die Türe zum Dach auf und Smith stand mir gegenüber, der Anzug nicht mehr ganz so ordentlich sitzend. “Okay, mach jetzt keinen Scheiß, Junge. Wir tun dir nichts, ich will nur mit dir reden!”
“Bleiben Sie ja wo Sie sind! Sie haben mich entführt, also kommen Sie mir jetzt nicht so!”
Vorsichtig trat ich einen Schritt zurück und und stieß mit der Hacke gegen die kleine Erhebung, die das Ende das Daches markierte. Mist. Smith kam mit ausgestreckten Armen näher. “Ganz ruhig, dann passiert dir auch nichts!” Noch einen Schritt zurück und ich würde runter fallen. Was jetzt? Ehe ich den Gedanken zu Ende denken konnte, stand Smith plötzlich vor mir, ich wich nach hinten, er griff nach mir, doch zu spät. Wie in Zeitlupe kippte ich rückwärts über die Kante und sah die Hauswand an mir vorbei ziehen.

Erstaunlich, das alles zu erzählen hatte nur 37 Stockwerke gedauert. Leider hatte das Gebäude nur 50 und der Boden war jetzt zum Greifen nahe. Aufprall in 3…2…1…

Ein Windstoß wehte den Staub zur Seite, als habe der Boden sich für den Aufprall des fallenden Körpers bereit gemacht, nur um im letzten Moment versetzt zu werden; Ich hatte mich – den Boden nah genug vor Augen, um eine Ameise beobachten zu können, wie sie einen Stein nach Hause trug – in Sicherheit teleportieren können.
Doch nicht so übel, die Kräfte. Wo war ich denn hier gelandet? Naja, egal, Hauptsache in Sicherheit vor diesem Verrückten im Anzug. Ach shit, ernsthaft? Schon wieder dieses verfluchte Fabrikgelände? Wenigstens wusste ich jetzt den Weg. Ich warf meine Jacke über die Schulter und ging los. Hoffentlich musste ich dieses Mal niemanden retten, Superhelden gibt es schließlich nur im Comic.

Filmreview: Guardians of the Galaxy

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Filme / Filmkritiken / Review
GuardiansoftheGalaxyPlakat

Am 24. Juli luden Marvel und Pro7 zur Liveübertragung der Premiere zu Guardians of the Galaxy ein und ich hab mir den heiß erwarteten Streifen angeschaut.

Die Erde, irgendwann in den 80ern. Der kleine Peter Quill rennt weinend aus dem Krankenhaus, in dem Momente zuvor seine Mutter verstarb. Ihre letzten Worte handelten von Peters Vater, der nie anwesend war und den Andeutung zufolge nicht von der Erde stammte. Nur seinen Walkman – gefüllt mit den Hits der 80er – bei sich, rennt Peter raus, direkt vor ein Raumschiff, das ihn mit an Bord nimmt und davon fliegt.

Guardians of the Galaxy PosterEtwa 26 Jahre später: Peter (Chris Pratt) – denselben Walkman auf den Ohren – landet auf einem Planeten, um dort einen “Orb” zu stehlen. Dabei wird er entdeckt, kann aber fliehen und landet schließlich auf Xandar, wo er den Orb verkaufen möchte, anstatt ihn seinem “Boss” und quasi Adoptivvater Yondu zu überreichen. (Der ihn vor 26 Jahren auf der Erde entführte). Der Verkauf geht aber schief, weil Peter der Name “Ronan” (gespielt von Lee Pace) rausrutscht. Der ist nämlich hinter dem Orb her, hat schon von dem Diebstahl erfahren und Assassinin und Adoptivtochter des Superbösewichts “Thanos” Gamora (Zoe Zaldana) auf die Jagd nach dem Orb geschickt. Doch auch der Waschbär Rocket (gesprochen von Bradley Cooper) und sein baumartiger Freund Groot (gesprochen von Vin Diesel) sind hinter Peter her, da Yondu bereits ein Kopfgeld ausgesetzt hat. Ihre Auseinandersetzung auf Xandar wird vom Nova Corps – den Beschützern Xandars – beendet und die vier werden in ein Gefängnis im All geschmissen. Dort treffen sie auf Drax the Destroyer (Dave Bautista), der sich an Ronan für den Mord an seiner Familie rächen möchte. Die ungleiche Truppe rauft sich zusammen und flieht aus dem Gefängnis, um einerseits Geld aus dem Orb zu schlagen (Peter, Rocket und Groot) und andererseits Rache an Ronan zu nehmen (Gamora und Drax). Ronan, der den Orb für Thanos besorgen sollte, damit Thanos im Gegenzug Xandar für ihn zerstört, will ihn schließlich doch für sich selbst und schickt Nebula (Karen Gillan) – wie Gomora eine genetisch verbesserte, zum Morden ausgebildete Adoptivtocher Thanos’ – hinter Peter und den anderen her, die gerade dabei sind, den Orb an den Collector (wie in Thor 2 gespielt von Benicio Del Toro) zu verhökern.

Puh, das war die grobe Story. Warum Ronan unbedingt Rache üben möchte und wozu Thanos (übrigens auch in Avengers 2: Age of Ultron) einen Handlanger braucht, um an den Orb zu gelangen, war mir nicht ganz klar. Die Story ist größtenteils nebensächlich und dient hauptsächlich dem Zweck, die “Guardians of the Galaxy” (unsere fünf “Helden”) dem Publikum vorzustellen, die im Gegensatz zu Thor und Iron Man ja eher unbekannt sein dürften. Ein ominöser Bösewicht der aus irgendeinem Grund einen Planeten zerstören möchte und eine Bande Außenseiter, die sich zusammentun, um das zu verhindern. Am Ende geht es um coole Sprüche und Action, und davon bietet Guardians of the Galaxy genug. Bei der Story muss man ein bisschen das Gehirn ausschalten, aber wann muss man das bei Marvel nicht?

Insgesamt war ich dann doch ein bisschen enttäuscht. Was eine “Space Opera” im Star Wars-Stil sein sollte, war kaum mehr als eine Aneinanderreihung von ein paar Witzen und Explosionen. Chris Pratt – den ich vor dem Film nicht kannte – fand ich auf Bildern immer etwas “gewöhnlich” und auch bei den Guardians fand ich ihn eher unscheinbar und blass. Rocket und Groot sind super und man vergisst, dass sie “nur” CGI sind. Die beiden sind die heimlichen Helden des Filmes und die Catchphrase “I AM GROOT” wird das neue “HODOR”. Ganz bestimmt! Von Drax und Gomora werde ich wohl aber kein riesiger Fan werden. Ronan fand ich ganz gut, nicht nur, weil ich Lee-Pace-Fan bin, er war einfach so richtig schön böse. Aber leider auch nicht viel mehr, eher ein Bösewicht der sehr platten Sorte und erinnerte mich stark an Christopher Eccleston als Malekith. Kann Marvel keine Bösewichte? Bis auf Loki sind die doch in allen 10 bisherigen Verfilmungen (+ die Spider-Man-Filme) eher doof, flach und eindimensional. Aber was bringen Helden, wenn die Bösewichte auf der anderen Seite nichts taugen? Vielleicht legt Marvel in den Filmen auch einfach zu viel Wert auf die Helden und vergisst, den Gegenspielern vernünftige Hintergrundstories und einen glaubhaften Charakter zu geben. Dabei ist das doch mindestens so wichtig wie bei den Helden.

Ach und dann wäre da die 80er-Jahre-Musik und die popkulturellen Anspielungen. Footlose? Kenne ich nicht. Die ganzen Songs aus dem Soundtrack? Die meisten mal gehört, aber keine emotionale Bindung zu. Auch auf der Ebene hat der Film für mich nicht so recht zünden wollen, ich weiß nicht, wer hier als Zielgruppe angedacht war.

Fazit: für einen Sommerblockbuster okay, Stichwort: Popcornkino. Wer Avengers mochte, wird hier vermutlich viel Spaß haben. Wer ein neues “Star Wars” erwartet; eher nicht so.

Short Story Collab #5: Märchen

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SSC / Writing

Thema für Juni : #06: “Superkräfte” (1. – 31. Juli)

Junibeiträge:

- Bianca
- Steffi

Was ist das überhaupt?
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Disclaimer: ich hatte gedacht, dass mir das hier leichter fallen würde, vor allem, da Märchen eigentlich immer aus denselben Bausteinen bestehen. Nie zuvor hab ich so viele Geschichten nach 2/3 wieder verworfen. In der Schule hatten wir im Deutsch LK Märchentheorie und ich wollte meine Geschichte anders herum angehen, vom tiefen, psychologischen Kern heraus die Geschichte aufbauen. Aber irgendwie klappte das nicht und ich stand mir mal wieder selbst mit meinen hohen Ansprüchen im Weg. Das hier ist dann relativ schnell ganz am Ende entstanden – irgendwie braucht es doch immer die Deadline bei mir – und ganz zufrieden bin ich nicht, wirkt es doch viel zu nichtsagend. Aber für den nächsten Monat gelobe ich Besserung. Und: ich werde auf jeden Fall wieder auf Papier arbeiten, ich habe gemerkt, ich kann einfach nicht am Rechner schreiben. Zu viele Ablenkungen.

Es war einmal vor langer Zeit in einem weit entfernten Königreich, ein König und eine Königin, die mit Weisheit und Güte regierten und von ihrem Volk geliebt und respektiert wurden. Das Königreich war wohlhabend und lebte in Frieden mit den benachbarten Reichen, auch wenn diese oft neidisch auf den Wohlstand waren. Doch da der König gute Handelsbeziehungen zu allen anderen Ländern pflegte, waren alle glücklich und zufrieden. Der König und die Königin hatten nur ein Kind – eine Tochter – und insgeheim hofften die benachbarten Könige, ihre Söhne mit ihr verheiraten zu können, sobald sie alt genug wäre, um so ihre Reiche enger aneinander zu binden und mehr vom Wohlstand des Reiches ohne eigenen, männlichen Thronerben abzubekommen. Die Jahre gingen ins Land und die junge Prinzessin – ihr Name war Marina – wurde von Tag zu Tag schöner und da sie ebenso gütig wie ihre Eltern war, wurde sie vom ganzen Volk geliebt. Doch je älter sie wurde, desto häufiger musste sie sich den Fragen stellen, ob sie sich schon für einen der Prinzen aus den benachbarten Reichen entschieden habe, die immer häufiger zu Besuch kamen und ihr zaghaft den Hof machten.

Bald nahte ihr achtzehnter Geburtstag und das gesamte Königreich war in Feststimmung, hoffte doch jeder auf die Verkündung einer Verlobung. Doch Marina gefiel das ganz und gar nicht. “Warum muss ich denn einen der Prinzen heiraten?”, fragte sie. “Ich kenne sie doch kaum. Ist es nicht wichtiger, auf sein Herz zu hören?”
“Die Prinzen sind allesamt gute, tapfere und ehrbare Männer”, sprach die Königin, “Die Liebe kommt mit der Zeit, so wie bei deinem Vater und mir. Und als Prinzessin geht es dir zwar in vielen Dingen besser als allen anderen, dafür musst du aber aber auch die dazugehörigen Pflichten akzeptieren.”
“Ich wünschte, ich wäre keine Prinzessin”, schrie Marina und stürmte in ihr Zimmer.

Marinas Geburtstag kam näher und nach und nach fanden sich die Prinzen ein, die um ihre Hand anhalten sollten, fünf an der Zahl. Sie waren zum großen Fest eingeladen worden, doch kamen frühzeitig, in der Hoffnung, doch noch der Prinzessin erfolgreich den Hof machen zu können. König und Königin empfingen die Gäste, entschuldigten die Abwesenheit ihrer Tochter und versprachen, dass jeder Prinz ihr persönlich seine Aufwartung machen dürfe und zu ihrem Geburtstag schließlich die Entscheidung verkündet würde. Auch Marina teilten sie dies mit, die schließlich einlenkte. “Gut, ich werde jeden Tag einen Prinzen empfangen, aber ich verspreche nichts.” Doch schon am dritten Tag bereute sie ihre Aussage, ein Prinz war uninteressanter als der andere gewesen. Zwar waren sie alle tapfer und gutaussehend, sich aber dessen auch sehr bewusst und daran gewöhnt, dafür bewundert zu werden. Fest überzeugt, dass sie den nächsten zwei Prinzen ebenfalls einen Korb geben würde, zog Marina sich in den Garten zurück, ihren Lieblingsort im ganzen Schloss. Dort konnte sie mit ihren Gedanken alleine sein. Manchmal fühlte sich das Schloss wie ein Gefängnis an, doch hier war sie frei, hier war sie sie selbst, hier war sie ungestört. Doch… wer war das? An ihrem Platz am See saß ein junger Mann im Gras und las ein Buch. Er bemerkte ihre Ankunft, sprang auf und errötete. “Oh, ich wusste nicht, dass… ich wollte nur ein wenig alleine sein.”
“Schon gut, mir geht es genau so.”
Eine Zeit lang saßen sie still nebeneinander und beobachteten die Fische im See.
“Und vor wem versteckst du dich?”, fragte Marina.
“Vor meinem Vater. Er hat mich hier hin geschleppt, damit ich einer Prinzessin, die ich noch nie gesehen habe, den Hof mache.”
“Vielleicht ist sie ja nett”, schob die Prinzessin mit einem Lächeln ein.
“Vielleicht ist sie aber auch eine Hexe, die kleine Kinder zum frühstück verpeist”, sagte der Junge. “Wie dem auch sei, ich möchte selbst für mich entscheiden.”
Da offenbarte die Prinzessin ihre Identität und der Junge, der der fünfte Prinz war, staunte nicht schlecht und bereute fast seine Worte.
Am nächsten Tag gingen die beiden zu ihren Eltern, und teilten ihnen mit, dass sie sich selbst entscheiden wollten. Doch es kam, wie es kommen musste und ein Jahr später schon waren die beiden miteinander verheiratet. Und wenn sie nicht gestorben sind…