Short Story Collab #12: Neuanfang

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SSC / Writing
matcha_latte

Thema für Dezember : #12: “Rollkragenpullover” (1. – 30. Februar) (Wurde in der Facebook-Gruppe abgestimmt)

Dezemberbeiträge (Neuanfang):

Was ist das überhaupt?
Alle bisherigen Beiträge.

Ich hab den Eindruck, mich zu wiederholen. Es ist nicht so, dass mir die Ideen ausgingen, ich hatte auch hier ein halbes Dutzend Ansätze. Aber irgendwie schiebe ich die zur Seite, weil ich sie zu umständlich finde und gehe dann zu dem zurück, was mir vertraut ist. So wirkt es zumindest. Bin wie immer nicht so schrecklich zufrieden, aber die Geschichte ist jetzt zwei Wochen überfällig und muss endlich raus. Also:

Mein Beitrag zum Dezember-Thema “Neuanfang”:

Es war ein Tag wie jeder andere, als Jonathan beschloss, sein Leben, wie er es bisher führte, zu ändern. Es gab kein einschneidendes Erlebnis, kein Schicksalsschlag, nichts dergleichen. An einem Tag war noch alles in Ordnung gewesen und am nächsten hatte er sein Leben nicht mehr ertragen können. Vielleicht hatte er nur nie darüber nachgedacht, wahrscheinlich war es eine schleichende Entwicklung gewesen – für ihn selbst kam es überraschend. Sein gesamtes bisheriges Leben schien ihm sinnlos geworden zu sein, verschwendet. Was hatte er vorzuweisen? Keine Familie, keine Kinder, er hatte nichts wirklich wichtiges mit seinem Leben angestellt, nichts erfunden, entdeckt oder erschaffen. Nicht mal einen Baum gepflanzt. Er hatte Geld, er hatte Erfolg, viele würden ohne zu zögern mit ihm tauschen, seine Freunde würden ihn für verrückt erklären, würde er ihnen erzählen, was ihn seit einigen Tagen beschäftigte. Er sollte glücklich sein. Er hatte alles, was er als junger Mann alles haben wollte. Erfolg. Geld. Karriere. Protzige Karren, gleich zwei davon. Ein Haus mit Pool. Doch was machte man, wenn man seine Ziele erreicht hatte? Oder merkte, dass die Ziele eigentlich ziemlich banal gewesen waren? Die Antwort auf beide Fragen waren so klar für ihn, als stünden sie in großen Leuchtbuchstaben direkt vor ihm geschrieben:
„Neu anfangen! Neue Herausforderungen suchen!“
„Midlife Crisis“ nannten seine Freunde das spöttelnd, als er anfing, sich neue Hobbies zu suchen, neues zu erleben. Yoga, Klettern, Downhill, Bungee, Abenteuerurlaub… nichts von dem füllte die Leere, die er in sich spürte, oder wenn, dann nur kurzfristig. Auf jedes Wochenende voller Action, an dem er sich lebendig gefühlt hatte, folgte der Montag wie ein heftiger Entzug, stürzte ihn Woche um Woche in ein tieferes Loch. Er wusste nicht, wie lange er noch die Fassade eines funktionierenden Zahnrads der erfolgsorientierten Leistungsgesellschaft aufrecht erhalten konnte. Manchmal saß er stundenlang im Büro und tagträumte davon, einfach abzuhauen. Eine vertraute Stimme holte ihn in die Realität zurück.
„Jonathan?“
„Äh, ja, was denn, Peter?“
„Ob du alles für den 16-Uhr-Termin morgen vorbereitet hast?“
Jonathan schaute sich um, er saß in seinem Büro, aber so richtig anwesend schien er den ganzen Tag noch nicht gewesen zu sein, nicht mal sein Rechner war hochgefahren, wie ein schneller Blick auf den Monitor bestätigte. Das konnte Peter, der in der Türe stand, zum Glück nicht sehen.
„Klar, du weißt doch, dass du dich auf mich verlassen kannst.“
„Schon“, begann sein alter Freund. „Nur – keine Ahnung – du wirkst in letzter Zeit ein bisschen abwesend. Ist ja auch vollkommen okay, du powerst hier Tag und Nacht durch, da hat jeder mal nen Hänger. Sag halt einfach Bescheid, ist ja kein Drama, dann kann ich den Termin übernehmen.“
„Danke Pete, aber ist alles okay, wirklich. Nichts, was ein paar Energy Drinks nicht richten könnten.“ Read More

BuchSaiten Blogparade zum Jahresende 2014

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Bücher
bsbp14

2014 war ein durchschnittliches Lesejahr für mich. Ich habe bei Goodreads 43 Bücher eingetragen, mit insgesamt 10513 Seiten. 2012/2013 habe ich – George R.R. Martin sei Dank – mehr Seiten gelesen, 2012 allerdings weniger Bücher. Kein Wunder, so ein A Song of Ice and Fire-Band beschäftigt mich locker 4-6 Wochen. Mit 2014 bin ich nicht komplett zufrieden. Ich hab zwar die Bücherzahl geschafft, “echte” Romane waren da aber nicht so viele drunter, wie ich mir gewünscht hätte. Ich würde auch generell gerne mehr lesen, aber meist läuft es doch auf die U-Bahnfahrt zur Arbeit und zurück hinaus und ansonsten lese ich weniger. Leider. Vielleicht ändere ich das ja 2015.

Aber jetzt mal zur Blogparade (entdeckt übrigens bei Der Bücherblog, die Blogparade selbst findet ihr hier)

Welches war das Buch in diesem Jahr, von dem ich mir wenig versprochen habe, das mich dann aber positiv überrascht hat? (und Begründung)
rowling_cuckoos_calling
The Cuckoo’s Calling von Robert Galbraith aka. JK Rowling. Ich mag eigentlich keine Krimis und auch wenn das Buch stark klischeebeladen und die Fälle sehr konstruiert waren, mochte ich diesen Roman, genau wie den Nachfolger, den ich ebenfalls 2014 gelesen habe.

Welches war das Buch in diesem Jahr, von dem ich mir viel versprochen habe, das mich dann aber negativ überrascht hat? (und Begründung)
doug_dorst_s
Vermutlich S. bzw. Ship of Theseus von Doug Dorst & JJ Abrams. Die Aufmachung und die Idee waren so super, dass ich das Buch blind gekauft habe, ohne irgendetwas darüber zu wissen. Die Stories fand ich letztendlich nicht fesselnd genug, dass ich lange durchgehalten habe. Da es zwei Geschichten in einer sind (einmal das Buch und dann eine Meta-Geschichte zweier Personen, die sich das Buch immer wieder ausleihen und über Notizen an den Rändern des Buches miteinander kommunizieren), ist es nicht leicht, zu lesen und man wird durch die Zusatzinfos, Zeitungsartikel, Postkarten und so weiter immer wieder aus dem Lesefluss gerissen. S. macht sich dennoch hervorragend im Regal und ich werde das dieses Jahr erneut versuchen, auch wenn man das leider schlecht in der Bahn lesen kann.

Welches war eure persönliche Autoren-Neuentdeckung in diesem Jahr und warum?
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Möglicherweise Ian Doescher. Seine Shakespeare’s Star Wars-Trilogie habe ich innerhalb kürzester Zeit verschlungen und hoffe nun inständig auf neues Material. Sehr, sehr lustig geschrieben, davon darf es ruhig mehr geben.

Welches war euer Lieblings-Cover in diesem Jahr und warum?
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The Night Circus. In der Mayerschen gesehen und direkt ins Cover verliebt, gekauft und nicht enttäuscht gewesen.

Welches Buch wollt ihr unbedingt in 2015 lesen und warum?
Ernest_Cline_Armada
Das ist eine gute Frage. Normalerweise lasse ich mich von Büchern überraschen und plane nicht, bestimmte Bücher zu lesen. Dazu müsste ich jetzt schauen, was 2015 alles erscheint. Ich hab durch den Artikel auf Der Bücherblog von einem neuen Roman Ernest Clines (Ready Player One) erfahren und das würde ich auf jeden Fall lesen wollen. Falls was neues von Terry Pratchett kommt, dann das natürlich auch. Und der dritte Cormoran-Strike-Roman kommt ja sicher auch dieses Jahr.

Short Story Collab #11: Familie

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SSC / Writing

Thema für Dezember : #11: “Neuanfang” (1. – 31. Januar) (Wurde in der Facebook-Gruppe abgestimmt)

Dezemberbeiträge (Familie):

– Über Weihnachten waren alle faul, so wie ich. Meiner wird noch nachgereicht, bin hoffentlich nicht der Einzige.

Was ist das überhaupt?
Alle bisherigen Beiträge.

Mein Beitrag zum Dezember-Thema “Familie”:
(Nachtrag: ich hab alles vorgeschrieben, dann aber doch in WordPress noch Änderungen gemacht, die WordPress dann meinte, löschen zu müssen. Also liebe Kinder: schreibt immer in einem anderem Programm und speichert oft!)

“Ich entschuldige mich jetzt schon mal für meine Eltern“
Craig sah ernsthaft mitleidig aus, als er kurz vor der Haustüre seiner Eltern inne hielt, um Tricia zum nun 17 Mal an diesem Tag zu sagen, wie ungerne er sie seinen Erzeugern aussetzte und, dass es nur für diesen einen Abend sei, es sei schließlich Weihnachten und da müsse man ja…
Tricia fand, Craig würde maßlos übertreiben. Jedem ist doch manchmal die eigene Familie peinlich und man hat immer Sorge, wenn man seinen neuen Partner den Eltern vorstellt und dann gleich zur Weihnachtszeit, alle auf einmal. Tricia schob Craigs Verhalten auf die übliche Nervosität, doch nachdem sie während der gesamten Fahrt nach Aspen, wo das weitläufige Anwesen der Familie stand, immer wieder in sein sorgenvolles Gesicht schauen musste, war sie sich nicht mehr sicher. Während Craig noch zögernd an der Tür stand, schaute sie sich um. Den Autos zufolge, die in der Einfahrt geparkt standen, waren Craigs Geschwister auch schon da und dem Schnee nach zu urteilen auch schon ein bisschen länger. Sie mochte es nicht, sich zu verspäten.

Tricia schubste Craig leicht nach vorne. „Na los, mir wird kalt. Schlimmer als hier draußen zu erfrieren kann es drinnen auch nicht sein.“
„Wenn du wüsstest…“, seufzte Craig. „Na gut, du hast es so gewollt.“
Er klingelte und kurz darauf öffnete eine ihm unbekannte Dame die Türe. Da seine Familie immer nur über den Winter hier war, wechselten die Bediensteten saisonweise und Craig sah sie selten mehrmals. Er nickte ihr dennoch freundlich zu, wünschte ihr ein frohes Fest und gab ihr seinen Mantel, nachdem er Tricia aus dem ihrem geholfen hatte.
„Die Herrschaften haben bereits zu speisen begonnen, Sir, sie wollten nicht länger warten, sagten sie.“ teilte das Hausmädchen den beiden mit, während sie ins Hausinnere vordrangen.
Craig überprüfte seine Uhr – die Einladung sagte „6pm“, das war vor 20 Minuten. Leise grummelnd führte er Tricia zum Esszimmer. Diese versuchte, nicht allzu beeindruckt von den Ausmaßen und der Einrichtung des Hauses zu sein. Als Model war sie opulente Heime gewöhnt – Designer mochten es gerne extravagant und steckten nicht selten all ihr Geld in teure Vorzeigehäuser, in denen sie dann übertrieben große Partys feierten – sie selbst kam allerdings aus eher bescheidenen Verhältnissen und hatte selbst nie den großen Durchbruch geschafft, um sich als wirklich wohlhabend bezeichnen zu können. Mit mittlerweile 34 war der Zug auch abgefahren, das wusste sie. Das mit der Schauspielerei – ihr geplantes zweites Standbein – wollte auch nicht so recht zünden. Craig hatte sie schon vorgewarnt, dass seine Eltern sie ziemlich direkt darauf ansprechen würden. Sobald ein Partner ihrer Kinder selbst nicht sein morgendliches Frühstück mit dem goldenen Löffel gegessen hatte, vermuteten sie sofort materielle Absichten und nicht wenige seiner bisherigen Freundinnen hatten nach dem ersten Kreuzverhör genug von seinen Eltern und bald darauf auch von ihm gehabt. Tricia kam normalerweise gut bei Schwiegereltern an und machte sich keine Sorgen, doch Craig war seit Tagen nervös. Er drehte sich im Gehen zu ihr um. „Okay, sei einfach du selbst. Aber nicht zu sehr. Du weißt schon.“ Sie warf ihm eines ihrer Lächeln zu, wegen der er sich vor fünf Monaten direkt in sie verguckt hatte, als er sie das erste Mal in der Bar gesehen hatte. Tagelang war sie ihm nicht aus dem Kopf gegangen, bis er sie am folgenden Wochenende erneut in derselben Bar traf – und schnurstracks ansprach. Es stellte sich heraus, dass auch sie nicht wegen der Karaokenacht die Bar zum wiederholten Male aufsuchte. „Ich dachte schon, du sprichst mich gar nicht mehr an“, schnitt sie ihm das Wort ab, als er auf sie zu kam, um einen Stunden im Voraus zurecht gelegten Spruch aufzusagen. Damit hatte er nicht gerechnet und als sie wieder ihr Lächeln aufblitzen ließ, blieb er eine gefühlte Ewigkeit wie angewurzelt mit offenem Mund stehen, bis er – leicht peinlich berührt – seine Sprache wieder fand. Das schaffen sonst nur seine Eltern, dass er sein Selbstbewusstsein und seine Eloquenz einbüßte. Ansonsten hätte er es auch nie so weit geschafft als CEO eines Internetstartups. Er erinnerte sich noch genau an den Abend, als er seinem Vater sagte, er würde der familieneigenen Immobilienfirma den Rücken kehren, um etwas eigenes auf die Beine zu stellen. Mittlerweile lief es so gut, dass er sich auch durch Enterbungsdrohungen nicht mehr einschüchtern ließ, dennoch wünschte er sich sehnlichst nur einmal ein einziges lobendes Wort von irgendwem in seiner Familie zu bekommen. Bisher vergeblich.
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David goes Foodblogger

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In eigener Sache / Rezepte

Als ich letztens mal wieder mit HelloFresh* kochte (durch die unpassenden Lieferzeiten hab ich eine Zeit lang pausiert. Jetzt lasse ich es mir auf die Arbeit liefern, schleppe es abends nach Hause und koche da), fing ich an, erneut regelmäßig Fotos meiner Gerichte hochzuladen, zuerst nur auf Facebook. Die waren nicht sonderlich gut und es gab auch einiges an Feedback. “Bastel dir ein Lichtzelt”, “Nutze warmes, natürliches Licht”, “Benutze einen Blitz mit Softbox” usw. Und: “Lad die doch auf Instagram hoch.”

Veggie-Bagel + Maple Latte #Toykio

Ein von David M (@davidfotografiertessen) gepostetes Foto am

Mein Instagram-Konto gab es nicht mehr, weil ich dieses Jahr mal aufgeräumt hatte und Konten von allen möglichen Diensten gelöscht habe, die ich nicht mehr sinnvoll fand. (foursquare, TwitPic, Blip.fm, last.fm, Instagram…) Am meisten gestört an Instagram hat mich die Qualität der Fotos, auch meiner eigener. Wenn man Essensfotos postet, dann sollten die eines der folgenden Kriterien erfüllen:
1) man hat es selbst gemacht und will das zeigen
2) man war essen und fand, die Mahlzeit sah besonders schön aus.

Viele Konten bestehen aus 30 identischen Fotos von Starbucks-Bechern, McDonald’s-Fraß oder noch schlimmer: Screenshots oder “lustigen” Netzfundstücken. Und diese Flut an Hashtags… ich hab es wirklich gehasst, fand meine eigenen Fotos auch nicht schön, also löschte ich meinen Account. Jetzt bin ich wieder da, finde noch immer nicht alle Fotos schön, aber sehe das als Lernprozess. Ich fotografiere nur noch Essen (bzw. “Nahrung”, gerne auch Kaffee oder so) und versuche, schöne Fotos zu machen und dabei besser zu werden. Das ist schnell eine kleine Obsession geworden und ich bin ständig auf der Suche nach schönen Brettchen als Untergrund oder anderen Küchenutensilien, hab mir außerdem einen externen Blitz gegönnt und experimentiere gerne rum. Trotzdem steht die Nahrung im Vordergrund, weshalb ich immer versuche, die Mitte zwischen einem guten Foto und möglichst wenig Aufwand zu finden. Das Essen soll ja auch nicht kalt werden.

Ob ich einen Blog starten werde, weiß ich noch nicht. Vermutlich ist mir das zu viel Arbeit und ich wollte eh die Anzahl der Projekte, die ich in meiner Freizeit betreibe, verringern und nicht schon wieder was neues anfangen. Deshalb wird es vorerst bei meinem Instagram-Account bleiben. Ich plane nicht, damit berühmt zu werden, ob ich nun 10 oder 100 Follower habe, ist mir egal, aber ich würde mich natürlich dennoch freuen, wenn ihr mal vorbei schaut. Ihr dürft auch gerne Kommentare da lassen, was ich besser/anders machen könnte.

*HelloFresh ist ein Kochbox-Abo, d.h. es werden einem regelmäßig frische Zutaten + Rezepte zugeschickt, die man dann nachkochen kann. Hier hatte ich ganz zu Beginn mal darüber berichtet, mittlerweile bin ich bei über 30 Wochen und noch immer sehr zufrieden mit HelloFresh. Wenn ihr das mal ausprobieren möchtet, geht einfach auf HelloFresh.de, meldet euch an und gebt den Rabattcode QRFK76 ein. Mit dem Gutschein spart ihr satte 20 Euro auf eure erste HelloFresh-Kochbox.

Short Story Collab #10: Horror

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Thema für Dezember : #11: “Familie” (1. – 31. Dezember) (Wurde in der Facebook-Gruppe abgestimmt)

Novemberbeiträge (Horror):

Marcel
Bibi
Katta
Steffi
Makenshi

Was ist das überhaupt?
Alle bisherigen Beiträge.

Manchmal kommen Ideen ganz schnell, stellen sich am Ende aber als komplett unbrauchbar heraus. Manchmal ist es das genaue Gegenteil. Manchmal schreibt man und denkt mittendrin: “Mist, das kappt doch alles hinten und vorne nicht”. So auch hier. Nach 1000 Worten dachte ich, ich bräuchte noch mindestens 5000, um meine geplante Geschichte zu beenden, als sich unerwartet ein anderes Ende präsentierte, als ich geplant hatte. So richtig zum Thema passt es wohl nicht, aber letztendlich ist das ja gar nicht so wichtig.

Mein Beitrag zum November-Thema “Horror”:

3 Tage ist es schon her!“ Jack lief aufgeregt auf und ab. „3 Tage, seit Kramer mit unserem letzten funktionierenden Schneemobil zur Basisstation losgezogen ist. 3 Tage und nichts. Keine Nachricht, kein Rettungstrupp, gar nichts. Stattdessen sitzen wir in dieser Blechbüchse fest und warten ab, was uns zuerst tötet – Hunger oder Kälte.“ Jack war sichtlich außer sich.
„Reg dich ab, Jack“ Minho war äußerlich wie immer die Ruhe selbst. „Beruhig dich, am Ende tötet dich noch dein altes Herz und die Jungs von der Basisstation müssen deinen kalten Körper hier raustragen, wenn sie ankommen.“
„Niemand wird kommen.“ Ren zog an ihrer Zigarette, was ihr Gesicht in der dunklen Ecke, in der sie abseits von der Gruppe saß, erhellte. Das kurze Aufleuchten tauchte ihr Gesicht in ein gespenstisches Licht, als würden sie um ein Lagerfeuer herum sitzend Horrorgeschichten erzählen und sich eine Taschenlampe unter das Gesicht halten, um den gruseligen Worten Nachdruck zu verleihen.
„Wir haben unser Todesurteil unterschrieben, als wir Kramer mit dem Schneemobil losschickten. Niemand wird kommen und wir werden hier verrecken.“
Minho war genervt. Er mochte Ren nie besonders, aber ihre negative Einstellung half niemandem weiter. „Und was hätten wir deiner Meinung nach machen sollen?“ wollte Minho wissen. Seine Stimme hatte eindeutig von der Ruhe eingebüßt, aber er gab sich Mühe. Irgendwer musste ja einen kühlen Kopf behalten. „Nur eine Person passt auf das Mobil, wir hätten niemals alle zusammen fahren können.“
„Ihr hättet mich schicken sollen, statt den Nichtsnutz Kramer“, fauchte Ren aus ihrer Ecke. „Der Trottel hat es vermutlich geschafft, das Mobil gegen den einzigen Baum in der gesamten Arktis zu fahren. Oder er hat uns einfach im Stich gelassen und macht sich irgendwo einen schönen Tag.“
„Ren hat Recht“, warf Jack ein. „Wir hätten das niemals auslosen dürfen.“
„Und jetzt beruhigen wir uns alle erstmal ein bisschen.“ Minho spürte, wie sich ein stechender Schmerz in seinem Kopf breit machte. „Sich aufzuregen bringt uns auch nicht weiter; wir brauchen Lösungen. Wenn Kramer die Basisstation nicht erreicht hat, müssen wir uns was überlegen und zwar schnell!“
„Und wer hat dich zum Chef gemacht?“ wollte Ren wissen?
„Genau?! Seit wir auf dich hören geht hier alles den Bach runter!“, warf Jack ein.
„Den Bach runter? Den Bach geht alles runter, seit unsere Vorräte zur Neige gehen und der Kontakt zur Basisstation abgebrochen ist.“
„Aber die Idee, Kramer loszuschicken, die war von dir!“ Jacks Kopf war mittlerweile hochrot.
„Und was wäre dein Vorschlag gewesen?“ Minho wollte es nicht aufgeben, rational zu argumentieren, aber die beiden trieben ihn auf die Palme. Er hielt hier alles zusammen, überlegte sich Lösungen, rationierte die Nahrung. Alles, um ihr Überleben zu sichern, und wie dankten sie es ihm? „Hätten wir alle zusammen losziehen sollen? Wir wären nach der halben Strecke erfroren. Oder verhungert.“
„Wir verhungern auch hier, macht keinen Unterschied!“
Minho rieb sich die Schläfen. Dass er die letzten 2 Tage nur eine Dosensuppe, zwei Toast und etwas Dörrfleisch gegessen hatte, half ihm nicht gerade dabei, sich zu konzentrieren. Er hasste Dörrfleisch. Alle hassten es, aber er hatte sich die Ration zugeteilt, damit die anderen es nicht essen mussten. Aber statt ihm zu danken, warfen sie ihm vor, Essen zu sammeln und sich selbst größere Rationen zu geben. „Wir können jetzt noch den ganzen Abend und die ganze Nacht diskutieren, ändern wird das nichts an unserer Situation. Heute Nacht können wir eh nichts mehr ausrichten. Wenn wir morgen nichts gehört haben, müssen wir davon ausgehen, dass Kramer es nicht geschafft hat. Dann sehen wir weiter.“
„Was sollen wir denn da weitersehen, verdammt?“ Jack war außer sich. „Als du Kramer losgeschickt hast, hast du unser aller Todesurteil unterschrieben. Wir haben zu lange gewartet, jetzt haben wir nicht mal mehr genügend Rationen, dass wir es noch zu Fuß zur Basisstation schaffen könnten.“ Jack machte eine Pause, er atmete schwer und war hochrot im Gesicht. „Selbst wenn, wissen wir nicht, was uns dort erwartet. Vielleicht sind sie alle tot. Oder abgehauen!“
„Blödsinn!“ Minho hatte keine Lust mehr auf diese sinnlose Diskussion. „Wir haben uns genug aufgeregt für einen Abend, wir sollten lieber unsere Kräfte einteilen.“
„Für was denn?“
„Genug jetzt! Hier, eure Rationen für heute. Esst und dann schlaft. Oder auch nicht, mir egal, aber ich werde jetzt schlafen, ich brauche meine Kraft, ich will hier schließlich lebend rauskommen.“
„Genau, geh ‚schlafen‘ und iss dich mit unseren Vorräten voll.“
„Was murmelst du, alter Mann?“
„Gar nichts, gar nichts. Bis morgen.“
Die drei verschwanden in ihre jeweiligen Quartiere. Minho schlief nicht viel in dieser Nacht. Er war nicht geschaffen für solche Situationen, er war nicht gut darin, Entscheidungen zu treffen, schon gar nicht, wenn Leben davon abhingen. Wenn sie hier blieben, würden sie alle innerhalb weniger Tage sterben. Aber draußen würden sie zu Fuß nicht weit kommen, schon gar nicht geschwächt mit den geringen Rationen. Zwei Personen hätten eine bessere Chance, wenn auch nur gering. „Und Jack war alt und schwach“ Minho schämte sich, diesen Gedanken gehabt zu haben. Er war sich sicher, dass die beiden anderen gerade ähnliches dachten, aber das hier war keine Matheaufgabe, es ging um Menschenleben. Wie war er nur in diese Situation gelangt? Er wollte niemals diese Art Verantwortung haben, aber als der Leiter der Mission vor zwei Wochen an einer Lungenentzündung starb und Michael, der nächste in der Rangfolge, durchdrehte und nackt in die Kälte hinausrannte, fiel ihm die Verantwortung zu. Er erinnerte sich lebhaft an das Überwachungsvideo, das sie sich gemeinsam angeschaut hatten, nachdem Michael eines morgens nicht zum Frühstück auftauchte. Erst hatten sie ein Lachen unterdrücken müssen, als er sich vor den Kameras auszog, aber schon bald verging ihnen das Lachen. Michael wirkte am Ende wie besessen, als er letzten Endes hinaus in die Kälte, in seinen sicheren Tod, rannte. Seine letzten Worte hatten sie nicht vernehmen können, die Aufzeichnungen waren ohne Ton. Aber sein Blick, als er in einem Moment der Klarheit direkt in die Kamera schaute und ruhig die Worte sprach, die für Minho nach „Ihr werdet alle sterben!“ aussahen, lies Minho auch jetzt noch frösteln, wenn er daran dachte. Unruhig schlief er ein, wälzte sich hin und her. Nach wenigen Stunden wachte er hungrig auf und haderte mit sich, ob es sinnvoll war, die Ration jetzt schon anzubrechen. Er hob sich sein weniges Essen lieber bis möglichst spät am Tag auf. Doch sein Magen gewann die Diskussion und er machte sich auf in die Gemeinschaftsküche, wo der Kühlschrank mit dem von ihnen nachträglich angebrachten Schloss stand, zu dem Minho den einzigen Schlüssel besaß. Das Schloss war aufgebrochen, der Kühlschrank leer. Er schaute zum Schrank daneben, doch wo gestern die letzten Konserven gestanden hatten, war jetzt nur gähnende Leere. Wütend schritt Minho den Gang zu den Quartieren entlang, schlug an die Türen der beiden verbliebenen Mitglieder des Expedition und schrie, dass sie sofort rauskommen mögen. Die Türen öffneten sich. Minho beobachtete die beiden, erkannten aber auf beiden Gesichter nichts als Wut und Müdigkeit. Keine Spur von Schuld.
„Was soll der Scheiß, malträtierst du uns nicht tagsüber schon genug?“ wollte Jack wissen.
Ren schwieg und starrte ihn nur böse an.
„Okay Leute, es geht hier um unser Überleben, das ist kein Spiel. Irgendeiner von euch hat die Vorräte gestohlen, wir haben nichts mehr, gar nichts!“
„Wer sagt uns, dass du das nicht selbst warst?“, forderte Ren.
„Genau, du könntest das ebenso gewesen sein.“
„Blödsinn.“ Minho spürte schon wieder seine Kopfschmerzen. „Aber gut, das lässt sich leicht herausfinden, wir schauen einfach in allen drei Quartieren nach, habt ihr ja sicher kein Problem mit?“
Minho wartete kurz eine Reaktion ab, als die ausblieb, stürmte er in Jacks Zimmer. Er musste nicht lange suchen, da kam er schon mit einer Hand voll leeren Konservenbüchsen heraus. Er hielt sie Jack anklagend entgegen.
„Und? Was hast du zu sagen?“
Und als eine Antwort ausblieb: „Hast du alles gegessen? Wie dumm bist du eigentlich? Wegen dir werden wir alle draufgehen. Auch du!“
Minho musste sich setzen, bis gerade hatte er selbst nicht wahrhaben wollen, was das bedeutete. Aber war ihr Schicksal nicht sowieso schon besiegelt gewesen? Zwei Tage mehr oder weniger, was hätte das schon ausgemacht?
„Aber… aber… ich war das nicht!“ beteuerte Jack.
„Halt einfach die Klappe“, fuhr Ren dazwischen. Und zu Minho: „Wir müssen ihn bestrafen.“
„Aber was bringt uns das? Dadurch leben wir auch nicht länger.“
„Hm, ausnahmsweise gebe ich dir recht. Und was dann?“
„Wir müssen versuchen, zur Basisstation zu kommen, das ist unsere einzige Hoffnung.“
„Das sage ich doch seit Tage“, warf Jack ein.
„Du hast hier nichts mehr zu sagen, ist das klar?“ bellte Ren ihn an. Und an Minho gewandt: „Aber was ist mit dem Problem der Vorräte? Gestern hatten wir zu wenig für den Weg und heute haben wir noch weniger. Selbst wenn wir Jack hier lassen…“
„Hey!!!“
„Selbst wenn wir ihn hier lassen, was noch gnädig wäre. Sein Verhalten hat unseren Tod so gut wie besiegelt. Wir können uns kaum auf den Beinen halten, haben drei Tage Fußmarsch bei -20 Grad vor uns und haben keinen Bissen zu Essen.“
Minho merkte langsam, worauf sie hinaus wollte. Ihm gefiel die Richtung nicht, aber rein rechnerisch war das Überleben zweier Personen auf Kosten von einer doch dem Tod aller drei Menschen vorzuziehen, oder etwa nicht? „Was schlägst du vor?“, fragte er vorsichtig.
„Dass wir sofort losziehen und keine Minute mehr verlieren.“
„Ihr könnt mich doch nicht zurück lassen!“ flehte Jack.
Minho ignorierte sein klägliches Jammern. „Und du glaubst, wir kommen weit? Ich bin heute Nacht schon fast gestorben vor Hunger!“
Ren ließ ein merkwürdiges Grinsen aufblitzen. Sie verschwand kurz in ihr Zimmer und stand plötzlich wieder in der Tür, eine Axt in der rechten Hand. „Ich hatte eigentlich gedacht, wir essen vorher noch was“ Und mit einem Nicken in Richtung Jack, der schluchzend auf dem Boden lag. „Und für den Weg sollten wir uns auch noch was einpacken.“
Minho spürte Übelkeit in sich aufsteigen. Aber sie hatte recht, welche Wahl hatten sie schon? Sie könnten hier bleiben und alle drei in dieser elendigen Station mitten im Eis verhungern oder erfrieren. Oder sie könnten zu zweit losziehen und hätten wenigstens eine geringe Chance, zu überleben. Sein knurrender Magen übertönte seine Gedanken. Er ging langsam in die Küche und machte sich auf die Suche nach einem großen Messer. Er konnte schon förmlich den Geruch von brutzelndem Frühstücksspeck riechen und das Wasser lief ihm bereits im Mund zusammen.